Sind wir noch zu retten?

Es kommt nicht oft vor, dass das NZB  die breite Öffentlichkeit zu Gast hat und ich die Gelegenheit bekomme, selbst etwas von den Programmangeboten mitzuerleben.
Seit drei Jahren  findet der Klimaschutztag bei uns im NZB statt. Wir stellen die Location und versorgen die Menschen mit Getränken und Kuchen und mit einem attraktiven Programm für Kinder. Um die anderen Inhalte kümmern sich  Mitarbeiter der Stadt Bensheim, die qualifizierte Vortragsredner und Energie- und Klimaspezialisten aus verschiedenen Unternehmen der Region für diese Veranstaltung gewinnen konnten.
Ich durfte zuhören und selbst etwas lernen.
Gleich der erste Vortragsredner beeindruckte mich. Daniel Bannasch, von Metropol-Solar  Rhein Neckar (Netzwerk für erneuerbare Energien).  Schon allein seine Ankündigung: „Ich erkläre Ihnen die Energiewende auf dem Format eines Bierdeckels“, machte mich neugierig. Kann er  wirklich eine Antwort auf die Frage geben: „Ist es zu schaffen, die vollständige Ablösung der atomarfossilien Energieversorgung durch Energieeffizienz, Energieeinsparung und den Ausbau der Nutzung aller erneuerbaren Energien zu erreichen“?
(Ich beschließe in diesem Blog nur am Rande auf konkrete Inhalte einzugehen, die kann man überall nachlesen. Es gab vor und nach der Veranstaltung genügend interessante Berichterstattungen darüber).
Für mich ist Daniel Bannasch ein Mann, der sich mit ganzer Energie, sozusagen mit Passion, seit Jahren der Problematik stellt und mit seinem Team  an nachvollziehbaren Lösungsansätzen arbeitet, die er dann zu diversen Veranstaltungen oder über Medien weitergibt. Ich kann seine Gedanken und Argumente gut nachvollziehen.  Er  bietet sein Wissen und seine Erkenntnisse an, aber nicht als Verkäufer, sondern als Überzeuger. Neben mir saß Gerhard und er sagte am Ende: Respekt, das war wirklich ein großartiger Vortrag.  Am Ende war auch jedem sein Motto klar: Sonne für Alle  – 2030.

Den zweiten Referent kannte ich bereits. Klaus Wiegandt. Ich war vor Jahren bereits einmal Zuhörerin bei einem seiner Vorträge. Durch ihn kenne ich für mich die beste Definition für Nachhaltigkeit: Genug für Alle, für immer.

