Vom Wert einer Jeans

An drei Projekttagen im Jahr beschäftigen sich die Jahrgangsstufen 8 der GSS-Schule mit dem Thema Wasser.  Die Schüler*innen einer Klasse waren bei uns zu Gast, nachdem sie am Tag vorher Proben  von Gewässern aus ihrem nahen Umfeld von Zuhause mitbrachten und diese untersuchten.  Ich fand das spannend und hätte gerne mehr über ihre Messergebnisse erfahren, aber dafür war leider keine Zeit.

Bei uns ging es um das Thema: virtuelles Wasser.  Die Antworten auf meine Frage:  „Wisst ihr, was man unter virtuellem Wasser versteht?“ zeigte  mir, dass  sie mit dem Thema bereits im Ansatz vertraut waren.  In einem Satz erklärt könnte man sagen:  „Virtuelles Wasser  bezeichnet die Menge an Wasser, welches für die Herstellung und Weiterverarbeitung eines Produkts insgesamt benötigt wird“.
Am Beispiel der Erzeugung einer Jeans näherten wir uns dem Thema weiter an. 11000 Liter Wasser braucht man laut Studien, um eine Jeans herzustellen! Wie kann das sein?

Für die Herstellung braucht man Baumwolle, die in tropischen oder subtropischen Ländern angebaut wird. Wie die Jugendlichen richtig feststellten, „muss es warm sein und wahrscheinlich regnet es in solchen Ländern nicht so häufig“. Es regnet nicht weniger häufig als bei uns, aber das meiste Wasser verdunstet ja bereits, bevor es auf der Erde auftrifft.
Schnell fanden sie heraus, dass man die Plantagen bewässern muss, damit die „Baumwollwatte“ der reifen Früchte geerntet werden könne. Zum Beispiel wird Wasser abgepumpt aus Flüssen oder Stauseen und rieselt auf die Büsche.
Die Pflanze ist, wie das so bei Monokulturen üblich ist, stark gefährdet für Krankheiten, deshalb wird ordentlich mit Pestiziden nachgeholfen. So wird auch deutlich, dass das Wasser nicht mehr in den Kreislauf zurück geführt werden kann.
Bei den anschließenden aufwändigen Prozessen der Weiterverarbeitung  wie Waschen, Spinnen, Weben, Färben ist der Wasserverbrauch auch nicht unerheblich.
Damit das Thema  trotzdem nicht nur theoretisch und „trocken“ rüberkommt, haben wir verschiedene Stationen vorbereitet, bei denen sie den Prozess  besser nachempfinden konnten.
Bei der ersten Station ging es darum mit  zehn 10l Eimern Wasser aus der Erlache anzuschleppen, in Gießkannen umzufüllen und damit die Pflanzen aus dem Garten oder in den Töpfen zu gießen. Ärgerlich war, wenn da bereits Wasser verloren ging.  Wie schwer ist es, sich vorzustellen, dass man 10 mal die Eimer füllen muss, um erst einmal 100l zu haben. Um danach abzubilden, wie oft sie die Eimer füllen müssten um ein Becken, dass 11m breit und 1000 m lang und 1 m hoch ist, zu füllen.

Für die Aufgabe an Station zwei hatten viele ihr Interesse bekundet.  Materialien standen bereit, um im Sand ein Wasserleitsystem zu errichten, in dem Wasser fließen und in einem Becken aufgefangen werden konnte.  Das Matschen mit Lehm  für die Errichtung eines Wasserspeichers schien besonders Spaß zu machen.

Station drei
war etwas für Menschen mit Fingerfertigkeit. Sie zupften Schafwolle zu walnussgroßen Bällchen und stellten sich dabei die Frage, wie lange es wohl dauert, bis ein Korb oder gar ein Lastwagen damit gefüllt sein würde. Den Prozess des Spinnens ahmten sie nach, indem die  Bällchen dann anschließend zu Schnüren gezwirbelt wurden.

Gruppe  vier bekam ein weißes Laken, färbte es mit Farbpigmenten blau ein und schneiderte daraus eine Jeans.

Im Schatten der Bäume trafen wir uns, um in einer Reflexionsrunde festzuhalten, wie jede Gruppe ihre Aufgabe gemeistert hat und ob sie neue Erkenntnisse erwerben konnten.  Ein O-ton war ziemlich eindeutig. „Also, das Wasserschleppen war ziemlich anstrengend und wenn man bedenkt, dass man täglich selbst mindestens 100l  Wasser verbraucht, dann macht mich das schon nachdenklich“.
Die „Baumeister“ der Wasserleitung haben sich als zukünftige Ingenieure empfohlen, waren sich aber im Klaren, dass sie ziemlich lange gebraucht hatten, um sich einig zu werden.
Im Ergebnis haben sie alles richtig gemacht. Die Leitung war dicht. Das Wasser kam im Staubecken an.  Unsere Blumen und Pflanzen bekamen genug Wasser.  Es gab Applaus und strahlende Gesichter.

 

Biodiv-Heroes sind am Start!

Ein großer Augenblick für die ehrenamtlich Engagierten aus den Bereichen Natur- und Umweltschutz fand ebenfalls am Tag der Artenvielfalt (s. voriger Blog) bei uns im Hause statt.
Feierlich und im passenden Outfit standen sie zusammen die Biodiv Heroes und warteten gespannt darauf, dass Wolfgang Moschek die Homepage freischaltet. Wochenlang hat ein kleines Team recherchiert, Texte geschrieben, gebündelt und an der Homepage gebaut. Ich glaube die größte Herausforderung war für sie aber, uns, die anderen Aktiven anzuhalten, selbst Beiträge aus den Arbeitsgruppen abzuliefern. Nicht so einfach für diejenigen, die zusätzlich ihre freie Zeit nutzen mussten, um das, was praktisch passiert und/oder bereits geschehen ist, auch zu einem Artikel zusammen zufassen.  Das Ergebnis ist beachtlich. Es entstand ein achtseitiger Newsletter und eine gute Plattform für die Biodiv Heroes auf der Homepage.

Der Weg bis zu diesem Moment war lang und trotzdem kurz, denn wir stehen ja noch am Anfang.  Wer mehr über die Entstehung der Biodiv Heroes erfahren will, kann das nun ausgiebig auf der Homepage tun (www.biodiv-heroes.com).
Ich war von Anfang an dabei und hätte nie im Leben wirklich erwartet, dass wir einmal an diesem Punkt ankommen. Ehrenamtliches Engagement findet oft im Stillen und unbeachtet statt. Persönlich fand ich die Arbeit in den AGs sehr anregend und effektiv. Als Pädagogin war ich umgeben von lauter „Spezialisten“, die sich dem Artenschutz verschrieben haben. Besser als jede Schulstunde!

Spannend fand ich den Entstehungsprozess der zur Gründung des Netzwerks der Biodiv Heroes geführt hat.  Es war beeindruckend wie uns Ulf in die Philosophie und Denkweise von Unternehmensgründungen mitgenommen hat. Natürlich hatten wir nicht vor, ein Unternehmen zu gründen, aber wir wollten verstehen, welches Basiswissen man braucht, um seine Zielgruppen zu finden, wie man sie effektiv bewirbt und einbinden kann.
An dem Tag, an dem es dann wirklich so weit mit der Namensgebung sein sollte, spielten tatsächlich auch unsere „Kunden der Zukunft“, Kinder,  eine tragende Rolle.
Die Teilnehmer*innen der AG saßen im Schatten des Hauses. während  Ulf, unser Coach,  zusammenfasste, was in den vorangegangenen Workshops erarbeitet wurde.
Der Zufall wollte es, dass gerade Kinder vor Ort waren und die Gruppe aus der Ferne beobachtete.  „Das sind ja echte Heroes“ sagt ein Mädchen spontan, als ich ihnen ihre Frage beantwortete, warum denn heute diese Leute da sind. Indirekt waren sie so zu „Geburtshelfern“ geworden.

Auf der Homepage erfahren Sie noch mehr über die Entstehung oder den Auftrag, den sich die Heroes gegeben haben.
Ich zitiere: „Das Engagement für Biodiversität ist nicht immer einfach. Wer wirklich etwas für den Schutz der biologischen Vielfalt tun will, muss schon ein bisschen ein Hero sein – mit Ahnung von der Sache, Coolness, Ausdauer und sogar mit Mut. Schließlich muss man manchmal auch unangenehme Themen ansprechen, gegen Widerstände ankämpfen oder sogar über den eigenen Schatten springen.
Biodiv-Heroes packen direkt vor unserer Haustür überall dort an, wo etwas für den Natur und Artenschutz getan werden muss. Manche im Rahmen ihres Berufs, andere ehrenamtlich in ihrer Freizeit, aber alle mit dem Ziel, unsere Zukunft im Kreis Bergstraße vielfältig zu gestalten – mit der Natur.“
Erfahre jetzt, wie Du zum Biodiv-Hero werden kannst.

Vielfalt braucht Vorbilder!

Was hatte ich vor diesem Tag Respekt. Es gab so viele Unwägbarkeiten. Das Wetter, weitere Veranstaltungen in der Region, bleiben alle gesund….?
Als es Abend wurde, wir alles in Ordnung gebracht und noch einen so schönen Blick auf den See hatten, war ich mir sicher: Alles war gut!

Hier sieht man die lange Tafel mit den Mitwirkenden am Ende des Tages – es sind noch nicht einmal alle dabei. In geselliger Runde saßen wir zusammen und knüpften dabei auch weiter am Netzwerk der Biodiv-Heroes. Die Biodiv-Heroes werde ich in einem extra Blog vorstellen und würdigen. Heute gab es auch Grund zum Feiern, denn die Homepage wurde freigeschaltet (www.biodiv.-heroes.com).

Doch zurück zum Anfang. Natürlich gab es viel vorzubereiten und zu organisieren, aber das war ja auch vorherzusehen. Und ich konnte auf meine ehrenamtlichen Helferinnen bauen. Ein super Team, die zwei, die sich zusammen mit Mechtild um das leibliche Wohl kümmerten.

Das Thema „Vielfalt braucht Vorbilder“ war mehr als nur ein Motto. Es war und ist ein Auftrag. Wir müssen Bewusstsein schaffen für das sensible Ökogeflecht und wie verletzlich wir damit umgehen. Inzwischen bin ich mir zu hundert Prozent sicher, dass wir alle Vorbilder sein müssen. Jede*r für jeden und alle für unsere Schöpfung, für unseren Planeten. Es ist nicht nur so, dass die Naturschützer ein gutes Vorbild sein müssen,  nein, Eltern, Kinder, Politiker, Lehrer*innen, junge Menschen, alte Menschen… ALLE!

Unsere Info- und Mitmachstände sollten dies repräsentieren. Die Liste der Zusagen war lang und kompetent. Bereits da war ich überwältigt.
Eigentlich braucht es nicht mehr viele Worte, Bilder sprechen für sich und die Stimmung, die ich spüren konnte und die mir von den Mitwirkenden bestätigt wurde.

Schon Tage vorher machte ein Kunstwerk der besonderen Art auf sich aufmerksam. Dieser Würfel beinhaltet den Unrat einer halbjährigen Müllsammlung innerhalb eines Kilometers an der Weschnitz. Hat man da noch Worte?
Man kann da noch eins drauf setzen, dachten sich die Verantwortlichen des Gewässerverbands und schufen ein weiteres Kunstwerk der besonderen Artenvielfalt. Es gab auch noch das gelbe Schalentier oder das Maultäschel oder den gemeinen Beutler. Sie können raten, was sich dahinter verbirgt.

Um an wirklich allen Ständen vorbei zu kommen, führten wir die Menschen rund ums Haus. Meine Mitfavoriten an diesem Tag waren die Schafe und Ziegen von Simone Häfele. Den Tieren machte die Hitze nichts aus und sie waren gleichzeitig auch noch als Wiesenmäher im Einsatz.

Der Bereich um den Garten herum war gut in das Geschehen integriert. Stephan, unser Experte in Sachen Permakultur und Meister seines Fachs im „Mähen ohne Gestank“, hatte sich direkt mit seinem Zelt vor dem Garten platziert. Er hatte jede Menge Fragen zu beantworten, vor allem Kinder waren an diesem Tag mit ihrem Quiz bei ihm vorstellig. Natürlich waren sie neugierig, wie man eine Wiese ökologisch mähen kann. Die Antwort auf die Frage gab er ihnen nicht gleich. Er ließ sie selbst dahinter kommen. Die Schafe waren es ausnahmeweise nicht.

Gut zu ihm passte Birgit Rinke, die den Verein „Gemeinsam Wirtschaften“ vertrat. Ihr Anliegen: Wie kann man im Garten auf chemische Keulen verzichten.

 

 

Gut besucht war auch der Stand von Maria Romero und Ihrer Kollegin der Stadt Bensheim. Kinder konnten dort aus Tontöpfen einen Unterschlupf für Ohrwürmer herstellen. Ihre Leibspeise sind Blattläuse. Bitteschön! Wir danken den Fluginsekten für die Unterstützung, macht es euch in unserem Garten gemütlich. Ja, die Ohrenkneifer können tatsächlich fliegen. Sie tun es nur selten.

