Repair Kids – ein voller Erfolg

Zuerst kamen die Experten. Voll bepackt mit Kisten, Koffern und anderen Utensilien. Ein freundlicher Gruß und dann begann jede/r konzentriert seine Station aufzubauen.
Ich war so gespannt wie der Nachmittag, organisiert durch das Repair Cafe Bergstraße, ablaufen würde.

Wie würden die Kids reagieren. Wird überhaupt jemand kommen? Wie stehen Jugendliche heute dem Thema Technik und  Handwerk gegenüber? Hat überhaupt noch jemand Interesse daran, einen funktionsuntüchtigen Gegenstand reparieren zu lassen?
Die ersten Neugierigen kamen. Ein Papa mit seinen beiden Kindern, eine Oma mit ihrem Enkel, die ganze Großfamilie…
Die Kids meldeten sich an und bekamen ein Namensschild. Dann wurden sie von einer Betreuerin zu den einzelnen Stationen geführt und es wurde kurz erklärt, was man dort machen kann.

Ich genoß aus der Distanz das Treiben. Mein Blick fiel auf Frau Götz. Ihr Werkzeug  und Hingucker war ihre Nähmaschine. Sie war umgeben von Schubladen mit wahren Schätzen. Ich liebe solche Kästchen: bunt, glitzernd, Knöpfe, Stoffe,  Fundstücke und Raritäten. Sie  hatte jede Menge Ideen und war selbst gespannt, für was sich die Kids entscheiden würden. Mein Favorit: Eine  coole Handytasche aus alten Jeans.

Am Tisch nebenan das volle Kontrastprogramm. Ich kann die technische Dinge überhaupt nicht benennen. Erkannt hatte ich alte Lautsprecherboxen, so wie man sie früher im Auto hatte.
Hier traf ich auf Laurenz, der mit seiner Oma kam.  Er lauschte den Ausführungen des Experten und ich war gespannt, ob  der Funke überspringen würde.
Selbst neugierig geworden, richtete ich meine Fragen an ihn. Was wird hier gemacht? Ist doch logisch. Hier wird ein ehemaliger Lautsprecher aus dem Auto in ein Radio umfunktioniert. Dazu mussten Bauteile zusammengesucht und verlötet werden. Faszination pur für mich, als am Ende Musik aus der alten Box kam. Da strahlte nicht nur die Oma. Hatte sie es doch gewusst. „Ich wollte ihn mal wegholen vom Spielen an der Konsole, ich wollte ihn mal für etwas anderes begeistern“. Ich wollte mit ihm raus gehen. Er ist ein Stubenhocker. Es ist ihr gelungen, auch wenn es ihrem Enkel etwas peinlich war, wie sie über ihn sprach.

Nächste Station: Ein Computer. Rechner, Bildschirm, Lüfter, Festplatte… Hier wurde den Kindern erklärt, wie ein Computer funktioniert. Auf einem Tisch lagen Teile, die sonst als Innenleben in einem Rechner verschwinden. Die Kids waren aufmerksam dabei. Als er die Festplatte auseinander baute und man die CDs sah, wie klein sie waren, da war nicht nur ich erst einmal baff.  Auf so kleine Scheiben passen all die vielen Daten?!? Als ich sagte: „Das ist ja ein Wunder, wer denkt sich denn so etwas aus.“ Da schaute der Fachmann hoch und sagte fast andächtig: „Ja, Sie  haben Recht. Auch für mich ist das ein Wunderwerk der Technik. Ich bin selbst fasziniert.“

Bei meinem Rundgang treffe ich auf einen Ingenieur. Er strahlte übers ganze Gesicht, und außerdem eine unglaubliche Ruhe aus. Zum einen freute er sich über die große Resonanz und zum anderen war er voll in seinem
Element. Er hatte sich noch Unterstützung aus der Familie mitgebracht, denn an den Tischen war absolute Präzision gefragt. Die Kids bekamen einen Elektronikbausatz „3-Kanal 18-LED-Wechselblinker“. Ich habe  gerade neben mir die Bauanleitung liegen und verstehe  auch nach genauem Studieren wirklich nur Bahnhof.
Am Ende hatten die Kids ein leuchtendes Herz zusammen gelötet. Auch ihn durfte ich
ein bisschen ausfragen.
Irgendwie interessiert mich, wie es dazu kommt, dass man sich für Technik interessiert. Er sagte lachend: „Das weiß ich ziemlich genau. Seit ich 6 Jahre alt bin. Meine Eltern hatten sich einen Lötkolben angeschafft. Und Sie werden es nicht glauben, aber das erste Wort, dass ich lesen und schreiben konnte war das Wort: Heimlöter.“

Nebenan ist es genauso spannend. Dort agiert Herr Peter. Er hat einen besonderen Auftrag. Er wird  versuchen, funktionsuntüchtige  elektronische Geräte von Kindern zu reparieren. Noah ist enttäuscht. Sein Amphibienfahrzeug hat einen Totalschaden, aber die zwei Walki-Talkis von Luka kann er retten. Da strahlt aber jemand.
Inzwischen ist richtig viel Leben im Haus. Und eine Szene finde ich besonders interessant. Da unterhalten sich im Hintergrund  lautstark die Erwachsenen und vor ihnen am Tisch  sitzen ihre Kids und man hört kein Wort. Sie unterstützen sich gegenseitig. Ab und zu gibt es einen kleinen Tipp oder eine Hilfestellung der Betreuer. Fasziniert bin ich von drei Jungs: Leon, Fabian und Marvin.  Sie löten ein Herz. Leon macht sein Herz für Mama zum Muttertag. Er sagt, es sei ganz schon anstrengend. Aber aufgeben? „Auf gar keinen Fall“.

Von einem Gast hörte ich, wie er sagte: „Schon wenn man reinkommt, merkt man, dass hier heute eine besondere Atmosphäre herrscht. Es knistert förmlich.
Draußen treffe ich Thomas. Er hat bereits mehrere Stationen besucht. Jetzt darf er noch einmal einen Reifen flicken und das Rad ab- und aufmontieren. Diesen Kurs sollte ich besser auch einmal besuchen.
Am Ende meines Rundganges bleibe ich bei einem jungen Mann mit seinem Laptop hängen. Auch er sei  bereits als Kind mit dem „Technikvirus“ infiziert worden.  Durch eine Informatik AG am Gymnasium. Löten
sei auch für ihn das Zauberwort. Als in der Familie dann der erste Computer angeschafft wurde, war er ständig mit dem Studieren des Programmierbuches beschäftigt.  Inzwischen hat er in dieser Branche seinen Job gefunden. Nebenbei beschäftigt er sich aber mit kostenfreier Software. Linux.  Für ihn ist es ein Muss, den Nutzer über die Vor- und Nachteile von Software aufzuklären.  Vor allem sieht  er Monopolstellungen sehr kritisch.  „Auch hier geht die Vielfalt verloren. Wie in der Natur.“   Außerdem ist der Gedanke der Nachhaltigkeit nicht von der Hand zu weisen. Sein Motto: Alte Hardware zu neuem Leben erwecken.

Mein Fazit. Ich bin sehr zufrieden. Ich habe nur in glückliche Gesichter gesehen. Von den Kindern, den Veranstaltern und auch Eltern. Da sollten wir dranbleiben und ein Zeichen setzen. Gegen die Wegwerfmentalität hin zur Wertschätzung der Kunst des Handwerks und der Genialität der Technik.

 

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