Freiheit. Stärke. Gemeinsamkeit.

Zwei Wochen ohne Inspiration zum Schreiben, nach sechs Wochen Ferienspielen. „Hilfe“, dachte ich, „wie  komme ich da wieder rein“? Welches Ereignis ist es wert, mit Anderen geteilt zu werden? Mir fehlten die Worte.
Nach langem Nachdenken kam mir am Wochenende meine Nichte in den Sinn, für die ich früher immer Geschichten erfinden musste.  „Erzähl mir eine Geschichte“, sagte sie immer. Am besten gefiel ihr, wenn ich aus drei Begriffen, wie Spinne, Wald und Zauberer, ad hoc eine Geschichte aus meinem Wortschatz zauberte.
Auf drei Dinge wollte ich mich also fokussieren. Und dann tauchten sie plötzlich auf, die Worte:  Freiheit. Stärke. Gemeinsamkeit.
Natürlich hatten diese Worte etwas mit den Ferienspielen zu tun.
Das mit der Freiheit kam von den Kindern selbst. Wenn wir am Ende eines Tages in unserer Runde den Tag reflektierten, dann kam so oft der Satz: „Alles war schön“.  Wenn ich dann nachfragte: „Was war für dich besonders schön“? „Beschreibe es näher“, dann kam immer wieder die Aussage:  Alles. „…weil ich hier so frei sein kann,  weil wir soviel Freiheit haben, weil ich hier einfach machen kann, wozu ich Lust habe,  weil ich zu nichts gezwungen werde, weil es nur wenig Regeln gibt und wenn man die verstanden hat, dann geht es einem gut…“
Also das ist Freiheit in der Sprache der Kinder und Ausdruck  ihres kindlichen Seins.
Müssten solche klaren Ansagen uns Erwachsene nicht stutzig machen? Wo und wann fühlen wir uns heute noch wirklich frei? Wann machen wir noch Sachen, zu denen wir aus tiefster Seele Lust haben, sie zu tun? Zumindest in der freien Zeit? Ohne Ziel. Einfach Gehen(lassen). Eis essen. Schaukeln. Sich spontan mit Freunden verabreden.  Barfuß durchs Gras.  Still sitzen und Frösche beobachten. Stundenlang. Absichtslos.
Für diese Unbekümmertheit sind mir Kinder ein Vorbild. Nichts ahme ich lieber nach. Nichts regt mich mehr zum eigenen Nichtstun an, obwohl ich zugegebenermaßen noch oft ein schlechtes Gewissen beim Nichtstun habe. Bin ich dann faul?  Darf ich das überhaupt? Es versteht sich von selbst, dass ich dieses Verhalten nicht am Arbeitsplatz praktizieren kann.

Was für ein Glücksgefühl, als mich Kindern aufforderten, doch auch durch den Rasensprenger zu rennen. Sie waren naß bis auf die Haut. Ich fühlte mich wie ein großes Kind.  Beim nächsten Mal mussten sie mich nicht mehr überreden.
Und im Rahmen dieser Unbekümmertheit, der persönlichen Freiheit und dem selbstbestimmten Tun entwickelte sich eine Wohlfühlatmosphäre, die wir zunächst überhaupt nicht begreifen konnten.  Warum bin ich so zufrieden?
Aus dieser Wohfühlatmosphäre heraus entwickelten sich starke „Bewegungen“ und Rituale. Nie wurde mit soviel Leidenschaft gemeinsam gekocht und dabei lautstark „junge Musik“ gehört. Viele Kinder schnippelten freiwillig Gemüse und rührten in der großen Pfanne, während im Hintergrund „Mama mia“ lief. So viele Pfannenwender habe ich gar nicht, wie es Kinderhände gab, die Bratkartoffeln oder Gemüse wenden wollten. Wie sagte ein Kind: „Wenn man bei uns zuhause das auch so machen würde, dann wäre die ganze Familie zusammen“. Sie prägten den Begriff: Dance-cooking. Ich hätte  gerne für alle Eltern diese Augenblicke im Video festgehalten.
Diese Erlebnisse führten automatisch zu einer Stärkung des Selbstwertes und des Wir-Gefühls.
In der großen Hitze zogen sich viele Kinder in die Kühle des Hauses zurück. Es gab  trotzdem kein Geschrei. Keinen Streit. Suchte man nach ihnen, dann fand man sie in einer großen Gruppe zusammen sitzend beim Werwolf spielen. Täglich erlebten wir, wie sich neue Talente herauskristalisierten, einfach weil sie den Mut hatten, zu fragen und sich auszuprobieren. Das geschah auch durch das Vertrauen darauf, sich dabei nicht zu blamieren.  So konnten sie völlig neue Seiten an sich entdecken. Und wie schon erwähnt. Es war gegenseitiges Lehren und Lernen. Erwachsene wie Kinder.  Ein wirklich großer Schatz.
Es gelang uns immer bis zum Ende jeder Woche ein großes Gemeinschaftsgefüge zu entwickeln, in dem jede/jeder sich traute, sich so zu zeigen, wie er fühlt und sein möchte.
Mein Dank für diese unvergessliche Zeit gilt ganz besonders den jungen und engagierten BetreuerInnen: Franzi, Charis und Moritz, die die Verbindung zwischen Alt und Jung, Erfahrung und Unbekümmertheit,  Bewegung und Stille, auf eine wunderbare Weise ermöglichten.  Brückenbauer. Sie haben neue Maßstäbe gesetzt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.