Schmetterlinge sind ein Steckenpferd von Steffi. Sie bietet auch im Abrufprogramm Kurse rund um diese wunderbaren Geschöpfe an. An ihrem Stand konnte man sich nicht nur informieren, sie hatteauch genügend spannende Materialien mitgebracht, damit man die Gaukler der Lüfte noch besser  kennenlernen kann. Stephanie ist seit vielen Jahren freie Mitarbeiterin bei uns und wir wissen ihre Kenntnisse über Flora und Fauna  sehr zu schätzen.

 

Ähnlich langjährig ist unsere Freundschaft zu Eva. Sie liebt Kräuter und deren Verwendung, deshalb ist sie auch als Kräuterspezialistin im Programm mit dabei. An diesem Tag wollte sie auf Kräuter aufmerksam machen, die gerade Saison haben. Ihre Quizfrage lautete deshalb auch: Welches Kraut macht müde Füßen beim Laufen munter? Hätten Sie es gewusst? (Breitwegerich wäre richtig gewesen).

Gespannt war ich auf den Stand des BUND. Ihre Quizfrage machte neugierig. Was würden Hühner anstatt eines Eies zum Backen empfehlen (Leinmehl)? Ihr Schwerpunkt ist Ernährung, und dabei haben sie sich an diesem Tag eine vegetarische Kostempfehlung auf die Infotafeln geschrieben. Mit diesem Thema werde ich mich auch in Zukunft aus eigenem Interesse noch mehr beschäftigen. Mein Fleischverzehr reduziert sich immer mehr, aber auf Käse und andere Milchprodukte möchte ich (vielleicht noch) nicht verzichten.

Auf diesem Bereich des Außengeländes hat sich aber noch eine andere Gruppe stark gemacht. Ihr großes Interesse gilt den GROSSEN Pflanzenfressern, die vor ein paar Tagen ganz in der Nähe ihr Domizil bezogen haben. Heike ist eine begeisterte Unterstützerin für diese Aufgabe und ich könnte ihr stundenlang zuhören, wenn sie von ihrer Arbeit mit den Wasserbüffeln erzählt. Sie ist natürlich besonders von Wilma, dem jüngsten Mitglied der Büffelfamilie begeistert.

Nicht vergessen in dieser Ecke darf ich Jana. Sie ist, wie man  sieht, einfach quirlig und immer gut drauf. An ihrem Stand erfuhren die Quizteilnehmer, welche ihrer vielen Tomaten Janas Lieblingssorte ist. An diesem Beispiel kann man sehen, wie sehr man Vorbild sein kann. San Marzano heißt die Tomate, die Jana am besten schmeckt. Sie hätte an diesem Nachmittag nur diese Sorte im Angebot haben sollen. Alle wollten wissen, wie diese Sorte schmeckt. Schnell waren die Pflänzchen weg.

Vorne am See waren zwei interessante Stände aufgebaut. Die Naturschutztaucher des NABU waren zum dritten Mal im Einsatz und klärten mich darüber auf, wie die Wasserpflanze des Jahres heißt. Es ist die Armleuchteralge. Hätte ich nicht gewusst, jetzt weiß ich auch noch, wie sie aussieht. Sie hatten nur Positives zu berichten, der See hat inzwischen eine gute Wasserqualität und das Wasser ist viel klarer geworden, sonst käme diese Armleuchteralge nicht vor.

Natürlich zog es auch viele Kinder und Erwachsenen zum NABU Kreis Bergstraße. Walter Schuck war mit seiner Familie mit einem Amphibienstand vor Ort und es gab jede Menge zu entdecken.
Auch die Frösche im Teich gaben hin und wieder zur Freude aller ein Froschkonzert.
Sie können sehen – es hat sich gelohnt für die, die an diesem Tag den Weg zu uns gefunden haben.

Langsam schließt sich der Kreis. Aber im Schatten des Hauses und der inzwischen stattlichen Bäume im Innenhof gab es noch mehr zu entdecken.  Der Zweckverband Abfallwirtschaft des Kreises, kurz ZAKB,  sieht eine große Notwendigkeit darin, den Menschen zu erklären, was in die Biotonne gehört und was nicht. Da können wir ihnen nur beipflichten. Ihr Credo: Plastik hat nichts in der Biotonne zu suchen.

Und nebendran der Stand des BUND aus Darmstadt. Brigitte Martin ist in der Region keine Unbekannte. Sie erreicht viele Anfragen von meist aufgeregten Menschen, die ein Problem mit Wespen oder Hornissen haben. Brigitte hat genau für diese Insekten ein großes Herz und sie hilft den Betroffenen bei der Umsiedelung. An diesem Tag warb sie um Sympathie und Verständnis für die Hautflügler und gab Tipps für einen sicheren Umgang mit ihnen.

 

Zurückgezogen, aber in der Nähe ihrer „Lieblinge“, den Wildbienen hat Beate ihren Stand aufgebaut. Sie möchte die Faszination an den vielen Arten der Wildbienen weitergeben, besonders an der Mauerbiene, die im zeitigen Frühjahr zu Hunderten unser Wildbienenhotel umschwirrt. In den letzten Jahren hat sie ihnen zusammen mit anderen Mitstreiter*innen eine Wohnung gebaut. Hotel kann man es eigentlich gar nicht nennen, denn die Bienen wohnen ja dauerhaft an diesem Ort. Nachdem wir erkannt haben, dass man, wie Spezialisten sagen, 18 gravierende Fehler beim Bau eines Insektenhotels machen kann, und wir mindestens mit 10 Fehlern dabei waren, bauten wir artgerecht mit Bambus und Holunderstöcken die neue Wohnanlage.

Zurück in den Schatten an der Hauswand. Diese Plätze waren nicht nur bei den Gästen sehr beliebt. Der NABU Bensheim Zwingenberg hatte viel Interessantes zu einem großen Thema zu bieten – den Gebäudebrütern. Nachdem man in Bensheim schon nach Orten gesucht hat, an denen sich Gebäudebrüter niederlassen, ist man  nun bemüht, weitere Menschen dafür zu gewinnen, dass sie Vögel und Fledermäuse als Mitbewohner unter ihrem Dach nicht nur dulden, sondern sogar fördern.

Während sich die einen um den Artenschutz der Tiere kümmern, setzt sich die BVNH für Pflanzen ein. Annette Modl hat den Schatten dringend gebraucht, damit ihre Pflanzen, die sie auch als Bestandteil ihres Rätsels mitgebracht hat, den Tag überstehen. Sie war stark umringt von Menschen, die ihre Kenntnisse über Wildpflanzen vertiefen wollen, wie auch das Bild zeigt.

Nicht minder groß war das Interesse am Tisch von Sabine Dräger, einem Käsecoach. Ich war so gespannt, was bei ihr vor sich geht und ich bekam kaum eine Gelegenheit, mich auch einmal genauer bei ihr und ihrem Sohn Espen, der sie unterstützte, umzuschauen. Aber sehen Sie selbst. Die Kinder haben es genossen und die Mütter wollten anschließend den selbst hergestellten Käse gar nicht mehr hergeben. Das gab bestimmt ein feines Abendessen.

Ja, und wo war Sarah, meine Praktikantin, die soviel zum Gelingen des Festes durch ihre kreativen Ideen beigetragen hatte? Sie war verantwortlich für die Erstellung des Quiz und hat selbst einen Stand vorbereitet, bei dem Kinder Sonnenblumensamen einpflanzen konnten.

Während ich immer wieder einmal zu einem Rundgang auf dem Gelände startete, um die vielen Vorbilder bei ihrer Arbeit zu fotografieren, blieb ich auch immer wieder bei den Spezialisten vor dem Eingang hängen.

Frank Menger, ein großer Kenner der Eiszeit und ihrer Tierwelt, hat uns auch beim letzten Eiszeitfest schon Einblicke in seine Sammlung gegeben. Dieses Mal sprach er von richtigen Eyecatchern, die er mitgebracht hatte und so war auch an seinem Stand immer etwas los. Er versteht es, die Menschen mitzunehmen in die Vergangenheit, in die Zeit vor unserer Zeit und er gab seinen Zuhörer*innen so manche neue Erkenntnis mit auf den Weg.

Gleich daneben konnte ich unseren langjährigen Pilzexperten Harald Lutz begrüßen. Seine ganze Familie war mitgekommen und mit der Frage: „Was ist das größte Lebewesen der Erde?“ konnte man sich schon denken, dass das nicht ein Tier der Big Five sein wird, sondern eben ein Pilz. Ja, das größte Lebewesen der Erde ist tatsächlich ein Pilz mit dem Namen Hallimasch. Hätten Sie es gewusst?

Franz Schreier, besser bekannt als Pionier in Sachen nachhaltiger Ideen zur Energieverwendung, warb an diesem Tag, zusammen mit seiner Partnerin,  für ein Projekt, das er „Kindergärtnerei“ nannte. Die Rede ist von einem großen Gewächshaus, in dem Schulklassen und Kindergruppen regelmäßig zum Gärtnern kommen können. Ein „Kindergarten“ im wahrsten Sinne des Wortes.

Dass man bei diesem Programm und bei dieser Hitze auch Durst und Hunger bekommt, versteht sich von selbst. Deshalb war es mir auch eine besondere Freude, dass sich Herr Stadler mit seinen Quittenerzeugnissen auf den Weg von Weinheim nach Bensheim machte. Ich liebe Quitten und die vielen Möglichkeiten ihrer Verwertung. An diesem Tag habe ich die Quittenschorle kennen und lieben gelernt. Seit diesem Tag gibt es sie auch bei uns im Verkauf. Er ist natürlich Profi und versteht sein Handwerk.

Das kann Leonie auch von sich behaupten. Sie hat aus Kräutern und Holunderblüten super lecker schmeckende Limonaden hergestellt. Die Kräuter und Blüten waren frisch gepflückt, und mit Apfelsaft gemischt ergab es eine erfrischende Kräuterlimonade. Nach dem Rezept gefragt, antwortete sie: „Das mache ich so, wie es die Natur mir gerade anbietet“. Köstlich.

Und da war noch jemand. Wilfried liebt die Wildnis und hat sich schon früh am Morgen sein Plätzchen in „Willi die Wildnis“ gesichert. Er ist der Mann, der sich für alles interessiert, was mit der Steinzeit zu tun hat. Er kann Feuer machen wie die Steinzeitmenschen, er töpfert und verkraftet auch, wenn die Keramik nach dem Grubenbrand Schaden genommen hat, er baut mit den Kindern Pfeil und Bogen und versucht alles so zu machen, wie ein Mensch vor 5000 Jahren seinen Alltag gestaltete. Ich bin ein Fan von seiner experimentellen Archäologie.
Doch die Menschen fanden zunächst nicht den Weg zu ihm. Da schaffte er Abhilfe mit diesem Hinweisschild und später sagte er zu mir: „Danach konnte ich mir nicht einmal mehr meinen Kaffee holen“.

Wir hätten es auch nicht gehört, wenn er laut nach einen Kaffee gerufen hätte, weil wir seit langem mal wieder echte Musik auf dem Gelände präsentiert bekamen. Live Musik aus dem Odenwald von der Gruppe YOI. Selbst eine Vorband gab es unter freiem Himmel. Vielen Dank an die Musiker um Ulf Hilzenbecher, der uns mit diesem Ohrenschmaus den Tag noch lebendiger gestaltete.

So und jetzt fehlt noch einer. Ein Meister, der Herr Mester,  der mit seinen Karikaturen ausdrückt, was man sonst mit vielen Worten beschreiben müsste Ich habe Gerhard Mester im November bei der Ausstellung „Lebendiger Boden“ kennengelernt. Was für ein Glück.
Am Sonntag hat er sich über die Schulter blicken lassen, und ich konnte beobachten, wie das Bild vor meinen Augen entstanden ist. Das Ergebnis stellte er mir zwei Tage später zur Verfügung. Ich darf diese Zeichnung heute als Schlusspunkt unter meinen Blog setzen.

 

Damit ich die werden konnte, die ich bin!

 

Zurzeit laufen die Bewerbungen für meine Nachfolge. Ganz ehrlich, da sind tolle Bewerbungen dabei. Ich drück die Daumen und hoffe, dass sich der oder die Richtige finden lässt.  Für mich zeigen sich neue Wege am Horizont. Gott sei Dank muss ich sagen, denn sonst könnte der Abschied tränenreich werden. Aber ich kann sagen, dass ich mein Bestes gebe und schon gegeben habe und das erwarte ich auch von meiner Nachfolgerin bzw. meinem Nachfolger. Das ist dieser Glücksort wert. Ich kenne keinen schöneren Arbeitsplatz und die Anzahl der Bewerbungen zeigt mir, dass andere dies auch erkennen. Jetzt brauchen die Entscheider*innen nur noch ein gutes Händchen. Ich vertraue darauf.

Als ich gestern zum Frühstück kam, lag die Zeitung aufgeschlagen auf dem Tisch und ich lachte mich an.  Mit dem Foto war ich einverstanden (meistens ist das nicht der Fall). Mit dem, was über mich geschrieben war, war ich auch einverstanden.  Ja, mir kullerten sogar Tränen übers Gesicht. Wer mich kennt, weiß, dass ich lieber andere lobe. Heute war es anders.

