Überleben! Mit Überlegung, Spaß und ein bisschen Komfort

Schon in der Begrüßungsrunde war mir klar: Diese Kids haben alle den ernsthaften Willen etwas für den Klimaschutz zu tun. Es trafen sich zu einer ersten Begegnung im neuen Jahr, bereit dafür, ein Klimalotse zu werden, acht Kids aus der Region Bergstraße.
Beate Löffelholz freute sich über die vielen Neuen und nicht nur sie war überrascht über ihre Antworten auf die Frage, warum sie heute hierher gekommen waren. „Ich will was für die Welt tun – die Politiker machen im Moment nicht alles richtig“, so eine selbstbewusste Antwort.  „Unser Verhalten hat Folgen für das Klima. Ich will mehr darüber erfahren, was ich tun kann. Ich will die Natur schützen.“ „Ich interessiere mich für die Natur, deshalb will ich sie auch schützen“, so eine weitere Meinung.
Beate gelang es im anschließenden Experiment ihre Neugier und ihren Forschergeist zu wecken. Wie gelingt das am Besten? Durch Nachdenken, Verantwortung übernehmen und Handeln. „Was und wer beeinflusst unser Klima?“, so eine Frage von ihr? Sie gab einen Luftballon und eine Sprudelflasche weiter. Der Luftballon wurde über die geöffnete Flasche gestellt. Ein bisschen Schütteln und dann? Die Flasche ging reihum und die ersten Hypothesen wurden gebildet.
Aus diesem Experiment  ergaben sich weitere Fragen und so knüpften sich weitere Versuche an. „Könnte man, wenn der Ballon sich durch die Kohlensäure aufbläst, auch einen Heißluftballon auf diese Weise starten lassen?“, so eine Frage.
Es war spannend für mich als Aussenstehende den Prozess zu beobachten. Ihre Freude, ihr Entdeckertrieb war ungebrochen.
Dann war es Zeit für ein erstes Spiel. Ich hatte die Vorbereitungen dazu mitbekommen, die Beate und die zwei BFDler Moritz und Conrad zusammen getroffen hatten.
Auf dem Spielfeld wurden drei Kreise gelegt. Ein Kreis symbolisierte den Menschen, der zweite stand für den Wald und der dritte Kreis war der Zeit zugeordnet. Die Kids teilten sich auf. Beate gab jeder Gruppe einen Auftrag. Immer einer aus jeder Gruppe lief zu einer anderen Gruppe hin um sich ein Stück Holz (stand für einen Baum) zu holen. Also. Der Wald holte sich ein Holz aus dem Reservoir der Zeit, die Zeit holte sich ein Holz aus dem Kreis Mensch, aber! der Mensch holte sich zwei Hölzer aus dem Kreis Wald. Keiner kannte  den Auftrag der anderen Gruppe.
Ich verfolgte das Spiel aus der Distanz. Schnell leerte sich der Wald, während Mensch und Zeit in etwa gleich viele Hölzer behielten. Das führte recht bald zu Reaktionen. „Hey“, hörte ich einen Mitspieler sagen: „Das ist unfair“! Ein Kind ist bereits so sauer, dass es gar nicht mehr weiterspielen will. Die Verwirrung ist groß. Sollen sie sich auch zwei Hölzer nehmen? Dann ist der Wald leer. Das Spiel wird abgebrochen. Sie finden sich zusammen.  „So geht das nicht“, sagt Heiner. „Das ist doch klar. Der Mensch nimmt sich mehr als die Bäume Zeit haben, nachzuwachsen.“ „Da stimmt was nicht“. Als Beate einen Mitspieler aus der Gruppe Mensch fragt: „Und? Wie wie fühlt man sich da?“ Die Antwort: „Mächtig“. Er schaute dabei aber eher verlegen in die Runde. „Ja und? was sagt euch das? “ „Das ist nicht gut für den Wald, der kann sich ja gar nicht wehren.“ Die „Zeit“ schaltet sich ein. „Wir haben noch alle Klötzchen. So viel wie am Anfang.“ Es kann also funktionieren. Aber wie? „Nur, wenn es gerecht zugeht.“  Beate holt weiter aus. „Das was ihr gerade erlebt habt, ist auch vor vielen Jahren den Förstern aufgefallen. Sie sagten: Wir müssen eine neue Form der Waldwirtschaft betreiben. Wir dürfen nur soviel nehmen, wie wir brauchen und wir müssen neue Bäume pflanzen.“
