20:50 Uhr – Zeit zum Abflug

Die magische Stunde des goldenen Lichts war bereits vorüber, als wir die Füße hochlegten und in die Stille der Erlache lauschten. In der Nähe der Gesang der Nachtigall und der Flug der letzten Gänse auf die Wasserfläche, wo sie sich vor dem Fuchs in Sicherheit brachten.
Wir sitzen also gemütlich und lassen den Blick schweifen, als plötzlich und unerwartet eine Fledermaus ihre Herberge verlässt. Nicht irgendeine Herberge, sondern sie kam aus den Ritzen der Holzwandverkleidung des Hauses. Es waren mehrere Fledermäuse, die sich auf Nahrungssuche begaben. Gerhards Neugier war geweckt.
Am ersten Mai packte Gerhard seinen Rucksack mit besonderen Utensilien. Es war die Ausrüstung für die Ortung der Fledermäuse, genauer gesagt, um den Ruf aufnehmen und anhand von sichtbar gewordenen Lautzeichen erkennen zu können, um welche Art es sich handelt.
Ein langer Arbeitstag lag hinter uns. Wir hatten tagsüber mehr als 300 große und kleine Gäste bedient, geführt und informiert. Wir waren überrascht, dass fast alle zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs waren. Wir waren zufrieden, denn unsere Gäste waren gut drauf und strahlten ausnahmslos das Gefühl von Gelassenheit aus. So hatten wir am Abend noch Lust auf ein weiteres Abenteuer.
Fledermausbeobachtung! Wir warteten ab, bis es schon fast dunkel war. Immer der Blick auf die Hauswand gerichtet. Wer fliegt aus der Luke und wieviele werden es sein, für die ein neuer Tag angebrochen ist?
Gerhard saß da mit seinem Kopfhörer und plötzlich sagte er: „Pass auf, es geht los!“ Da flog auch schon die erste Fledermaus aus den Ritzen. Dann kam lange nichts. Gerhard sagte: „das war eine Frühaufsteherin.“ Wie im richtigen Leben. Wieder langes Schweigen und entspanntes Warten, denn die Nachtigall verwöhnte uns auch heute mit ihrem Gesang.
Langsam wurde es aber kalt und etwas ungemütlich… 20 Minuten später wieder ein Ausflug. Ich löcherte ihn und fragte: „Und, ist es nun so, wie du es vermutest? Sag schon was, kannst du erkennen, ob es eine Rauhaut ist?“ Er war sich nicht sicher, tippte eher auf Zwerge, mehr war ihm nicht zu entlocken. Jetzt machte sich doch große Müdigkeit bei mir bemerkbar und ich wollte nur noch nach Hause. Waren es mit dem Fahrrad ja noch ein paar Kilometer, die wir zurücklegen mussten.
Zuhause angekommen, zog es ihn gleich ins Arbeitszimmer an den PC. Die Laute wurden ausgewertet. Dann nach langem Checken der Blick ins Wohnzimmer. Es sind Rauhäute!.
Vielleicht denken Sie jetzt: was soll das?
Fledermäuse hin oder her. Hauptsache es gibt welche an der Erlache und sie bewohnen auch noch unsere vorbereiteten „Wohnungen“.
Aber das Besondere wäre ja, dass es genau jene Rauhäute sein könnten, die wir seit ein paar Jahren im Herbst hier beobachten. Und – jetzt bin ich wieder ganz vorsichtig mit meinen Aussagen, es könnte ja sein, dass diese Rauhäute gar nicht weiter gezogen wären, sondern hier überwintert haben. Das wäre eine kleine Sensation. Und vielleicht sind es sogar schon kleine Familien (meine Wortwahl – Wissenschaftler würden es anders ausdrücken). Geduld heißt es jetzt und abwarten. Die Freude aber ist jetzt schon groß.
Und weil wir gerade beim Nachwuchs sind. Auch unsere Wanderfalken sind erneut Eltern von mindestens zwei kleinen Wanderfalken geworden. Sie wurden auch am Sonntag zum ersten Mal gesichtet.

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