Als ich von den Kindern einmal darauf angesprochen wurde, ob ich wirklich gehen werde, kam als nächstes die Sorge, wie das dann hier wohl weitergeht. Ich fragte die Kinder, was denn mein Nachfolger, meine Nachfolgerin mitbringen müsste. Da kam es wie aus der Pistole geschossen: Strenge, Humor, gut Zuhören können, herzlich sein…
Strenge? Wie bitte? Das soll eine Qualität sein. Ja, sagten sie im Chor, du bist streng, aber gerecht. Du sagst, was ist. Wenn das die Kinder so sehen, dann macht mich das glücklich, denn genau das will ich sein.
Humor? Wie bitte. Das hätte ich nicht erwartet, aber sie meinten, ich könne mich so mitfreuen, wenn sie sich freuen. Und da haben sie auch wieder Recht.
Zuhören können. Ja, das muss man. Sogar ganz genau und dann den Faden aufnehmen, um dahinter zu kommen, warum der eine so und der andere so agiert oder reagiert hat. Das habe ich in der Ausbildung gelernt.

Heute Nacht lag ich längere Zeit wach. Ich nutzte die Gelegenheit um nachzudenken. Da fiel es mir wie Schuppen vor den Augen, dass ich großes Glück hatte, so eine strenge Mutter gehabt zu haben. Ich gebe es zu, wir lagen oft, sehr oft im Clinch. Sie nannte mich dickköpfig und faul und ich sie vor allem ungerecht. „Du verstehst nicht, was ich will“, so meine häufige Anklage.
Und dabei wusste ich wirklich schon sehr früh genau, was ich wollte. Ich hatte ein herrliches Leben auf dem Dorf. Am liebsten saß ich auf einen der Bäume auf den Mainwiesen oder im Gras, umringt von Margeriten und Insekten, die summten. Oder ich staute einen Bach. Selbst Blutegel an den Beinen machten mir nichts aus. Natur war selbstverständlich.
Man könnte also meinen, ich wollte Biologin werden. Aber weit gefehlt.

Mein Schlüsselerlebnis war etwas ganz Anderes. Es war das Gefühl von „Eingesperrtsein“ im Kindergarten. Ich musste spielen, was mir hingelegt wurde. Wir mussten alle zur gleichen Zeit auf die Toilette, ob man musste oder nicht. Schon nach kurzer Zeit verweigerte ich vehement in den Kindergarten zu gehen. Meine Mutter akzeptierte meine Entscheidung.  An einem Nachmittag im Zwetschgenbaum entschied ich mich: ich will was mit Kindern machen. Das geht besser.

So ist mir ist inzwischen klar geworden, dass ich meiner Mutter in erster Linie mein Glück für ein erfülltes Berufsleben zu verdanken habe. Sie hat mich gefordert, aber auch gefördert. Ja, so möchte ich es ausdrücken. Ich war eine Herausforderung, nicht nur für sie. Das was ich tat oder tun musste, musste einen Sinn ergeben. Wenn ich einen Sinn erkannte, dann konnte ich mich auch motivieren. Mit dieser Einstellung hat sie mich agieren lassen.  Sie hat mir nie reingeredet, was aus mir werden soll.
Zugegebenermaßen war meine Schulzeit eher ein Desaster für mich und meine Eltern. Ich wehrte mich gegen ein stupides Auswendiglernen, ich wehrte mich gegen jede Form von Hierarchie. Das von oben herab. Wieso hatten Pädagog*innen so wenig Lust auf ganzheitliches Lernen. Etwas im Zusammenhang verstehen motiviert, und bringt noch Erfolg und Zuversicht durch kleine Schritte.
Wenn es nach meinem Vater gegangen wäre, dann hätte ich die Hauptschule besuchen sollen. Ich hatte seine Erwartungen nicht erfüllt. Aber meine Mutter hat in mir mehr gesehen. Sie hat an mich geglaubt, sie hat es mir zwar nicht gesagt, aber es muss so gewesen sein.

Und deshalb konnte ich die werden, die ich jetzt bin. – Ist das nicht Auftrag genug, sich mit den jungen Menschen zu beschäftigen. Sie brauchen jemanden, der ihnen hilft, ihre eigenen Talente oder Stärken zu entdecken, wenn es sein muss, auch mit Strenge.

Dies zu schreiben, lag mir am Herzen. Mein Dank geht an meine Mama.

Muss es wirklich immer ein neues Produkt sein?

Nach zwei Jahren Pause, bedingt durch Corona, gab es endlich wieder eine Veranstaltung im Außenbereich für Familien.  Die Erfahrungen der vergangenen Jahre  ermutigten uns zu der Neuauflage eines Secondhandbasars für Kinder.  Die Initiative dafür kommt aus den Kreisen junger Familien, die sich bereits mit dem Naturschutzzentrum verbunden fühlen.
Durch ihre Community sind sie für uns ideale Partner*innen, in diesem Fall in Sachen Nachhaltigkeit, weshalb das Team des Naturschutzzentrums sie bei der Vorbereitung und Durchführung sehr gerne unterstützte.

27 Standbetreiber*innen meldeten sich auf ihrer Plattform. Alle hofften auf den Segen des Wettergotts, damit die Veranstaltung weitgehend im Außenbereich stattfinden konnte.
Bereits Stunden vorher standen Väter,  aber vor allem Mütter mit ihren prall gefüllten Körben im Eingangsbereich und hofften auf Einlass.

Baby- und Kinderbekleidung, Spielsachen und weiterer Zubehör für den Alltag mit Kindern warteten auf neue Kunden. Man spürte die Atmosphäre – sie waren bereit – sie wollten loslegen. Für 8 Euro konnten sie einen Platz ergattern.

Rebecca Spalt und Aylin Lindmayer, die beiden „Macherinnen“ hatten ein perfektes Konzept ausgearbeitet. Zwischen den Verkaufsständen gab es genügend Platz. Niemand sollte sich bedrängt fühlen, niemand sich in Zeiten von Corona „zu nahe kommen“. Das Hygienekonzept funktionierte bestens. Gut gelaunt empfingen sie die Besucher*innen. Bei einem Besucherandrang von  mehr als 400 Gästen gaben sie ihre Informationen routiniert weiter und leiteten den Besucherstrom rechts und links am Haus vorbei auf die große Außenfläche.
Das was sich dann in den nächsten zwei Stunden abspielte war für alle Beteiligten wie ein großes Familienfest. Die Kinder tummelten sich im Sand, waren am Wasser oder beteiligten sich am Verkauf der Eltern. Auch sah man die Größeren von ihnen, wie sie vor den Ständen nach dem passenden Spiel oder Spielzeug Ausschau hielten. Selbst Großmütter feilschten an den Ständen oder kümmerten sich um ihre Enkel, während die Eltern genügend Gelegenheit hatten, bei einem wirklich guten Angebot, das Beste für ihr Kind auszuwählen.
Im Kontakt mit den Standbetreiber*innen konnten wir erfahren, dass auch diese mit dem Verkauf zufrieden waren, auch wenn nicht alle Körbe leer waren.

Bewusst oder vielleicht auch unbewusst haben alle Beteiligten einen großen Anteil daran, dass man das Nachhaltigkeitsziel 12 – Nachhaltiger Konsum – vorbildlich umsetzen konnte.
in diesem Ziel heißt es z.B.: Muss es denn wirklich immer ein neues Produkt sein? Die natürlichen Ressourcen sollen nachhaltig und effizient genutzt werden.  Das haben wir an diesem Tag getan.

„Der beste Dünger ist der Schatten des Gärtners“

sagt ein chin. Sprichwort. Für mich sind Sprüche und Geschichten immer aussagekräftig.  Zum Einstieg meines Beitrags würde auch passen: „Steter Tropfen höhlt den Stein“ oder „Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt“. Damit kann ich gut zum Ausdruck  bringen, was zu unserem Einsatz  am Samstag passt.
Der Gärtnerkurs: Gärtnern für Anfänger*innen fand zum ersten Mal statt.   Wir waren nur  eine kleine, feine, interne  Runde, aber „gut Ding  will Weile haben“, und so konnte Stephan am späten Nachmittag trotzdem zufrieden mit sich und seinen Lehrlingen sein.

In der Anfangsphase nahmen wir uns Zeit, unsere eigenen Erfahrungen einzubringen. Da war die Rede von Karotten, die nicht keimten oder von einem  ungewollten Wildwuchs oder von undefinierbaren Pflänzchen, bei denen man nicht wusste, ob man sie essen  kann oder nicht. Ich habe mich gut aufgehoben gefühlt in dieser Gruppe, weil wir alle offen von unseren Anfängerfehlern berichteten. Stephan blieb ruhig und hörte aufmerksam zu. Viele Dinge konnten so schon im Vorfeld geklärt werden.

Im Garten erfuhren wir dann etwas über Wärmepuffer, Kraterbeet, etwas über Licht und Schatten, Bodenkunde, F1 Hybriden und mehr.
Besonders spannend fanden wir die Erklärungen zur Bodenkunde. Stephan ließ Simon einen Cocktail mixen. Er füllte Erde  und Wasser in ein Glas. Wir konnten dann sehen, welche Arten (Ton, Sand, Schluff) es gibt, nachdem sich die Erde auf dem Boden des Glases absetzte.  Wir bestimmten die Qualität des Bodens  erfuhren, wie  man ihn bearbeiten sollte. Das wäre seitenfüllend. Wen es mehr interessiert, der sollte den nächsten Kurs am 9. April belegen.

Ich habe endlich verstanden, warum ich den Boden nicht im Ganzen umgraben, sondern maximal auflockern darf. Der Boden lebt ja. Und unser Boden ist mit den Jahren wirklich zu einem guten Boden  geworden und wenn ich da so mit dem Spaten agiere, dann bringe ich ja die ganzen Bodenorganismen durcheinander. Eine Forke ist da das richtige Werkzeug.

Mit einem besonderen Gerät haben wir den PH Wert gemessen und auch da waren der Gärtner und sein Team sehr zufrieden. Ganz nebenbei erwähnte er, warum es bei uns in der Region so wenig Biobauern gibt. Unser Boden sei so gut, auch wenn es keine Schwarzerde ist, aber diese maximal 30cm Muttererde sind eben die Grundlage für gutes Wachstum und guten Ertrag.
Sollten wir nicht noch besser auf unsere Böden aufpassen und sie hegen und pflegen? Es ist keine Selbstverständlichkeit.
Der Wind blies uns mächtig um die Ohren und so waren alle froh, als man mit der Aussaat im Gewächshaus beginnen konnte.  Auch da war das Aha-Erlebnis groß. Haben Sie schon einmal darauf geachtet, ob auf dem Samentütchen F1 stand? Das sind Hybriden und vom Hersteller als sehr schlaues Geschäftsmodell anzusehen. Diese Samen keimen nicht mehr und man muss immer wieder neuen Samen kaufen.
Interessant für die Gärtnerlehrlinge war weiterhin, welche Kombination man im Gartenbeet bevorzugt. Zum Beispiel passt: Möhre – Spinat und Knoblauch.  – Aus eigener Erfahrung wollten wir miteinbringen, dass man nicht so viel des Gleichen auf einmal einsät oder pflanzt, damit man mit dem Essen hinterher kommt. Das beste Beispiel ist Salat, der im Dutzend gleichzeitig verzehrbereit ist.
Unser Mangold vom letzten Jahr hat überlebt und wird in diesem Jahr durch eine Sorte Rainbow ergänzt. Das machen wir auch für die Kinder, weil ja das Auge entscheidend mitisst.
Werkzeugkunde und Pflanzenanzucht waren weitere Themen und bei einem warmen Mittagessen mit einer Gemüsesuppe bzw. einer Gemüsequiche das Thema noch vertieft.
In der Reflexion wurde klar. Für Simon hat sich bestätigt, dass er schon recht gut im Thema war, aber so eine Bestätigung auf dem richtigen Weg zu sein, gab noch einmal einen Motivationsschub. Ich bin immer noch begeisterte Bodenbereiterin und sehe die Schönheit, wie jetzt die ersten Frühblüher, in engem Zusammenhang mit dem Nutzen. Auf jeden Fall vergesse ich nicht mehr zu ernten.
Für Mechtild war das der erste Praxisexkurs. Sie ist sonst immer mit der Theorie beschäftigt, aber nun darf sie in ihrem Zuhause im Garten die ersten Kübel bepflanzen und da weiß sie jetzt genauer, was da hinein soll. „In einem Kübel kommt ganz hinten eine Himbeere, in die Mitte eine Johannisbeere und vorne dran will ich Hängeerdbeeren pflanzen“, dabei strahlt sie über das ganze Gesicht.
Stephan. Kompliment. Deine Saat geht auf.

Für ein gutes Auskommen auf dem Planeten Erde

Auszeichnungsfeier SdN Schule in Beerfurth.  Das stand in meinem Kalender.  „Wie komme ich gleich wieder nach Beerfurth“?, dachte ich, als ich mich am letzten Freitag auf diesen Termin vorbereitete.  Ich freute mich auf diese  Feier, die über das hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV) organisiert  wurde.  Sie galt als Dank und Wertschätzung für das besondere Engagement der Pädagog*innen, die sich über den normalen Lehrstoff hinaus mit Themen auseinandersetzen, deren Ziel  es ist, „unser Leben so zu gestalten, dass wir auskommen mit dem, was unser Planet zur Verfügung stellt“. Mit diesen zitierten Worten fasst Oliver Konz, Staatssekretär des hessischen Umweltministeriums zusammen, worum es bei der Auszeichnungsfeier ging.
Die Lehrinhalte konzentrieren sich auf  Schwerpunkte wie  Klimawandel und Klimaschutz, Abfall und Recycling, nachhaltigen Konsum oder fairen Handel. Einige der 17 Ziele der Nachhaltigkeit.