Zusammen erarbeiteten sie das Wort: Nachhaltigkeit. Gehört hatten sie das Wort schon oft, aber heute haben sie es auch im Prinzip verstanden.
Nach dem Spiel erwartete sie schon Erhard. Er hatte es leicht, sie für seine Botschaft zu gewinnen. Sie hatten gerade ihren Spaß, Bewegung und somit auch wieder ein offenes Ohr.
Der Kapitän der Klimalotsen stellte sich und seine spezielle Rolle bei den Klimalotsen vor. Sie hörten aufmerksam zu und waren bereit für eine neue Lektion.  Sie erfuhren dabei etwas über die Bank für Microkredite und  er ließ  sie zu jungen BankberaterInnen werden. Gute Bänker verwalten nicht nur das Geld und sorgen für gute Zinsen, wirklich gute Bänker hören sich die Geschichte von Kunden an, die Geld brauchen, um sich mit ihrer Investition ein Stück Unabhängigkeit, Freiheit und Wohlergehen kaufen zu können. Damit leisten die meisten Menschen auch einen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz. Erhard stellte drei Projekte vor, die die angehenden Klimalotsen bewerten und anschließend unterstützen wollten. U.a. ging es um eine Solaranlage auf´s Dach eines Landwirtes oder um spezielle Öfen für eine Dorfgemeinschaft. Sie hörten sich alle Wünsche und Bedürfnisse an und scheinbar war es  dieses Mal besonders einfach, sich zu entscheiden. Sie stimmten fast einstimmig über die jeweiligen Beträge ab, die verteilt werden konnten. Ab jetzt werden sie zuschauen, wie es mit ihren Projektpartnern weitergeht. Sie haben  selbstbewusst und ernsthaft Verantwortung übernommen.
Bevor die Kids mit Stockbrot am Feuer ihren ereignisreichen Nachmittag abschließen konnten, warteten Moritz und Conrad mit einem weiteren Spiel auf, das sie aus dem letzten BFD Seminar mitgebracht haben.
Es ging wieder um den Wald. Die Kids bekamen die Ansage, dass der Förster ihnen zwei Waldstücke zur Verfügung stellt, um Holz zu ernten, damit sie über den Winter kommen. Wenn sie ein Stück Holz nehmen, dann schaffen sie es zu überleben. Bei zwei Hölzern, haben sie ein bisschen mehr Komfort bei drei Hölzern könnten sie im Luxus schwelgen und ohne Probleme im T-Shirt durch den Winter kommen.
Man muss dazu sagen, dass unsere beiden BFDler ihre Erlebnisse so schilderten, dass die meisten sich am Anfang gleich mit drei Hölzern eindeckten.
Was passierte also hier in dieser Runde?  Alle nahmen sich anfänglich ein Holz. Der Spielleiter legte es nach der Runde zurück in den Wald. Sie merkten, dass es nicht weniger wurde. Dann nahmen sie sich mehrere Hölzer. Es gab ja keinen Grund zu sparen. Das beobachteten andere und nahmen deshalb weniger. Es blieb im Gleichgewicht. Super Kids.  Der Spielleiter entschied sich daraufhin, weniger Holz zurückzulegen und später sperrte er sogar ein Waldgrundstück.
Da fingen einige Kids an, Holz zu verstecken. Ganz im Sinn wie es auch Eichhörnchen machen, die ihr Futter verstecken.
Sie hatten  trotzdem ihren Spaß und  natürlich durchschauten sie auch den Hintergrund. So konnte das Spiel aufgelöst werden. Spannend waren die Rückmeldungen allemal. „Klimaschutz kann auch Spaß machen, wenn man etwas verstanden hat“, so eine Meinung. Oder. „Es ist aber auch nicht gut, wenn man sich immer Sorgen machen muss, dass man gerade noch so überlebt. Ein bisschen Luxus gehöre schon dazu. Also wären doch zwei Hölzer gut, wenn man sie sich die nimmt und gleichzeitig müsste man mit anderen zusammen wieder Bäume pflanzen.“
Das kann auch noch Spaß machen, wie man sieht.

 

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