Am Sonntag klang sein Bericht jedoch ziemlich bedrohlich auf mich. Ich bekam bei seinen Ausführungen regelrecht Beklemmungen. Ähnlich ging es wohl auch zwei jungen Mädchen, die neben mir saßen. Er redete über ihre Zukunft.
Es ist ja nicht so, dass die Menschen den Klimawandel, so wie Trump, einfach leugnen, im Gegenteil: 62% der Europäer erkennen an, dass der Klimawandel zum zweitgrößten Problem der Menschheit geworden ist. Aber ändert sich was? Im Gegenteil. Es zeige sich ein Bild der Sorglosigkeit. Billige Fluglinien, überdimensionierte Geländewagen (vor allem von Frauen gewünscht)…
Die Werbemacher greifen um sich. Damit die Verbraucher nicht auf dumme Gedanken kommen und vielleicht doch mal ihren Verstand einsetzen, setzen diese Werbestrategen auf subtile und schillernde Werbespots, um den Verbraucher zu verführen, über seine Verhältnisse zu leben. Sie geben unvorstellbare Summen aus, um dem Konsumenten etwas anzudrehen, was  er eigentlich gar nicht braucht.            Da könnte ich ausflippen.
Die wirkliche Bedrohung sei aber eine ganz Andere. Man müsse sich große Sorgen um die globale Landwirtschaft machen. Die Folgen durch die Aufladung der Atmosphäre sei verheerend.
Höhere Niederschläge auf der einen Seite – Dürre auf der anderen Seite. Das habe  unmittelbare Folgen für unsere Nahrungsmittel. Und es wird einen Kampf ums Wasser geben. Und das alles bis Mitte dieses Jahrhunderts.
Ich richtete nach seinem Bericht eine Frage an ihn.  Ich wollte wissen ihn, ob er den jungen Menschen neben mir konkret und mit einfachen Worten doch noch etwas Mut machen könne. Was können sie tun? Rebellieren?  Demonstrieren? In die Politik einsteigen? Das richtige Studium wählen? Er tat sich schwer, sich mit einer direkten Botschaft an die Mädels zu wenden. Auch er redete über ihre Köpfe hinweg.  Aber ich will ihn auf keinen Fall kritisieren. Er ist seit Jahren sehr erfolgreich mit seiner Vision: Mut zur Nachhaltigkeit.
Auf den dritten Redner wurde ich durch ein Interview  im  BA aufmerksam. Das was Herr Rademacher (ich lasse mal alle Dr. und Prof. Titel weg) da von sich gab, ließ mich aufhorchen.  Ihm wollte ich auf jeden Fall zuhören. Es ging  zwar wieder um die gleiche Problematik, das war mir klar, aber hatte er neuere und bessere Lösungsansätze?
Auf jeden Fall müsse man es schaffen, dass  sich alle Bürger  mit diesem Thema  auseinandersetzen. Am liebsten freiwillig, weil verstanden, warum.  Ich setze mich nur für etwas ein, was mir wichtig erscheint. Er hat ja Recht, wenn er sagt, dass die Zivilgesellschaft mobilisiert werden muss, die dann gehörig Druck auf die Politik ausüben kann. Einer seiner  konkreten Vorschläge. Man solle auf der ganzen Welt einen Tag zum Klimaschutztag machen. Man müsste es schaffen, Millionen von Menschen zu bewegen, sich für den Umweltschutz einzusetzen. Und dann müsste man Politiker wählen, die Maßnahmen in ihrem Programm aufgenommen haben.  Sozusagen Druck von der Straße.
Sein Appell: Wir müssen unser Privileg, in einer Demokratie zu leben, nutzen. „Geht in die Sprechstunden eurer lokalen Politiker“. An Studenten gerichtet: „Werdet politisch, vertretet eure Standpunkte,  tretet in eine Partei ein“. Wie mobilisiere ich aber die Menschen? Dazu müssten Verantwortliche Netzwerke aufbauen. Diese müssten  wiederum Aktivisten ausbilden und sie aussenden, um die Botschaft zu vermitteln. Wie ein Löwenzahnsamen, der vom Wind in alle Richtungen geweht wird und neue Saat hervorbringt.
Irgendwie hatte er aber auch eine Vorstellung, die ich nicht für richtig hielt. Seine Meinung, wir müssten mehr finanzielle Unterstützung  in Ländern leisten, die benachteiligt sind.
Da halte ich es schon eher wie Maria Montessori, die sagt: Hilf mir es selbst zu tun. Das merkte auch Herr Bannasch mit seinem Veto an. Er brachte für mich ein gutes Beispiel wie es funktionieren könnte. Nicht einfach Geld rüberschieben und dabei noch sein Gewissen beruhigen, sondern Hilfe zur Selbsthilfe, wie es das Projekt KIVA eindrucksvoll zeige. Hier werden Kleinkredite an Kleinunternehmer vergeben, die diese wieder zurückzahlen. Ich glaube, 95% der Kredite werden zurückgezahlt.
Unsere Klimalotsen hatten bei ihrem letzten Treffen  einen ortsansässigen Unternehmer glaubwürdig überzeugt, warum es gut sei, sich im Team Klimalotsen für das Projekt Kiva einzusetzen. Man hilft anderen und verliert trotzdem nichts. Im Gegenteil. Alle gewinnen.
Den größten Hoffnungsschimmer brachten am Ende dann doch noch Kinder auf der Bühne. Es waren drei junge Botschafter von „Plant for the Planet. Eindrucksvoll und überzeugend zeigten sie dem Publikum auf, wie man die Erde noch  retten könnte. Es ginge  schon lange nicht mehr um  die Rettung des Eisbärs, der seine Lebensgrundlage verliere, inzwischen geht es um den Menschen, der gerettet werden müsse.
Die Organisatoren um Felix Finkbeiner haben inzwischen neben  dem Verkauf von fairer Schokolade auch ein Buch herausgegeben:  Baum für Baum. Ein Untertitel: Jetzt retten wir Kinder die Welt. Es solle ein Mutmachbuch sein. Sie pflanzen Bäume. Weltweit. Denn Reden allein stoppe das Schmelzen der Gletscher nicht.  Stop talking. Start planting.  Eine hoffnungsvolle Mission.
Wer mehr wissen will: www.plant-for-the-planet.org

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