Zwei Grundschulen, die unserem Naturschutzzentrum zugeordnet sind und die von uns betreut werden, wurden an diesem Tag, zusammen mit 15 weiteren Grundschulen in Hessen, ausgezeichnet. Das macht mich schon ein bisschen stolz.
Eva Herzog- Reichwein, Referentin des NZB und weitergebildete Multiplikatorin für das Programm Schulen der Nachhaltigkeit, besuchte an diesem Vormittag die Märkerwaldschule in Gronau und ich durfte in Beerfurth die Urkunde überreichen.
Trotz allem waren wir virtuell miteinander verbunden.
Nicht das erste Mal besuchte ich die Schule, aber wie immer, bin ich beeindruckt von der besonderen Atmosphäre, die mich dort umgibt. Zu Beginn war ich stille Zuhörerin und Beobachterin, als Frau Köhler, die zuständige Lehrerin der Umwelt AG allen Schüler*innen das Projekt erklärte, für das sich die Schule zurzeit besonders einsetzt und ich konnte in Ruhe überlegen, warum von diesem Ort so eine Faszination ausgeht.
Der Raum, an dem sich die Schüler*innen klassenweise  an diesem Morgen trafen ist ein Platz, an dem man Tage verbringen könnte. Materialien zum Anfassen, gute Literatur und ein vorbereiteter Flohmarkt für Kinder, die sich von nicht mehr geliebten Spielsachen trennen können und bei denen  anderen Kindern das Herz höher schlägt.
An diesem Tag ging es also nicht nur um die kleine Ehrung und Auszeichnung. Frau Köhler stellte mit Schüler*innen ein Projekt vor, für das sie im Moment werben und genau das aufzeigt, worum es  grundsätzlich geht.
Im Nachbardorf wohnt eine Familie aus Kamerun und so ergaben sich persönliche Kontakte, die die Notwendigkeit für den Bau eines Brunnens bekräftigten. Man entschied sich, zu helfen und einen finanziellen Beitrag dazu zu leisten. Das Projekt wurde jeder einzelnen Klasse vorgestellt und die Kinder konnten die ersten bereits finanzierten Steine für den Brunnen symbolisch setzen. Es fehlen noch etwa 2000 Euro, dafür haben die Schüler*innen nicht nur Marmelade gekocht oder den Flohmarkt aufgebaut.
Besonders beeindruckt hat mich die Geschichte, die Frau Köhler den Kindern vorlas und die genau das ausdrückt, worum es geht. Jede*r kann etwas tun.
Die Geschichte handelt von einem Kolibri, der mit den Tieren des Waldes zusehen muss, wie ein Brand ihren Lebensraum zerstört. Während alle anderen Tiere wie angewurzelt stehen bleiben, fliegt der kleine Kolibri zum nächsten Fluss und nimmt einen Schnabel voll Wasser auf.  Die Tiere des Waldes zweifeln an seinem Verstand, doch er bleibt unberührt. Seine Antwort: „Ich tue das, was ich kann. Ich gebe mein Bestes.“
Die Kinder lauschten, fast ehrfürchtig und ich nahm die Gänsehaut auf meinen Armen wahr.

Dann wurde es wuselig. Schnell  war ein Laptop aufgestellt. Ein paar Stühle davor, denn es gab eine Freischaltung zur offiziellen Auszeichnungsfeier.
Alle Schulen wurden in einem Beitrag vorgestellt und ich konnte Kinder und Lehrkräfte beobachten, wie sehr sie sich freuten, als ihre Schule an der Reihe war. Drei Kinder hatten einen eigenen Part, sich und ihr Tun vorzustellen. Sie erklärten, warum es wichtig ist, nicht untätig zu sein.
Frau Rümenapf, die Schulleiterin und für mich die Frau mit einem großen  Herzen für den Menschen und die Schöpfung,  fasste in einem Satz zusammen, was die Essenz ihrer  aller Arbeit ist: „Die ganze Welt können wir nicht ändern, aber wenn jeder für sich und in seinem Umfeld achtsam ist, ändern wir in kleinen Schritten das Gesicht der Erde“.

Sehr berührend war, wie es die Organisator*innen der Veranstaltung schafften, ein Gefühl der Gemeinsamkeit unter all den Menschen zu erzeugen, die nur virtuell miteinander verbunden waren. Z.B. konnte man zuschauen, wie die Urkunden übergeben wurden oder wie man sich am Ende mit einem Glas Sekt oder Saft zuprostete.

Ich fuhr erfüllt und voller Freude über den gelungenen Tag an die Bergstraße zurück. Ich war dankbar für dieses Erlebnis, es macht mir erneut Mut, es dem Kolibri gleich zu tun und immer wieder zu versuchen, auch in kleinen Dingen an dem Rad zu drehen, das die Welt zu einer lebenswerteren Welt machen wird.

Boden ist lebendig!

Mit diesem Blogbeitrag lasse ich vor allem die Arbeitsgruppe Flächenschutz der Biodiv Heroes zu Wort kommen. Ich bin ein Teil der Biodiv Heroes, die sich aus der Biodiversitätskonferenz heraus kristallisiert hat und ich bin besonders gern ein Teil dieser Menschen, die sich ehrenamtlich für die Natur und deren Schutz einsetzen. Jedes Mal wurde mir bewusster, nachdem ich an so einer Arbeitsgruppensitzung draußen an der Feuerstelle des NZB teilgenommen hatte, wie wichtig es ist, gemeinsam und in großer Solidarität mit anderen, sich als Lobbyisten für die Natur mit dem eigenen Wissensschatz einzubringen.

Das NZB ist stolz und wird als erste Institution ein Ergebnis in Form einer Ausstellung  präsentieren, bei denen die Biodiv Heroes zeigen, warum sie Helden des Naturschutzes sein wollen und müssen. Unsere Kinder erwarten von uns, dass wir uns vorbildlich für eine erhaltenswerte Zukunft einsetzen. Machen Sie mit, begleiten Sie uns!
Hier unser offizieller Pressetext:

Vernissage zur Ausstellung „Lebensgrundlage Boden“ im Naturschutzzentrum Bergstraße

Kunst und Wissenschaft bestärken den Schutz der Lebensvielfalt im Boden

Die Ausstellung „Boden ist lebendig“ startete am Samstag, den 9. Oktober 2021 im Naturschutzzentrum Bergstraße. Die Vernissage war eine gelungene Mischung aus Wissenschaft und Kunst rund um das Thema Boden. Mehr als vierzig Gäste wohnten der Eröffnung bei. Ralph Kadel, Moderator der Veranstaltung, zeigte sich begeistert: „Unsere Gäste haben die Bilder und Karikaturen sehr berührt, und der eindrucksvolle und für alle verständliche wissenschaftliche Vortrag hat die Notwendigkeit zum Schutz der Lebensvielfalt im Boden klar unterstrichen.“

Mit Professor Nico Eisenhauer, dem diesjährigen Leibniz-Preisträger, den Bergsträßer Künstler*innen Marie Elisabeth Schupp, Manfred Diel, Christa Kohl  sowie dem bundesweit bekannten Karikaturisten Gerhard Mester konnte die ehrenamtliche arbeitende Arbeitsgruppe Flächenschutz der Biodiv Heroes ebenso prominente wie renommierte Vertreter*innen ihrer Zunft für das Thema gewinnen.

Ergänzt wird die Ausstellung durch Luftbildvergleiche zum „früher und heute“ der Bergsträßer Siedlungen von Florian Schumacher.
Einen praxisorientierten Schwerpunkt stellen die interaktive Experimente zum Thema Boden dar. Bodenarten, Bodenfilter, Bodenlebewesen und das aussagekräftige Teebeutelexperiment sind Teile von Stationen an denen ausgiebig geforscht werden kann. Konzipiert und vorbereitet wurden sie von der Biologin Beate Löffelholz und dem Team des NZB. Absicht ist, Kindern und Jugendlichen die Faszination von Böden mit ihren unzähligen Lebewesen im wahrsten Sinne des Wortes „begreifbar“ zu machen.

Guido Carl, Organisator der Arbeitsgruppe Flächenschutz, begrüßte die Gäste und verlas ein Grußwort des Landrats Christian Engelhardt. Über den Inhalt zeigte Carl sich erfreut: „Dass Landrat Engelhardt sich künftig für eine Minimierung des Flächenverbrauchs und der Flächenversiegelung einsetzen will freut uns sehr, darin werden wir ihn natürlich unterstützen“.

Der Biologe Prof. Nico Eisenhauer sprach über die Bedeutung des Bodens für die Vielfalt des Lebens und für die Ernährung der Menschheit. Nico Eisenhauer ist Biologe, Bodenökologe und Professor für Experimentelle Interaktionsökologie an der Universität Leipzig. Für seine „herausragenden Arbeiten zu den Auswirkungen des globalen Wandels auf die Artenvielfalt und Ökosystemfunktionen“ erhielt er den renommierten Leibniz-Preis 2021 der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Die Zuhörer*innen verfolgten sehr aufmerksam wichtige Schlüsselaussagen, wie etwa, dass sich das für uns überlebenswichtige Bodenleben in einer ganz dünnen Haut an der Erdoberfläche abspielt, die, wenn einmal abgetragen oder versiegelt Jahrtausende braucht sich wieder zu regenerieren. Dabei ist das Zusammenspiel all der Organismen im Boden bei weitem noch nicht erforscht, gibt es doch beispielsweise mehr Nematoden im Boden als alle anderen Mehrzeller auf der Erde zusammen. Wie anschaulich der Vortrag war, zeigten zahlreiche Rückfragen aus dem Publikum, die eine angeregte Diskussion zu der Gefahr weiterer Vernichtung unserer Lebensgrundlage Boden durch das ungebremste Wachstum von Städten, Logistikzentren und Verkehrsinfrastruktur darstellten.

Diese Kost für den Kopf wurde wunderbar ergänzt durch die Werke der genannten Künstler, die mit unterschiedlichen Techniken und sehr individuellen Stilmitteln unendlich anschaulich ihre Sicht auf den menschgemachten Klimawandel und das gerade stattfindende Massensterben von Arten zum Ausdruck bringen. Das Ziel aller Kunstschaffenden ist es, mit ihren Bildern Emotionen zu wecken und klar aufzuzeigen, dass wir als Teil der natürlichen Kreisläufe uns selbst vernichten, wenn wir die Natur zerstören. Dies machten sie, in Gesprächen mit Ralph Kadel sehr deutlich. Sehr einprägsam war die Kernaussage von Florian Schumacher gefragt nach seinen Lehren aus den Luftbildvergleichen der Bergsträßer Gemeinden: „Ein weiter so“ des ungezügelten Wachstums in die Fläche darf es nicht geben. Wir müssen ganz klar in den Städten verdichten, in die Höhe bauen, intelligente Konzepte entwickeln, um die selbstmörderische Vernichtung wertvoller Böden endlich zu verhindern.

Die Arbeitsgruppe Flächenschutz hatte sich anlässlich der Biodiversitätskonferenz 2020 gegründet und arbeitet seitdem eigenständig und ehrenamtlich, zeitweise mit Unterstützung aus der Kreisverwaltung. Teilnehmer*innen der Gruppe sind zahlreiche Bergsträßer Personen mit Interesse am Thema Boden, darunter Vertreter*innen aus Landwirtschaft, Jagd, Naturschutz sowie Menschen ohne Vereinsbindung. Die Arbeitsgruppe befasst sich seitdem mit zahlreichen Boden-Themen wie Bodennutzung, Bodenaufbau, Lebensraum Boden und Siedlungsentwicklung. Derzeit stellen die AG-Teilnehmer*innen die Resolution „Flächenverbrauch tatsächlich begrenzen“ den Bergsträßer Kommunen vor.

Nächstes Jahr kann die Ausstellung, als Wanderausstellung konzipiert, an verschiedenen Orten im Kreisgebiet gezeigt werden. Wenn Sie die Ausstellung in Ihrem Ort sehen möchten, fragen Sie bitte gern nach bei info(at)biodiv-heroes.com.

Öfnungszeiten der Ausstellung

Die Ausstellung „Boden ist lebendig“ ist vom 9. Oktober 2021 bis Ende November im Naturschutzzentrum zu den üblichen Öffnungszeiten (wochentags 9.00 bis 16.30 Uhr) zu sehen. Zu sehen sind Bilder und Karikaturen sowie ein wissenschaftlicher Vortrag zum Thema Boden. Kinder und Jugendliche können Experimente mit Bodenproben durchführen, auch für Schulklassen ist die Ausstellung gut geeignet. Anmeldungen bitte unter info(at)naturschutzzentrum-bergstrasse.de.

 

Tigerella, Rote Murmel oder Green Zebra – ein Geschenk des Sommers

Vor Jahren besuchte ich einen Gartenkurs in Wetzlar.  Ich erinnere mich noch wie heute an die ersten Sätze der Kursleiterin. Sie fragte uns,  welche  Arbeit wir im Garten besonders lieben würden.  Meine Antwort: „Ich pflanze gerne, aber ich vergesse oft zu ernten“.

Pflanzen tue ich nach wie vor gerne, aber was ich auf jeden Fall heute besser mache – ich vergesse nicht mehr zu ernten.  In unserem Garten gibt es in diesem Jahr  besonders viel zu ernten, aber nicht nur da.

