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„Das Klima isst mit“

Das Klima isst mit, so lautete die Überschrift eines Presseartikels nach unserem erstmals durchgeführten Klimabrunch. Warum braucht es einen Klimabrunch?, könnten Sie fragen. Kommt da überhaupt jemand? Was gibt es da zu Essen? Sicher kein Fleisch.  Schmeckt das überhaupt? Unkenntnis.
Es könnte ein Grund gewesen sein, warum wir im letzten Jahr kaum auf Interesse mit diesem Veranstaltungsangebot  gestoßen sind. Wir mussten den Termin abblasen.

Aber da uns dieses Thema einfach zu wichtig ist, starteten wir zusammen mit dem Bergsträßer Anzeiger einen neuen Versuch,  und ich betone ausdrücklich dabei die große Unterstützung bei der Vorankündigung. Wir hatten eine wirklich gute Presse, die uns nicht nur während des Tages begleitete, sondern auch in einem Extraartikel  noch einmal auf die Notwendigkeit des Umdenkens hingewiesen hat.

Hier zum Einstieg ein  Auszug aus dem Artikel vonThomas Tritsch, Reporter beim BA, im Gespräch mit Gerhard Eppler:
„Lange Transportwege schmälern den Öko-Effekt. Importe verbrauchen Treibstoff und pusten reichlich Schadstoffe in die Luft. Mehr Kohlendioxid (CO2) entsteht und verstärkt die Klimaerwärmung. Viele Bio-Produkte stammen aus entfernten Gegenden der Welt. Die positive Wirkung einer ökologischen Landwirtschaft wird aber relativiert, wenn die Produkte anschließend über tausende Kilometer zum Kunden verfrachtet werden. Aus ökologischen Gesichtspunkten sei es deshalb sinnvoll, sich vorwiegend von Lebensmitteln aus der Region zu ernähren, so Eppler.
Bei regionalem Obst und Gemüse betragen die Emissionen durch den Transport durchschnittlich 230 Gramm CO2 pro Kilogramm. Beim Import aus anderen europäischen Ländern ist es doppelt so viel. Beim Transport aus Übersee mit dem Schiff kommt man auf 570 Gramm. Auch die ökologische Landwirtschaft emittiert bis zu einem Fünftel weniger Treibhausgase als die konventionelle.
Fazit: Das Klima isst mit. Experten raten dazu, weniger tierische Produkte zu verzehren und sich insgesamt bewusster zu ernähren. Der erste Klima-Brunch hat dazu beigetragen, sensibler und auch kreativer mit Nahrungsmitteln umzugehen. Und erneut hat sich eine alte Erkenntnis bestätigt: Gemeinsam schmeckt’s am besten.“

Auf die Frage, warum wir unbedingt so einen Klimabrunch im Jahresprogramm miteinbauen wollten, haben wir durch diese Zeilen bereits eine Teilantwort. Wir müssen unsere Ernährungsgewohnheiten überdenken.
Da wir aber nach wie vor nicht mit mit erhobenem Zeigefinger auf Herausforderungen  der Zukunft aufmerksam machen wollen,  bleiben wir bei unserem erprobten Konzept frei nach Konfuzius:
Ich höre und vergesse
Ich rede und erinnere
Ich handle und erfahre
Es ist wahr, und seit vielen Jahren zeigen uns Erfahrungen, dass man durch Handeln eine tiefere Bewusstheit und dadurch eine höhere Umsetzungswahrscheinlichkeit oder Verhaltensänderung erreichen kann.
Erstmalig ist mir das bei den Ferienspielen aufgefallen. So viele verschiedene Essgewohnheiten der Kinder. Wir Köche waren nicht glücklich, wenn wir die mit Liebe gekochten Speisen wieder abräumen mussten, weil dem Einen dies und dem Anderen das nicht schmeckte.
Wir beobachteten unsere Kinder, wir fragten sie nach ihren Vorlieben und kamen recht schnell zu dem Ergebnis: Wir müssen sie miteinbeziehen. Seitdem haben wir einen Garten angelegt und holen  die Zutaten aus dem Garten oder möglichst frisch aus dem Supermarkt.  Wir kochen an der Feuerstelle,  wir schnippeln Gemüse oder Kartoffeln, wir rühren die Suppe  und wir essen zusammen.
Eltern wunderten sich über die neuen Erfahrungsberichte ihrer Kinder.  Und ich gab ihnen gerne die Rezepte, aber immer wieder schob ich hinterher, dass das Rezept nur ein Aspekt sei, den Mehrwert könne man leider nicht mitgeben. Das muss man  schmecken und erleben.

