Unser Traum vom Garten

Als Kind war ein Garten für mich unwichtig, weil selbstverständlich. Meine Mutter hatte den grünen Daumen, Entspannung fand sie im Garten.  Heute denke ich in guter Erinnerung an unseren Garten und ich gebe mir alle Mühe, ihr nachzueifern oder mir zumindest gärtnerisches Wissen anzueignen.
Die Gelegenheit hatte ich, als ich Helga im Frühjahr 2007 kennenlernte. Helga war Biobäuerin im Odenwald und gerade von einer schweren Krankheit genesen. Jetzt wollte sie nur noch ihr Wissen  an Menschen weitergeben und bei uns fand sie Gehör.   Sie schlug uns vor, einen Garten anzulegen. Wir waren begeistert und sie plädierte für eine Fläche, mit der sich eine 3köpfige Familie selbst versorgen könnte.
Als Unwissende standen wir vor ihr und konnten  gedanklich kaum folgen, als sie die nächsten Schritte vorstellte. Ich wollte aber unbedingt alles verstehen, denn ich dachte mir, dass wir mit diesem Projekt auch noch andere unbedarfte, aber interessierte Menschen mit dem gleichen Wunsch sich selbst zu versorgen, ansprechen könnten.
Zunächst wurde die Fläche großflächig durchpflügt und der Boden vorbereitet. Dann entstanden Beete und Wege durch das Aufbringen von Rindenmulch und nach und nach hoben wir auf verschiedenen Flächen die Erde bis  auf einen Meter tief aus, um  Hügelbeete  zu bauen. Man muss wissen, dass unser Boden sehr sandig und stark von den Spuren des Kiesabbaus verfestigt war. Es musste also unbedingt etwas für die Verbesserung des Bodens getan werden. Wir legten in die ausgehobenen Bereiche starke Äste, Zweige und andere natürliche Materialien wie Rinde, Pferdemist oder Mulch… und bedeckten es mit Erde. Das Ergebnis der Ernte im nächsten Jahr war erstaunlich. Es wuchs alles viel besser. Mit der Zeit bekamen wir ein Frühbeet dazu und inzwischen haben wir zusätzlich zwei Hochbeete. Auch unser Gewächshaus finde nicht nur ich sehr gelungen.
Wir schützten unsere Pflanzen vor Rehen und Hasen durch ein Zaun, erst mit Weiden, dann mit einfachen Brettern, der nach und nach durch einen Lattenzaun ersetzt wurde.
Blumen- und Gemüseanbau halten sich in etwa die Waage.
Sehr begehrt, und das Herz des Gartens, ist das Kräuterbeet, weil dort nicht nur Kinder nach Herzenslust probieren und ernten können, zum Beispiel für Tomatensoße und Pizza oder Tee.  Wir lernten auch zu unterscheiden zwischen Gartenkräutern und Wildkräutern.
Helga war anfänglich noch rege dabei. Sie war die liebevolle  Gartenfee, die anpflanzte, jätete und uns unterrichtete . Die Krankheit kam aber zurück und sie verstarb. So waren wir auf uns alleine gestellt und wenn ich heute in den Garten gehe, und mir unsicher bin, dann frage ich im Geiste meine Mutter oder Helga, wie ich weiter vorgehen soll.
Vielleicht haben sie mir  deshalb Stephan geschickt.  Wir kennen ihn seit ein drei Jahren. Er ist Permakulturdesigner und mich überzeugte sein Ansatz. Von Sepp Holzer, dem  sogenannten Papst der Szene, habe ich schon im Fernsehen Berichte gesehen und war tief beeindruckt, wie er brach liegende Flächen vor allem in den Bergen wieder zum Leben erweckte und dabei dafür sorgte, dass man nach einer guten Planung auch Arbeitserleichterungen und verbesserte Bodenbedingungen erreichen konnte. Wir wollten bei Stephan in die Lehre gehen und tun es immer noch. Das ist mir anfänglich schwer gefallen, denn ich bin so richtig in meinem Element, wenn ich unwillkommene Gräser und Wildkräuter entfernen kann. Manchmal habe ich mich regelrecht dabei abreagiert und erholt. Er aber wiederholt gebetsmühlenartig, dass man niemals die pure Erde sehen, sondern sie immer mit Mulch,  Stroh oder Gras  bedeckt halten sollte.
Ich schaffte mir dann meine Zonen, den Bereich der Blumen, in dem ich mich weiter austoben konnte. Mit einem Auge aber schielte ich  auf seine Vorgehensweise und wir näherten uns an.
Am Jahresende besprachen wir die Ergebnisse und passten sie für die neue Saison an. So haben wir weiter den Boden verbessert, nachdem wir auch die Ergebnisse der Bodenproben einfließen ließen, dann haben wir analysiert, warum das Gemüse hier gut gedeiht, an einer anderen Stelle im Garten aber nicht. Zum Beispiel haben wir kein Glück mit der Anzucht von  Karotten.
Inzwischen ist der Garten eine persönliche Augenweide und Herzensangelegenheit für uns alle im Team geworden und es gibt auch richtig gute Ernteerfolge. Der Mangold hat es über den Winter geschafft und auch meine Zitronenverbene, die einen besonderen Duft verströmt, schaffte eine Überwinterung im Freien und seit letzter Woche freue ich mich über die ersten Triebe. Auf diesen Moment wartete ich seit Mitte März.

Aktuell 2.Mai 20

Ganz aktuell wurden in der letzten Woche Spinat, Salat und Radieschen geerntet und viele Samen ausgesät, denen wir gerne täglich beim Wachsen zusehen würden. Ein Maulwurf fühlt sich auch wohl. Früher  hätte ich ihn als Feind betrachtet, aber Stephan versichert uns, dass er lediglich auf unsere Wühlmäuse Appetit hat. In Zeiten von Corona arbeiten wir deshalb verstärkt und intensiv an einem neuen Konzept, wie wir unsere Erfahrungen auch mit anderen Menschen teilen könnten. Die Bilder sind nicht chronologisch geordnet. Wen es interessiert, es gibt schon Einträge zum Garten aus den Anfängen.

 

 

 

 

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