Unsere Tomaten bekommen seit einigen Jahren ein besonderes Plätzchen unter dem Dachvorsprung des Hauses. Und wie sich herausstellte, war das auch unser Glück, denn der viele Regen hat den ungeschützten Pflanzen ganz schön zu schaffen gemacht.  Auf jeden Fall sind manche so hoch gewachsen, dass ich mit der kleinen Leiter aufsteigen muss, um  die Früchte ernten zu können. Also mehr als zwei Meter. Von meinem Fenster aus kann ich inzwischen mit der Hand nach den Tomaten greifen. Zusätzlich gibt die Pflanze ordentlich Schatten.
Wir bekommen seit vielen Jahren im Frühjahr junge Pflanzen von unserer „Tomaten-Jana“.  Man nennt sie auch Tomatenflüsterin. Über sie habe ich schon in anderen Blogs geschrieben. Ich hatte mir in diesem Jahr ganz bewusst verschiedene Sorten  ausgesucht.  Große und kleine, grüne wie die „Green Zebra“ oder gelbe wie die „goldene Königin“ oder die „Gelbe von Thun“.
Bei den Kindern sind natürlich die Naschtomaten besonders beliebt wie die „rote Murmel“, die gelbe Johannisbeere oder meine Lieblingssorte, eine wilde Tomate mit dem Namen „Golden Current“.
Für Suppe oder Sugo eignen sich besonders die Fleischtomaten wie „Liguria“, „Amisch paste“ oder die „Berner Rose“.

Im Frühjahr haben wir uns die Mühe gemacht und für jede Sorte einen Steckbrief geschrieben. Wuchshöhe, Verwendung, Geschmack oder Pflege waren da Kriterien. Auch ob sie Busch- oder Stabtomaten sind.

Zwischen die Pflanzen habe ich Basilikum gesät  oder gepflanzt und auch in diesem Jahr mindestens wieder dreimal Pesto machen können.
Kinder haben bei den Ferienspielen mitgeholfen, die Früchte oder das Basilikum zu ernten und zu verarbeiten. Frische Pesto, Tomatensuppe, Sugo oder Tomatensalat… Es war eine große Freude für uns, wenn die Kinder sagten, dass sie gerne in der Küche und im Garten mithelfen wollen. Die Nase in frisches Basilikum zu stecken, macht auch mir großen Spaß.  Meine größte Freude jedoch ist der Anblick auf dem Teller,  wenn ich, wie gestern am Nachmittag  wieder zum Ernten in den Garten darf.

 

RaumZeit – die Zeit läuft

„Die Zeit läuft ab“, so der Titel eines Bildes von Manfred Diel, Künstler aus Einhausen. Er hat in einer kreativen Schaffensphase nach dem Vorbild seiner Enkelin Nela (13 Jahre)  beherzt zur Acrylfarbe gegriffen und sich mit seinen Ideen und Gedanken zum Thema Natur und Umgang mit der Natur zum Ausdruck gebracht. Seine Bilder faszinieren, machen aber auch sehr nachdenklich. Untertitel wie: Uhu hinter Gittern, „Leben aus der Tube“ oder „feindliche Übernahme“ lassen erahnen, was die Besucher*innen bei dieser Ausstellung erwartet.
Herr Diel wird uns zusammen mit seiner Enkelin Einblicke in ihre  gemeinsame Schaffenskraft geben.
Die Begeisterung  der Enkelin Nela gehört den Monden, die sie in ihren Bildern  sehr ausdrucksstark umsetzt. Sie möchte später Physikerin werden.
So inspirieren und motivieren sie sich gegenseitig, auch wenn jede*r seinen eigenen Stil verfolgt. Es war der Wunsch der Enkelin, einmal zusammen mit dem Großvater eine Ausstellung zu machen.
Wir tun ihr gerne den Gefallen, deshalb haben Sie ab morgen die Gelegenheit, während unserer Öffnungszeiten  bis zum 18. Juli, die besondere Ausstellung zu besuchen.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

 

 

 

 

Schaukel mit Seeblick

Manchmal gibt es Überraschungen, wenn man gar nicht damit rechnet. So eine Überraschung gab es jetzt für uns.                                               Den Traum einer Schaukel haben wir ja schon lange. Kinder haben bei den letzten Ferienspielen im Sommer selbst aus Seilen und Holzern eine Schaukel gebaut. Sie war fast immer besetzt. Und sie ist auch nach dem Winter immer noch intakt,  auch wenn der TÜV sie so nie genehmigen würde.

Wir erweitern langsam unsere Ausstattung im Außenbereich. Inzwischen haben wir ein Trampolin, ein Wolkenkino, kleine Steinrutschen, eine Doppelliege und den Balancierbalken. Wir fordern nicht, wir erwarten auch nichts, aber natürlich haben wir Wünsche und ab und zu wird einer erfüllt.
So fuhr in der letzten Woche ein großer LKW vor, beladen mit großen Balken und Baumaterialien.
In wenigen Stunden entstand das Gerüst für eine Doppelschaukel.
Die Schaukelrichtung zeigt auf den See.
In Gedanken verlängere ich von meinem Bürofenster aus die Reichweite der Schaukel und stelle mir vor, dass ich damit bis auf den See schaukeln und mich dann bei sommerlichen Wetter einfach in den See fallen lassen könnte.
Natürlich geht das nicht, aber man darf ja träumen.

Es wird Zeit für Heiterkeit

Gestern hatte ich am Abend ein nachdenkliches Gespräch mit meinem Mann. Er erinnerte sich, wie ich einmal reagierte,  als ich ihm auf seine Frage antwortete, warum ich so lange keinen Blog mehr geschrieben habe. Ich sagte: „Ich komme einfach nicht dazu. Ich weiß gar nicht woher ich noch die Zeit dafür nehmen sollte“.
Hmhm.
Ergo müsste ich jetzt permanent etwas Schreiben können, denn wir sind hier nicht unbedingt mit Anfragen, Besucherkontakten und Veranstaltungen gesegnet. Und ich freue mich über jede Abwechslung, die mich vom Schreibtisch weglocken kann.
Es hat mir so leid getan, dass die Osterferienspiele abgesagt werden mussten, es hat mir auch leid getan, dass der Sensenkurs, der doppelt belegt gewesen wäre, nicht stattfinden konnte. Es tat mir besonders leid, dass wir unser Eiszeitfest nicht durchführen konnten…
Ich sträube mich inzwischen auch gegen die vielen Onlinekonferenzen, ich brauche ein Gegenüber, ich muss den anderen sehen oder in Beziehung treten können…
Ich rede schon mit unseren Wildbienen und versuche die Taufliege zu vertreiben, die sich als Parasit in ihre Nachwuchsplanung einmischt, wenn ich das mal so sagen darf, aber das ist eine ganz andere Geschichte.
Unser Gelände ist tagsüber offen für Radfahrer, Familien mit kleinen Kindern, die gerne im Sand spielen oder Senioren, die auf der Bank am See sitzen. Es ist gut, das zu erleben und in zufriedene Gesichter zu sehen. Wir bekommen viele

„Dankeschöns“ von unseren Besucher*innen, weil sie es zu schätzen wissen an diesem Ort sein zu können.  Ha. Wie witzig, in dem Moment, in dem ich dies schreibe, winken mir Ella und ihre Mutter zum Fenster rein. Ella ist in vielen Gruppen dabei. Bei den Erlachfüchsen, bei „Kinder stärken“, bei den Ferienspielen…

Am wohlsten fühle ich mich im Moment im Garten, denn da gibt es immer etwas zu tun, so auch heute Morgen, als ich mit Stephan im Garten nach den Himbeeren, Erbsen und all den anderen zart wachsenden Pflanzen geschaut habe. Das sind Momente des Glücks.
Ich brauche zurzeit die Erde und Bodenhaftung. Nicht einmal meine Kamera spricht mich an.  Es gibt also kaum aktuelle Fotos. Ich habe genug von Technik und Schreibtischarbeit.
Genug gejammert. Ich spüre ja auch, dass es trotzdem bergauf geht. In der Natur und in der alles umspannenden Coronaproblematik.

 

Umweltministerium fördert Maßnahmen zum Artenschutz

Am 3. März, dem internationalen Tag des Artenschutzes wurde der weltweite Schutz aller Tier- und Pflanzenarten ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt.
In den Anhängen des Washingtoner Artenschutzabkommens werden etwa 5.000 Tier- und ca. 28.000 Pflanzenarten in verschiedenen Gefährdungsstufen aufgelistet.
Dieses Jahr stand der Tag des Artenschutzes unter dem Motto „Wälder und Lebensgrundlagen: Erhalt von Mensch und Planet“.

Heute ist der 5. März.  Mal ehrlich,  haben Sie an diesem Tag bewusst daran gedacht oder davon in der Presse  etwas gehört oder gelesen? Wir haben es leider auch versäumt,  rechtzeitig darauf aufmerksam zu machen und das ging mir seitdem  nicht mehr aus dem Kopf.
Und das, obwohl wir uns seit Frühsommer letzten Jahres intensiv  mit dem Thema Artenschutz und Artenvielfalt auseinandersetzen und beschäftigen.
Wir erstellten ein Bildungskonzept zum Thema Naturschutz und Biodiversität, erfassten u.a. Wildpflanzen, Heilkräuter und Gartenkräuter auf unserem Gelände und fertigten Steckbriefe und Plakate z.B. für Trachtpflanzen von Bienen an. Wir überlegten angestrengt, wie wir auf einprägsame Art und Weise auf die Artenvielfalt aufmerksam machen und somit aber auch unsere Sorge über den Artenschwund zum Ausdruck bringen könnten.
Wir überlegtem  konkrete Möglichkeiten,  damit man nicht mehr länger wegschauen muss oder unwissend  bleibt , sondern  sich voller Hoffnung auf den Weg machen kann. Ganz in dem Bewusstsein, dass jede*r Einzelne von uns, mithelfen kann, den Schutz von Flora und Fauna  voran zu treiben.  Ob gestärkt und im Aufbruch durch ein neues Bewusstsein oder durch praktische Maßnahmen auf privater Ebene oder in der Solidarität mit anderen Naturschützern, z.B. durch die Mitarbeit in der Biodiversitätskonferenz.  Egal, Hauptsache, ich werde aktiv.

So schlimm die Krise ist, wir nutzten sie, um Bildungsinhalte und unseren Bildungsauftrag zu überprüfen. Wir konnten   Liegengebliebenes abarbeiten und Neues schaffen.
Eine Landesförderung des Umweltministeriums kam da gerade zur rechten Zeit. Mit unseren Projektpartnern ist es uns gelungen, gerade in diesem, schon mehrfach erwähnten Bereich in die Tiefe zu gehen.  Auf großen Plakaten zeigen wir z.B. die Mundwerkzeuge von Bienen und wie sie ihren Nektar oder Pollen von der Pflanze aufnehmen. Auf Steckbriefen beschreiben wir die Pflanze und den Wert für das Insekt, z.B.  Bestäubung  und heben den besonderen Wert der Pflanze auch für den Menschen vor.
Damit wir dieses erworbene Wissen auch gleich sinnvoll für pädagogische Zwecke einsetzen können, entstanden ein Quiz, eine Rallye oder ein Heilkräuterrätsel. Jetzt warten wir darauf, dass Schüler*innen kommen können und sie selbständig auf Entdeckungsreise gehen können, um ihr Wissen zu erweitern und neue Impulse zur Selbstverantwortung  zu finden.

Auch in unserem Garten tut sich was. Ich höre immer wieder von meinem Hausmeister der da sagt: „Wir haben jetzt zwar jede Menge Insekten im Garten, aber …“.  Mit diesem ABER beklagt  er die angebliche Unordnung, die auch den anderen Besucher*innen auffallen würde. Mit Stephan, unserem Permakulturgestalter entwickeln wir aber nach den Prinzipien der Permakultur, wie auch schon in einem anderen Blog berichtet, eine neue zukunftsfähige Form von Gärtnern. Wir orientieren uns u.a. auch an dem „drei Zonen Garten“ von Markus Gastl, der die Begriffe: Schönheit – Vielfalt und Nutzen in den Mittelpunkt stellt. Das alles können Interessierte in einem neuen Programmangebot: „Gärtnern für „Anfänger*innen“ erfahren.
Der Kurs findet viermal im Jahreslauf statt und dauert einen ganzen Tag. Er endet am  Spätnachmittag mit einem gemeinsamen Essen, am Lagerfeuer, am besten mit Produkten frisch aus dem Garten.
Den Flyer hierfür finden Sie bei uns auf der Homepage unter der Rubrik Download.

 

Respekt Captain!

Es ist still geworden, bei uns im Naturschutzzentrum. Wir stellen uns, wie viele andere auch, flexibel auf die Situation ein, aber wir sind hellwach, motiviert und freuen uns über jede positive Entwicklung…

Eine Nachricht von Erhard Renz, unserem Captain, der die Klimalotsen in Sachen KIVA betreut, ließ mich aufhorchen. Hier ein Ausschnitt seiner Mail:
„Bei KIVA sind die Klimalotsen und vor allem die englisch sprachigen Climate Pilots der absolute Renner. Während das deutsche Team stabil bei 540 Teammitglieder mit ca. 10.000 Dollar Darlehen im Monat steht, gehen die Climate Pilots durch die Decke. Wir sind inzwischen über  2.300 Teammitglieder die im letzten Monat 90.000 Dollar verliehen haben. Damit gehören die Climate Pilots zu den 10 Top Teams die am meisten Geld verleihen“.

