Wer sät, soll nicht vergessen zu ernten!

Heute trafen wir uns ausnahmsweise einmal an einem Dienstag zur Mitarbeiterbesprechung.  Frau Gaulrapp kam aus dem Urlaub zurück,  für eine neue Praktikantin von der Karl-Kübel-Schule beginnt ein dreiwöchiges Praktikum, Katrin (eine Studentin aus Wien) verabschiedete sich mit einer Präsentation ihrer Eindrücke der vergangenen 3 Wochen, Valentin hatte gestern Geburtstag und Frau Michalik, die neue Sekretärin stellte sich dem Team vor. Und ich verabschiede mich für zwei Wochen in Urlaub. 

Für mich aber auch eine Gelegenheit etwas auszuprobieren, was mich seit Wochen thematisch beschäftigt. Seit ich mich mehr für Gartenarbeit interessiere, habe ich auch vermehrt Parallelen zu unserer Arbeit  im NZB gesehen. In einem Garten wird geplant, ein Pflanzkonzept erstellt, ein Pflegeplan ausgearbeitet und auch darüber nachgedacht, was wir damit machen, wenn es etwas zu ernten gibt.
Ich fragte mich also, wer ist denn im großen „Naturschutzzentrumgarten“ für Planung, Pflege und den Verkauf  zuständig. Diese Frage nahm ich auch schon einmal bei einer Besprechung  zum Anlass, darüber nachzudenken, wer sich wo und mit welcher Tätigkeit im großen „Naturschutzzentrumgarten“ sehen würde.

Mir persönlich ist aufgefallen, dass ich fast ausschließlich mit der Planung und der Pflege beschäftigt bin. Und noch ein Gedanke nistete sich ein: Ernte ich überhaupt!? 
Ich investiere in Projekte, setze mich mit Kunden und  MitarbeiterInnen zusammen und auseinander…, aber nehme  ich mir Zeit über Erfolge nachzudenken oder sie  gar zu feiern? Es ist so selbstverständlich, dass alles läuft. Ist es selbstverständlich?
Ich fing also zuerst  im Garten an, etwas zu ändern. Ich erntete mit Genuss  Kohlrabi, Radieschen, Erdbeeren und ich war mehrmals auf  einer Leiter zwischen den Zweigen der Kirschbäume auf unserer Streuobstwiese, ich saß  am Abend draußen mit dem Kirschentkerner vor einer großen Schüssel mit Kirschen und stellte mir vor, wie man bei den Ferienspielen für die Kinder „Kirschenmichel“ daraus machen könnte. Ich war so  zufrieden mit mir und meiner Arbeit und sehr dankbar für die stillen Momente.

Wann hatte ich das letzte Mal so viele Kirschen gegessen?  In diesem Zusammenhang fällt mir ein, wie ich überhaupt bemerkte, dass wir Kirschen auf unserer Streuobstwiese haben könnten. Ich sah vor ein paar Tagen, ein paar Jungs wie sie auf einen Baum kletterten. Erst dachte ich, was wollen die da? Ich ging zu ihnen und entdeckte die leckeren Kirschen. Sie waren ein bisschen unsicher, ob ich sie schimpfen würde, aber ich sagte, wer auf Bäume klettern kann, der darf auch ernten. Es schafften nicht alle auf den Baum zu klettern, aber die Kletterer versorgten auch das „Bodenpersonal“. Ich schaute mich um. Interessant, dachte ich. Ich kam bislang gar nicht auf die Idee, dass auf unserer Streuobstwiese auch Kirschen wachsen könnten. Erst diese Jungs machten mich darauf aufmerksam. Ich lief die Wiese ab und entdeckte reife, tiefdunkelrote Kirschen auf den Bäumen. Also Jungs, erst einmal Dank für die Schärfung meines Blickes.

 Seitdem ernten wir genussvoll und ich denke immer wieder dabei an meine Kindheit zurück. Viele Erwachsene und Kinder griffen zu den frischen Kirschen, die wir am Wochenende auf der Theke zu einem kleinen Preis anboten.
Zurück zu unserer Mitarbeiterbesprechung. Ich sagte meinen Mitarbeiterinnen dass es genügend Gründe gäbe, „dienstlich“ zu Feiern und sie könnten sich jetzt im Team überlegen, wie wir heute gemeinsam zu einem schönen Mittagessen kommen könnten. Ich würde mir gerade  einen schön gedeckten Tisch vorstellen und außerdem würde im Garten genug wachsen, was darauf wartet, geerntet zu werden.
Was dann passierte übertraf meine Erwartungen. Es kristallisierte sich ein Küchenteam und ein Dekoteam heraus. Frau Gaulrapp und Frau Michalik gingen zusammen mit Birgit unserer Fachfrau für Kräuter und Pflanzen in den Garten. Annika und Jeannine bastelten an der Tischdekoration und dann wurde geschnippelt und gerührt. Bald roch es verführerisch aus der Küche. Valentin wartete erst einmal ab, wo eine Nische für ihn sein könnte und die beiden Praktikantinnen fanden ebenfalls ihren Platz.
Das Ergebnis war ein liebevoll gedeckter Tisch. Als Vorspeise gab es Bruschetta mit Mangold, Zwiebeln und Tomaten. Außerdem  gab es Rösti aus Zwiebeln, Zucchini, Kohlrabi und Kartoffeln und ein leckerer Kräuterquark dazu. Marco war zudem ganz begeistert vom Nachtisch. Milchreis mit Kirschen. Unglaublich wie köstlich. Unglaublich auch ,mit wieviel Begeisterung alle diesen Prozess erlebten. Und natürlich werden wir die neuen Rezepte auch bei den Ferienspielen einsetzen.
Eine gelungene Präsentation von Katrin war der krönende Abschluss und ich denke, alle konnten heute etwas  für sich mitnehmen.

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