Darüber wollte ich mit ihm persönlich sprechen und es war in doppelter Hinsicht gut, ihn einzuladen, denn zurzeit haben wir auch eine Praktikantin aus der Geschwister-Scholl-Schule, die sich sehr für dieses Projekt interessiert gezeigt hat.
Ich bin mir ganz sicher, dass Erhard auch einen persönlichen Profit von seiner Arbeit hat, denn er hat eine Ausstrahlung, wie man sie in diesen Zeiten nicht allzu oft erlebt. Selbst unter Einhaltung der Coronaregeln kam seine große Begeisterung für die Sache durch und wir lauschten seinen Entwicklungsschritten. Wie kann das auch anders sein.  Man  hilft ja durch seine Unterstützung anderen Menschen bei der Verwirklichung ihrer Träume oder der Festigung ihrer Existenz. Das ist pure Energie!
Den Anfang unserer Kooperation würde ich trotzdem gerne kurz in Fakten zusammentragen.
KIVA ist eine Organisation, die Microkredite mit einer hohen Rückzahlquote (Ausfall von 4%) an 80 Länder weltweit vergibt. Es gibt unterschiedliche Projekte, die man fördern kann. Wer sich weiter dafür interessiert, hier der Link www.kiva.org.
Die Klimalotsen bekamen damals bei der Gründung vor vier Jahren als Startkapital 500 Dollar und konnten Projekte, die sie vorher genau studiert hatten, jeweils mit 25 Dollar unterstützen. Inzwischen gibt es in diesem Team 540 weitere Teilnehmer*innen, die 560 000 Dollar Kredite vergeben haben. Das muss man sich vorstellen.
Erhard unterstützt die Klimalotsen, zusammen mit unseren BfDlern oder Praktikannt*innen, die wöchentlich Kredite vergeben. Geld ist immer auf dem Konto, wenn auch keine Zinsen, aber die Rückzahlungen der Kredite beginnen ja unmittelbar nach Erhalt.

Wer Erhard kennt, der weiß, dass er immer große Ziele vor Augen hat und so war schnell klar, dass er als „Lenker“ und Administrator merkte, dass das deutsche Potential langsam an seine Grenzen kam. Er wagte den internationalen Sprung und so entstanden das Team: „climate pilots“, was ja, wie Sie gelesen haben, förmlich explodierte.  Seine Rede ist von „2.400  Geldgebern, die nach unserem Denken fungieren“.
In diesem englischen Team arbeitet er mit einer Frau aus Texas zusammen, die vorwiegend mit der Sichtung von ökologischen Projekten beschäftigt ist und die sie dann als Empfehlung an die Teammitglieder weitergibt. Sozusagen eine Vorauswahl.  Eine wichtige Aufgabe, denn viele wollen nur Geld geben, aber sich nicht lange mit der Auswahl der Projekte beschäftigen. Momentan sind 9.000 Projekte im System, da fällt die Auswahl schwer.
Unser Solarexperte Renz ist natürlich weiterhin  besonders an Projekten interessiert die sich mit Solar beschäftigen.
Voller Stolz erzählte er von einer zeitnahen Kreditvergabe, die einmal erklärt, wie schnell es gehen kann. Er bekam am  vergangenen Samstag um 15.13 Uhr eine Anfrage auf den Tisch, bei dem eine Organisation in Sambia um einen Kredit in Höhe von 100 000 Dollar bat. Es ging um Solarlampen.
Das war dann der Startschuss für Erhard. Er prüfte die Anfrage und gab sodann grünes Licht für alle weiteren Teilnehmer*innen der Teams. Voller Stolz zeigte er uns, dass von den ersten zehn Kreditgebern sieben aus dem Team der Klimalotsen und Climate Pilots kam. Um 1:45 Uhr waren die 100 000 Dollar zusammen. Insgesamt haben 2877 Teammitglieder das Geld vergeben. Das waren weniger als 24 Stunden. In einem halben Jahr soll der ganze Kredit zurückgezahlt sein.
Man muss sich die Erfolgsstory von KIVA mal durch den Kopf gehen lassen. Es gibt diese Organisation seit 15 Jahren. Und es gibt bereits 99 Teams, die mehr als 1 Million Dollar vergeben haben und jetzt kommt die Krönung. Noch am gleichen Tag, nach unserem Gespräch, kam die Nachricht, dass das englische Team der Klimalotsen das 100ste Team geworden ist, welches zur Gruppe der Million-Dollar-Vergeber gehört. Hier seine Nachricht mit dem Link: Ups, schon passiert!
Mit Marlene, der Schülerin der zwölften Klasse,  wird Erhard  hoffentlich eine neue Assistentin an seiner Seite haben. Er hat sie gleich in das Projekt eingeführt und ihr Informationen und Zugangsdaten gegeben. Wenn ich mich nicht täusche, sitzt sie eben gerade am Bildschirm und vergibt ihre ersten Kredite.
Sobald es wieder möglich ist und wir wieder Veranstaltungen durchführen können, wird es auch eine neue Auflage der Klimalotsen geben. Diese Kinder ab 10 Jahren werden sich nicht nur mit KIVA beschäftigen, sondern auch mit anderen Themen, die die Klimabildung als Auftrag sehen.  Beate hat bereits ein gutes Programm vorbereitet.
Marlene wird Erhard an den Schulen begleiten. Die Geschwister-Scholl-Schule will mit einzelnen Klassen teilnehmen und Erhard schult zunächst die Lehrer*innen.
So gedeiht dieses Netzwerk weiter und das ist auch gut so. Es gibt bereits Schulen, die sich beteiligen, so zum Beispiel die Erich Kästner Schule in Bürstadt oder auch das Alexander von Humbold Gymnasium in Viernheim.
Anmerkung. Fast alle Bilder sind aus meinem Archiv. Das sage ich wegen des Abstands. Aber es hat mir Freude bereitet, Erhard aufzuspüren und wie Sie sehen, in bester Laune.  Sein Lachen und sein Wirken haben die gleiche Botschaft. Sie sind ansteckend.

 

Auszeichnung: Natur im Garten

Die vergangenen Monate waren für uns, wie für so viele anderen Einrichtungen auch eine Zeit, in der man die mehr als genug Gelegenheit bekam,  Altes und Gewohntes anzuschauen, für Gut zu heißen oder einer Prüfung zu unterziehen. Will ich das noch?  Wir haben einiges über Bord geworfen und an neuen Konzepten gearbeitet. Außerdem konnten wir unseren Garten und das umliegende Gelände ins Auge fassen und haben noch mehr erkannt und gestaunt, wie schön es doch bei uns ist.
So war es auch, als mich eine langjährige Bekannte  anrief. Sie wollte mich besuchen. „Ich will mal  wieder deinen Garten sehen“, sagte sie. „Was könnte sie an unserem Garten  interessieren“, dachte ich. Man muss wissen, Christine hat sich mit Leib und Seele den Pflanzen verschrieben. Sie hat mehr als einen grünen Daumen und kümmert sich ehrenamtlich um den Nachlass einer Pflanzenfreundin mit der Leidenschaft Päonien. Als ich ihren Garten das erste Mal sah, war ich von der Schönheit der Pfingstrosen mehr als begeistert.

Igelquartier

Ich fragte deshalb vorsichtig nach: „Warum willst du unseren Garten sehen? Was haben wir, was du nicht schon hast? Was wissen wir, was du noch nicht weißt? Du bist der Profi.“ Da sagte sie, dass sie unser Konzept zum Gemüseanbau interessiert.  Unser persönliches Gespräch öffnete mir noch mehr meine Augen für unser Kleinod an der Erlache. Begeistert lief sie über das Gelände und den Garten. Und hinterher schickte sie mir gleich weitere Impulse und Links.  Etwas ist dabei besonders in meinem Kopf und Herzen geblieben. Es sind drei Wörter mit großer Bedeutung:                  Vielfalt – Schönheit – Nutzen
Da hat sich doch einiges in den Köpfen der Gartenliebhaber geändert. Das Interesse an den gepflegten Gärten, wie man sie auch in England findet, weicht einem neuen Ansatz. Es kommt eben nicht nur auf die Schönheit an, sondern auch darauf, ob man Insekten und andere tierische Mitbewohner in den Gärten willkommen heißt und der Bauerngarten meiner Mutter ist auch wieder in. Mir kommt das alles sehr gelegen, bei uns gibt es von alledem genug. Auch wenn ich gestehen muss, dass sich erst mit den Jahren meiner Tätigkeit hier im NZB mein Blickwinkel geändert hat. Ich war vollkommen unbekümmert. Nicht zu vergessen: Ich bin Pädagogin. Ich hatte sozusagen nur wenig Ahnung von Pflanzen und Gartenpflege, nur ein gutes Gefühl. Die Wildheit, aber auch das Natürliche  in unserem Außenbereich kam auch daher, weil wir gar keine Zeit für eine sogenannte Vorzeigeanlage hatten. Heute sage ich: Gott sei Dank.
Zurück zu Christine Bahlo. Ihre Einladung, dass ich  sie in den nächsten Tagen besuchen soll, nahm ich gerne und neugierig an, denn da sollte der Landgarten Frank  als Naturgarten ausgezeichnet werden.
Als ich eintraf waren die Botschafter Katharina Bauer und Steffen Schulze schon mit der Sichtung beschäftigt und ich hörte gespannt zu, welche Anforderungen gestellt werden. Immer deutlicher wurde mir vor Augen geführt, dass wir da schon auf einem guten Weg sind. Nachdem ich meine Gedanken auch laut geäußert hatte, sagte Herr Schulze  zu mir: „da sind wir uns bereits sicher, denn wir haben uns schon einmal im Internet mit eurer Homepage beschäftigt“.
Ein zweiter Termin für diesen Tag rückte aus organisatorischen Gründen nach hinten und so schlug man vor, ob man sich nicht schon heute unseren Garten und die dazugehörige Außenanlage anschauen könnte. Zwei Stunden liefen wir von einem Ort zum anderen und ihre Begeisterung für das Geschaffene für Mensch und Natur nahm kein Ende.
Jetzt gehören wir zu der großen Familie: Natur im Garten. Hier der Pressebericht, den mir die Generalsekretärin Frau Lackner zukommen ließ:

 „Natur im Garten“ Auszeichnung geht an drei vorbildliche Gärten in Hessen

 Die ‚Natur im Garten‘ Familie wächst weiter.  Mit der „Natur im Garten“ Plakette ausgezeichnet wurden das Naturschutzzentrum Bergstraße, der Freundeskreis Erlenbacher Tierpark der Gemeinde Fürth e.V. und der Landgarten Frank. Drei Gärten, die ein Naturparadies und Wohlfühloase für Mensch und Tier sind. 

Seit 2012 werden „Natur im Garten“ Plaketten in Deutschland verliehen. Die „Natur im Garten“ Plakette ist eine Auszeichnung für naturnah gestaltete und gepflegte Gärten. Grundlage sind die drei Kernkriterien: Gärtnern ohne chemisch-synthetische Pestizide und Düngemittel sowie ohne Torf. Weiters muss im Garten die Biodiversität gefördert werden. Standard sind die Naturgartenelemente wie Blumenwiese, Obstgarten, Mulchen, Regenwassernutzung oder Wildstrauchhecke. Dann kann sich der Garten Naturgarten nennen und erhält die „Natur im Garten“ Plakette sowie eine Urkunde im

Eidechsen

Rahmen einer Gartenbesichtigung. In einem ökologisch gepflegten Garten haben durch die Vielfalt der Elemente auch jene Tiere ein Zuhause, die spezielle Nahrungspflanzen oder Strukturen wie Totholz, Wildwuchs, Mischhecken oder Laubhaufen benötigen, wie diverse Schmetterlinge, Vögel und Igel. Je vielfältiger der Garten, umso leichter stellt sich ein natürliches Gleichgewicht der Arten ein und die Nützlinge unter ihnen helfen uns beim biologischen Pflanzenschutz.

Das Naturschutzzentrum Bergstraße in Bensheim ist eine Einrichtung für Umweltbildung, der einen Ort der Begegnung zwischen Mensch und Natur auf ganz besondere Art und Weise darstellt. Der Garten des Naturschutzzentrums hat eine Vielfalt von Pflanzen und Tieren und alle Naturgartenelemente. In der Zeit, wo der Mensch sich dem Ernten der Früchte der Natur widmet, durfte „Natur im Garten“ zu Gast sein. Volle Punktzahl bei den Prüfkriterien veranschaulicht eine „ERNTE“ der geleisteten Arbeit. Eine Kräuterspirale, der Froschteich, ein Bauerngarten, Bienenhotels und mehrere Bienenvölker, eine Trockenmauer und noch viel mehr gibt es zu entdecken. Für die pädagogische Leiterin Veronika Lindmayer ist es selbstverständlich mit der Natur zu arbeiten und daher passt die Zertifizierung durch „Natur im Garten“ perfekt in das Konzept. Dankeschön für das sprichwörtliche TUN aller Engagierten des naturschutzzentrums Bergstraße. Also, wir freuen uns über diese Zertifizierung. Das spornt uns weiter an. Wir sind auf einem guten Weg.
Wer sich auch für die Aktivitäten von „Natur im Garten“ interessiert:
www.naturimgarten.at
www.facebook.com/naturimgarten
www.youtube.at/naturimgarten

 

Re-Gnose – der Blick zurück und doch nach vorne

Das Wort Re-Gnose habe ich vorher in meinem Leben noch nie gehört, wohl kenne ich den Namen des Autors, der diesen Begriff in einem Artikel verwendete, viel mehr noch, er erklärt, wie er als Zukunftsforscher mit Menschen eine Methode anwendet, die diesen Zustand beschreibt. Die Rede ist von Matthias Horx, Publizist und Zukunftsforscher.  Er schreibt, dass er zurzeit sehr häufig die Frage gestellt bekommt, wann Corona vorbei sein wird. Seine Antwort: niemals. Er beschreibt die jetzige Zeit als einen historischen Moment, in der die Zukunft ihre Richtung ändert. Er nennt sie sogar Tiefenkrise.
Zunächst bin ich erschrocken, aber nachdem ich selbst erfahren habe, dass jede Krise auch eine Chance bedeutet und ich sehr wohl die Chance für mich erkannt habe, las ich diesen Artikel mit großer Neugier.
Re-Gnose erklärt er so, dass man, anders als bei der Prognose, bei der man den Blick in die Zukunft wendet,  seinen Blick aus der Zukunft in die Vergangenheit richtet. Er gibt uns ein Beispiel. Er beschreibt einen möglichen Moment im September 2020. Ich zitiere: „Stellen wir uns vor, wir sitzen in einem Straßencafe in einer Großstadt. Es ist warm und auf der Straße bewegen sich wieder Menschen. Bewegen sie sich anders? Ist alles so wie früher? Schmeckt der Wein, der Cocktail, der Kaffee wieder wie früher? Wie damals vor Corona? Oder sogar besser? Worüber werden wir uns rückblickend wundern?  Wir werden uns wundern, dass die sozialen Verzichte , die wir leisten mussten, selten zu Vereinsamung führten. Im Gegenteil, nach einer ersten Schockstarre fühlten sich viele von uns sogar erleichtert, dass das viele Rennen, Reden, Kommunizieren auf Multikanälen plötzlich zu einem Halt kam.“
Dieser Artikel birgt in sich soviel Potential zum Nachdenken und zur Erkenntnis und er macht Mut.  Er ist sich sicher, dass unser Verhalten das Entscheidende war, warum wir bislang so glimpflich davon gekommen sind. Die Veränderung der sozialen Verhaltensformen sei die Glücksformel und nicht so sehr die Technik oder künstliche Intelligenz.  Und wir würden unsere Aufmerksamkeit mehr auf die humanen Fragen richten. Was ist der Mensch? Was sind wir füreinander? Wir würden staunen über unseren Humor und die Mitmenschlichkeit, die wir in der Krise bewiesen haben.
Wer sich für den ganzen Artikel interessiert, dem empfehle ich den Artikel auf seiner Homepage: „48 – Die Welt nach Corona“. Matthias Horx
Warum schreibe ich davon in meinem Blog?  Ich finde es richtig, immer wieder mal zurück zu schauen, zu reflektieren, zu fühlen… Was hat diese Krise bislang mit uns gemacht? Schon die leichten Lockerungen und Öffnungen zeigen mir, wie wackelig und nicht gefestigt die neuen Sichtweisen der Solidarität und des  Gemeinschaftsgefühls noch sind. In dieser Woche war dies  bereits deutlich spürbar.
Der Puls schlägt schneller. Die Achtsamkeit lässt spürbar nach, der Blick für die Natur wird wieder leicht oberflächlich. Warum? Weil das Telefon wieder häufiger klingelt, weil …
Wie kann ich in mir bewahren, was mir in den vergangenen Wochen an Erkenntnissen offenbart und geschenkt wurde. Wie kann ich es schaffen, dass ich mir auch weiterhin die Zeit zum Nachdenken nehme und Ruhe für das Wesentliche finde?
Ich habe es besonders genossen, am Abend in Ruhe im Garten zu arbeiten den Bienen, Schmetterlingen, der Zauneidechse zuzuschauen und selbst den Maulwurf konnte ich  minutenlang in Ruhe beobachten, weil er sich ungestört fühlte.
Und dann, gestern meine erste Begegnung mit Kindern nach zwei Monaten. Ich spürte ihre Freude am Wiedersehen und es waren ihre Blicke und ihr Entdeckerdrang, der sie zu den bekannten Stellen und Plätzen führte. In der Schlussrunde fragte ich sie, mit welchen Gedanken sie heute nach Hause gehen. Emil sagte: „es war der schönste Tag seit langem“. Da nickten alle, ich auch.

 

 

Unser Traum vom Garten

Als Kind war ein Garten für mich unwichtig, weil selbstverständlich. Meine Mutter hatte den grünen Daumen, Entspannung fand sie im Garten.  Heute denke ich in guter Erinnerung an unseren Garten und ich gebe mir alle Mühe, ihr nachzueifern oder mir zumindest gärtnerisches Wissen anzueignen.
Die Gelegenheit hatte ich, als ich Helga im Frühjahr 2007 kennenlernte. Helga war Biobäuerin im Odenwald und gerade von einer schweren Krankheit genesen. Jetzt wollte sie nur noch ihr Wissen  an Menschen weitergeben und bei uns fand sie Gehör.   Sie schlug uns vor, einen Garten anzulegen. Wir waren begeistert und sie plädierte für eine Fläche, mit der sich eine 3köpfige Familie selbst versorgen könnte.
Als Unwissende standen wir vor ihr und konnten  gedanklich kaum folgen, als sie die nächsten Schritte vorstellte. Ich wollte aber unbedingt alles verstehen, denn ich dachte mir, dass wir mit diesem Projekt auch noch andere unbedarfte, aber interessierte Menschen mit dem gleichen Wunsch sich selbst zu versorgen, ansprechen könnten.
Zunächst wurde die Fläche großflächig durchpflügt und der Boden vorbereitet. Dann entstanden Beete und Wege durch das Aufbringen von Rindenmulch und nach und nach hoben wir auf verschiedenen Flächen die Erde bis  auf einen Meter tief aus, um  Hügelbeete  zu bauen. Man muss wissen, dass unser Boden sehr sandig und stark von den Spuren des Kiesabbaus verfestigt war. Es musste also unbedingt etwas für die Verbesserung des Bodens getan werden. Wir legten in die ausgehobenen Bereiche starke Äste, Zweige und andere natürliche Materialien wie Rinde, Pferdemist oder Mulch… und bedeckten es mit Erde. Das Ergebnis der Ernte im nächsten Jahr war erstaunlich. Es wuchs alles viel besser. Mit der Zeit bekamen wir ein Frühbeet dazu und inzwischen haben wir zusätzlich zwei Hochbeete. Auch unser Gewächshaus finde nicht nur ich sehr gelungen.
Wir schützten unsere Pflanzen vor Rehen und Hasen durch ein Zaun, erst mit Weiden, dann mit einfachen Brettern, der nach und nach durch einen Lattenzaun ersetzt wurde.
Blumen- und Gemüseanbau halten sich in etwa die Waage.
Sehr begehrt, und das Herz des Gartens, ist das Kräuterbeet, weil dort nicht nur Kinder nach Herzenslust probieren und ernten können, zum Beispiel für Tomatensoße und Pizza oder Tee.  Wir lernten auch zu unterscheiden zwischen Gartenkräutern und Wildkräutern.
Helga war anfänglich noch rege dabei. Sie war die liebevolle  Gartenfee, die anpflanzte, jätete und uns unterrichtete . Die Krankheit kam aber zurück und sie verstarb. So waren wir auf uns alleine gestellt und wenn ich heute in den Garten gehe, und mir unsicher bin, dann frage ich im Geiste meine Mutter oder Helga, wie ich weiter vorgehen soll.
Vielleicht haben sie mir  deshalb Stephan geschickt.  Wir kennen ihn seit ein drei Jahren. Er ist Permakulturdesigner und mich überzeugte sein Ansatz. Von Sepp Holzer, dem  sogenannten Papst der Szene, habe ich schon im Fernsehen Berichte gesehen und war tief beeindruckt, wie er brach liegende Flächen vor allem in den Bergen wieder zum Leben erweckte und dabei dafür sorgte, dass man nach einer guten Planung auch Arbeitserleichterungen und verbesserte Bodenbedingungen erreichen konnte. Wir wollten bei Stephan in die Lehre gehen und tun es immer noch. Das ist mir anfänglich schwer gefallen, denn ich bin so richtig in meinem Element, wenn ich unwillkommene Gräser und Wildkräuter entfernen kann. Manchmal habe ich mich regelrecht dabei abreagiert und erholt. Er aber wiederholt gebetsmühlenartig, dass man niemals die pure Erde sehen, sondern sie immer mit Mulch,  Stroh oder Gras  bedeckt halten sollte.
Ich schaffte mir dann meine Zonen, den Bereich der Blumen, in dem ich mich weiter austoben konnte. Mit einem Auge aber schielte ich  auf seine Vorgehensweise und wir näherten uns an.
Am Jahresende besprachen wir die Ergebnisse und passten sie für die neue Saison an. So haben wir weiter den Boden verbessert, nachdem wir auch die Ergebnisse der Bodenproben einfließen ließen, dann haben wir analysiert, warum das Gemüse hier gut gedeiht, an einer anderen Stelle im Garten aber nicht. Zum Beispiel haben wir kein Glück mit der Anzucht von  Karotten.
Inzwischen ist der Garten eine persönliche Augenweide und Herzensangelegenheit für uns alle im Team geworden und es gibt auch richtig gute Ernteerfolge. Der Mangold hat es über den Winter geschafft und auch meine Zitronenverbene, die einen besonderen Duft verströmt, schaffte eine Überwinterung im Freien und seit letzter Woche freue ich mich über die ersten Triebe. Auf diesen Moment wartete ich seit Mitte März.

Aktuell 2.Mai 20

Ganz aktuell wurden in der letzten Woche Spinat, Salat und Radieschen geerntet und viele Samen ausgesät, denen wir gerne täglich beim Wachsen zusehen würden. Ein Maulwurf fühlt sich auch wohl. Früher  hätte ich ihn als Feind betrachtet, aber Stephan versichert uns, dass er lediglich auf unsere Wühlmäuse Appetit hat. In Zeiten von Corona arbeiten wir deshalb verstärkt und intensiv an einem neuen Konzept, wie wir unsere Erfahrungen auch mit anderen Menschen teilen könnten. Die Bilder sind nicht chronologisch geordnet. Wen es interessiert, es gibt schon Einträge zum Garten aus den Anfängen.

 

 

 

 

Steinzeitkleber – selbst gemacht!

 

Vor einigen Wochen fand Gerhard ein geschliffenes Steinbeil aus der Jungsteinzeit, das ist so in etwa drei bis fünf tausend Jahre alt. Ich hätte das für einen ganz normalen Stein gehalten, aber er freute sich so sehr über diesen Fund, der bei Baggerarbeiten zu Tage kam.  Er freute sich auch noch Tage später und studierte fleißig die passende Fachlektüre dazu. Immer wieder rollte er seinen Stein in seinen Händen, um dann wieder nachzudenken oder nachzulesen. Ich kenne ihn schon lange genug, um zu wissen, dass ihn dieser Fund wirklich beschäftigte.
Und weil, dank Corona, die beruflichen und ehrenamtlichen Termine, sich zurzeit sehr in Grenzen halten, blieb auch mal die Zeit für ein Experiment.
„Kann ich bitte eine Dose von dir haben“, so begann dieser Prozess. Ich möchte Birkenpech herstellen. Ich fragte nicht weiter nach und opferte gerne meine Keksdose. War eh zu groß, ich back lieber kleinere Kekse.
In einem Karton bewahrte er bereits Birkenrinde auf. Diese hatte er zuvor an einem Frühlingsabend in mühevoller Kleinarbeit am NZB in der Wildnis geerntet. Zwei Birken waren sehr morsch und sind nach dem letzten Sturm nicht mehr zu erhalten gewesen.
Ich konnte mir nicht vorstellen, dass aus dieser Rinde, die er sehr ordentlich einschichtete, mal ein steinzeitlicher Kleber werden sollte, aber was soll´s, er soll seinen Spaß haben.
Ich würde ihm dann hinterher erzählen, dass ich das auch schon mal mit Wilfried bei der Steinzeitwerkstatt gemacht habe, leider mit einer mageren Ausbeute, also nicht der Rede wert.
Den Kindern kam es damals auf ganz andere Dinge an und mir blieb der Sinn auch verborgen.
Am Samstagabend war es dann soweit. Ich beobachtete aus der Ferne seine Betriebsamkeit. Eine leere Wurstkonserve verbuddelte er in der Erde an der Feuerstelle, auf die stellte er seine Keksdose mit wertvollem Inhalt, zu erwähnen wäre aber noch, dass die Dose am Boden ein Loch hatte. Aus diesem Loch sollte dann das Birkenpech in den unteren Behälter fließen.  Damit alles schön abgedichtet war, schmierte er um die Verbindungsstelle etwas Lehm.
Jetzt wurde es richtig heiß. Gute eineinhalb Stunden loderte nun das Feuer auf hohem Niveau. Eine sehr besinnliche Zeit, während dieser ich mich mit einem Liegestuhl und einem Glas Wein dazu gesellte. Das war nach meiner Vorstellung. Gerhard wäre in der Steinzeit auch schon ein guter Jäger und Handwerker gewesen. Auf jeden Fall kann er gut beobachten, hat eine große Ausdauer und Begeisterung und das sind schon mal gute Voraussetzungen.
Dann wurde es ernst. Die Zeit lief ab. Ich überlegte mir schon, wie ich ihn hinterher trösten könnte, ganz ehrlich, ich war skeptisch.
Er räumte die abgebrannte Glut zur Seite und wartete… Mir hätte es schon viel zu lange gedauert, ich wollte  endlich wissen, ob das nun  gelungen war oder nicht.
Dann kam der feierliche Moment. Mit Handschuhen hob er die verkohlte Keksdose ab. Und dann wartete ich nur noch gespannt auf die Miene meines Mannes.
Er hat so einen bestimmten Blick, wenn etwas gut gelungen ist oder wenn er einen tollen Fund gemacht hat und … ja, dieser Blick sagte alles. Freude, Erstaunen, Stolz, das sind die Worte die mir spontan einfallen und in der Tat, es war wirklich ein besonderer Moment, auch für mich. Die halbe Dose war mit einer schwarzen Flüssigkeit gefüllt. Das Wasser musste noch verdampfen und in dieser Zeit konnten wir die Keksdose öffnen. Das war auch interessant. Alles war verkohlt und raschelte wie Seidenpapier.
Respekt Gerhard! „Gut gemacht Opa“, würde sein Enkel jetzt sagen.
Natürlich kommt jetzt Teil 2. Er will sich so ein Steinbeil selbst herstellen und es mit diesem Birkenpech in einen Schaft einkleben, wie das die Steinzeitler auch so gemacht haben. Ich bin sicher, dass ihm das auch nicht nur wieder Spaß macht, sondern wirklich auch gelingen wird.

 

 

Interview mit einem Spatz

Es wäre im Naturschutzzentrum in diesen Tagen sehr, sehr still, wenn es da nicht unsere Spatzen gäbe. Natürlich hört man inzwischen auch die Nachtigall oder den Grau-und Grünspecht, aber unsere Spatzen sind wirklich nicht zu überhören. Gestern Nachmittag hab ich ein Stück Kuchen draußen gegessen. Ich stand zwischendurch mal auf, um im Garten nach dem Rechten zu sehen. Als ich zurück kam, waren alle Kuchenkrümel gegessen. Mir war schnell klar, wer das war.
Auch wir MitarbeiterInnen beobachten bei unserem täglichen Teamgespräch draußen, wie munter unsere Spatzen schon früh am Morgen sind. Heute morgen erlebten wir eine Szene, bei der mehrere Spatzen richtig  lautstark miteinander zeterten.

Im Team befassen uns schon seit längerem mit unseren geselligen Mitbewohnern. Unsere Spatzen laden regelrecht ein, sie als Vertreter der Gebäudebrüter genauer ins Visier zu nehmen. Beate, unsere Biologin, hat sich zusammen mit Leonie und Michale mit ihrer Biografie und Lebensweise auseinandergesetzt. Ich habe das Thema als Idee aufgegriffen und eine Geschichte über ihre Beziehung zu uns Menschen geschrieben. Diese haben wir im vergangenen Jahr auch schon den Kindern erzählt, die hier mit der Kita oder Schule zu Gast waren.

Zunächst zitiere ich Beate. Sie lässt Hans, den Haussperling  zu Wort kommen.
„Obwohl wir Spatzen als unverwüstlich galten und früher in allen Gärten lebten, sitzen wir heute auf dem absteigenden Ast. Das heißt, es gibt nicht mehr so viele von uns, so dass wir schon auf der Vorwarnliste der Roten Liste gefährdeter Brutvögel Deutschlands zu finden sind.
Ich wünsche mir mehr Gärten in denen wir Spatzen unsere Nester bauen dürfen. Moderne Häuser lassen uns keinen Raum zum Nestbau. Hier wünschen wir uns Nistkästen und eine verwilderte Ecke im Garten, wo wachsen darf, was will und wo es viele kleine Krabbeltiere gibt. Denn wir brauchen Insekten als Nahrung für unsere Kinder.
Wenn unsere Jungen aus ihren Eiern geschlüpft sind, sind sie noch so klein, dass sie weiches Futter benötigen, also kleine Insekten und Raupen. In vielen Gärten finden wir nicht genug Insekten.
Bei guter Fütterung wachsen unsere Spatzenkinder aber schnell, so dass sie nach 16 Tagen fast alle gleichzeitig  ausfliegen können.“

Und hier meine Geschichte mit anschließenden Spatzeninterview.
Die Geschichte erzählt von einer Spatzenkolonie, die seit 15 Jahren hier im Naturschutzzentrum ihr Zuhause gefunden hat. Ein paar kluge Menschen haben sich wohl gedacht, dass es genug Platz gäbe unter dem Dach des NZB, um den Spatzen eine kostenfreie Wohnung zur Verfügung zu stellen. Hier gebe ich den Spatzen eine Stimme und lass sie erzählen:
Tierfreund: „Wie geht es euch hier bei uns im NZB?  … .. Oh. Bitte nicht alle auf einmal. Wie wäre es mit dir!“
Hans, der Spatz: „Ach, das ist gar nicht so einfach zu beschreiben, wie es uns hier geht. In den letzten Jahren wird es ganz schön eng und heiß unter dem Dach. Aber, Ernst beiseite. Wir fühlen uns sehr wohl hier. Ihr könntet das auch merken oder besser gesagt hören. Denn immer wenn es uns gut geht, dann pfeifen wir es auch vom Dach. Wir können ziemlich laut unsere Stimme erheben. Manchmal halten sich die Menschen deshalb schon die Ohren zu oder setzen sich woanders hin, weil sie sich nicht mehr unterhalten können. Das ist uns aber egal.“
Tierfreund: „Wir freuen uns, wenn wir euch sehen und hören. Gibt es etwas, was ihr bei uns Menschen beobachtet?“
Hans, der Spatz: „Da gibt es einiges zu sagen. Wenn ihr Menschen in der Nähe seid, dann fühlen wir uns nicht mehr ganz so frei und unbekümmert. Vor allem beim Baden fühlen wir uns stark beobachtet. Naja, wir wissen schon, dass von euch keine Gefahr ausgeht… Ähm keine? Ok, vielleicht muss ich mich korrigieren.“
Tierfreund: „Was heißt korrigieren?“

Hans, der Spatz: „Wenn ihr Menschen das Gelände wieder verlasst, wenn es wieder still wird, dann schauen wir nach, ob ihr auch alle euren Müll wieder mitgenommen habt. Haha. Wieder so ein Witz von mir. Natürlich haben wir kapiert, dass ihr, genau wie wir, gerne futtert. Wir müssen uns aber unsere Nahrung hart erfliegen, aber ihr macht einfach eure Brotdose auf oder füllt euren Teller mit Bergen von Leckereien.“
Tierfreund: „Ja, und weiter?“
Hans, der Spatz: „Nichts weiter. Dann fällt was runter oder bleibt was liegen und das schnappen wir uns. Ist ja viel einfacher für uns. Aber manchmal wundern wir uns auch  über euch. Was euch alles so schmeckt, ihh.“
Tierfreund: „Ok, die Geschmäcker sind verschieden, aber warum wundert ihr euch?“
Hans, der Spatz: „Ja, bekommt ihr denn kein Bauchweh? Manchmal grummelt es ganz schön. Ein bisschen viel Süßkram. Da lobe ich mir doch mein Körnermüsli oder das zarte Fleisch einer Raupe. Aber ich will gar nicht ablenken.  Manch buntes und hartes Essen kriegen wir gar nicht runter. Wird immer mehr von dem Kram. Wie nennt ihr das Zeug denn? Es knistert, glitzert und raschelt und schmeckt nach Nichts.“
Tierfreund: „Oje, du meinst die Plastikverpackungen. Aber die darf man doch gar nicht essen.“
Hans der Spatz: „Woher sollen wir das denn wissen. Manches nehmen wir dann einfach nur als Wohnungseinrichtung.“
Tierfreund: „Ich glaube, ich habe heute etwas Wichtiges verstanden. Ich werde den Gästen des NZB eine Botschaft an die Wand hängen und alle Kinder informieren. Hilf mir, was soll ich ihnen schreiben?“
Hans, der Spatz: „Ok.  Also,  ihr seid auf jeden Fall alle herzlich willkommen.  Und ihr dürft so laut sein, wie ihr wollt, wir dürfen das nämlich auch.“
Tierfreund: „Oh, da habe ich einen Einwurf. Da bin ich nicht ganz deiner Meinung. Ich finde, man muss nicht immer laut hier sein. Die Kinder hier lieben auch die Stille. Da kannst du mit deinen Freunden noch etwas lernen.“
Hans, der Spatz: „Mal sehen, aber weiter geht´s im Text. Freut euch, wenn euch eure Eltern ein gutes Frühstück eingepackt haben. Es macht auch nichts, wenn für uns nichts übrig bleibt, weil wir sowieso lieber, Körner, Samen, Insekten oder Raupen fressen. Wenn ihr dann satt seid, dann packt schnell alles wieder weg.
Wenn ihr uns mal aus der Nähe betrachten wollt, dann gebe ich euch einen Tipp. Setzt euch ruhig hin, bewegt euch nicht, das erschreckt uns nur, und habt etwas Geduld. Vielleicht treffen wir uns ja auch zu einem Stell-dich-ein auf der Wiese. Vergesst nicht, wir sind eure Freunde und brauchen euch. Das mit den Futterzapfen im Winter, ein Energiecocktail für uns, klappt doch schon prima.

 

 

Denk nach! Mach es selbst.

Ich gebe zu, mit meinem Blog über Plastik trage ich nicht zu einer inneren Heiterkeit und Leichtigkeit bei. Ich versuche ja im Moment immer, bei all dem was ich tue, darauf zu achten, dass ich optimistisch gestimmt werde oder bleibe. Zumindest zuversichtlich und hoffnungsvoll.
Dieses Problem mit dem Plastik kann einen ganz schön runter ziehen. Doch, es nützt nichts. Gerade als Oma mit einem Enkel der bald zwei Jahre alt wird, ist mir das ein Anliegen. Er nimmt immer noch gerne Kontakt mit einem Gegenstand über den Mund auf. Wie oft fällt mir da auf, dass es kein spielzeuggeprüfter Artikel ist, den er vielleicht gerade ablutscht. Also, es lohnt sich darauf zu achten, das Spielzeug für Kinderhände tauglich sind.
Was wir auf jeden Fall geschafft haben, ist eine deutliche Sensibilisierung in unseren eigenen Reihen und darüber hinaus und da halte ich es gerne mit dem sinngemäßen Spruch aus Afrika:

Wenn an vielen kleinen Orten, viele kleine Leute, viele kleine Dinge tun, dann können sie das Gesicht der Welt verändern. Ich finde, dass dazu gerade ein richtiger Zeitpunkt ist, auch über diese Problematik nachzudenken.
Was hat sich diesbezüglich bei mir verändert? Ich kaufe seltener im Supermarkt ein, dafür aber überlegter. Was brauche ich und wie viel davon. Die Konsequenz z.B. ist, dass ich kaum mehr Reste habe, die ich schon einmal nicht mehr in Plastikdosen in den Kühlschrank stelle. Falls etwas übrig bleibt, dann ist auch ein Glas doch viel besser.
Wenn ich mir jetzt Kosmetik oder Haushaltsartikel kaufe, dann nur noch das, was ich nicht anders ersetzen kann. Essig ist ein super Haushaltsreiniger und dieses Natron ein wahres Wundermittel.
Einer guten Freundin, von der ich das Buch über Natron geschenkt bekam, bin ich zu großem Dank verpflichtet. Ich habe es gleich mal meiner Mitarbeiterin ausgeliehen, von der ich wusste, dass sie schon mit Alternativen experimentiert. Sie war begeistert und so fand auch schon ein erster Kurs zum Thema: „Natron, der Alleskönner“ erfolgreich in unserem Hause statt. Gab es am Anfang ein Problem, z.B. weil jemand das „falsche“ Natron kaufte, das grobkörnig und die Creme dann nicht streichfähig war, dann konnte Beate sofort Rat geben.
Für alle, die gerade ein bisschen mehr Zeit übrig haben, könnte es interessant sein, sich das Handbuch Natron zu besorgen.

Auf jeden Fall lohnt es sich, die Kokosöl-Deocreme auszuprobieren.
Rezept:
3 TL Kokosöl
2TL Natronpulver
2 TL Speisestärke
Natron und Stärke mischen und mit Kokosöl verrühren, bis eine cremige Paste entsteht. Fertig.

und  noch ein Rezept:

Handspülmittel
1 TL Natron
100ml neutrale Flüssigseife
400ml Wasser
Natron in eine Flasche geben
Flüssigseife oder Soda dazu geben und mit Wasser auffüllen.
Das Mittel immer vor Gebrauch kurz schütteln.

Ich könnte jetzt noch viele bereits erprobte und für gut befundene Rezepte weitergeben, aber werden Sie doch selbst aktiv.
Das Rezept für meine neue Lieblingshandcreme kann ich Ihnen in Zeiten von  Corona besonders empfehlen. Es ist auch in diesem Buch vorgestellt..
Beate hat uns bereits mit ihrer Begeisterung angesteckt, mehr noch, sie hat uns überzeugt.

 

Ein ganz anderer Blog