Seit der Eröffnung im Jahr 2004  haben wir  uns gerade auf diesem Gebiet weiterentwickelt.  Unseren Blick auf  gesunde Ernährung und  Lebensmittel haben wir weiter geschärft.  Das erlebt man bei unseren Angeboten im Bistro, bei Veranstaltungen und Programmen und bei Kursen und Fortbildungen.  Wir setzen auf Frische, Regionalität, Saisonalität und Bioqualität. Und wir merken an den positiven Rückmeldungen, wie wichtig genau das ist.
Genauso lief deshalb der Klimabrunch ab. Es gab viele große und kleine Interessierte, die Annette bei der Exkursion begleiteten. Da wurden verschiedene Kräuter gesammelt und später gemeinsam klein geschnitten oder gehackt. Da gab es Vorbereitungen für das Brot aus dem Steinofen und nebenbei wurde aus Sahne frische Butter geschlagen.
Die Bilder sprechen für sich. Und das gemeinsame Essen an der Feuerstelle, um möglichst nahe an der Pfanne oder beim Brot zu sein, wurde für uns alle zu einem unvergesslichem Erlebnis, so auf jeden Fall deuten wir die vielen positiven Rückmeldungen.
Ich würde sagen, alles richtig gemacht, denn auch der Kurzvortrag von Gerhard  zu Beginn hatte zumindest bei den Erwachsenen nachgeklungen. Immer wieder gab es dazu Fragen oder Anregungen, während man gemeinsam mit dem  Vorbereiten beschäftigt war.
Also verbuchen wir diese Veranstaltung als Premiere und nicht als Eintagsfliege.

Heute morgen  waren wieder zwei Schulklassen der Josef-Heckler-Schule hier. Ihr Wunschthema: Ernährung. Ich habe die Kinder beobachtet, wie sie im Garten an den Kräutern gerochen, sie probiert und wie einen Schatz in den Korb legten. Anschließend wurden aus den Schätzen des Gartens Holunderblütenlimo, Pfefferminztee und frische Kräuteraufstriche. Beate fragte die Kinder am Ende: Und? Was war heute neu für euch? Es war wie im Chor: „Ich habe noch nie Limo selbstgemacht. Der Pfefferminztee schmeckt ganz anders als der aus dem Beutel…“
Und weil unser Spinat genau die richtige Reife im Hochbeet hat, werden meine BFDler morgen einen Spinatsalat und eine Spinatquiche für uns Mitarbeiter zubereiten. Ich freue mich schon drauf. Vielleicht haben wir für die Ferienspiele im Sommer ein neues Rezept im Angebot.

 

 

Glückliche Steinzeitkinder

Erfahren, wie es in der Steinzeit war, das war es, was die drei Kids Luis, Jonas und Henry antrieb, sich zur Steinzeitwerkstatt anzumelden. „Na, dann lassen wir uns mal auf dieses Abenteuer ein“, dachte ich auch, denn ich wollte heute unbedingt dabei sein. Wir hatten Glück, „unseren“ Wildnislehrer Wilfried Reichenbach mal ganz für uns alleine zu haben. Am Anfang nahm er noch kaum Notiz von uns. Er war mit Vorbereitungen beschäftigt. Eine erste Aktion sollte die Herstellung von Birkenpech sein. Wir folgten ihm in unseren Wildnisbereich „Willi Wildnis“, den Kinder vor Jahren diesen Namen gaben.
Wie man auf den Bildern sehen kann, erwartete uns wirklich eine kleine Wildnis. Wilfried hatte bereits ein Loch ausgehoben und eine Konservendose reingestellt. Fragende Gesichter bei uns Schülern. Jetzt erfuhren wir, was uns heute erwarten würde. Wir werden einen Speer herstellen und die Spitze mit Birkenpech haltbar machen, wenn man das so ausdrücken darf. Ich konnte mir immernoch nicht vorstellen, wie man aus Birkenrinde Pech herstellen können sollte, also durfte ich das Geschehen keinen Augenblick aus den Augen lassen. Die Kinder befüllten den Behälter bis zum Rand. Deckel drauf. Und rein in die Grube und die Erde herum fest angedrückt. Was mir an Information im Vorfeld entgangen war –  die große Dose hatte unten ein Loch, von da aus sollte  das „Pech“ in die kleine Dose fließen. Unfassbar.
Wir sammelten gemeinsam Rinde und kleine Stöcke, um unser Feuer, welches als Brennmaterial um die große Dose gelegt wurde. Es funktionierte gleich und nun hatten wir Zeit, um uns anderen Aufgaben zu widmen.                                                               Stöcke mussten geschnitzt werden. Wilfried schärfte inzwischen seinen Blick. Er hielt Ausschau. Aber nach was? Wir waren doch in seiner Nähe. Er griff zum Spaten und grub die Wurzel der großen Klette aus. Sofort waren die Kinder bei ihm. „Was machst du da“? „Wieso machst du das“? Wilfried blieb geduldig. Er erklärte ihnen, dass man diese Wurzel der großen Klette essen könnte. Wir würden sie am Feuer rösten und könnten sie dann abbeißen wie eine Karotte, obwohl sie eher wie eine Schwarzwurzel schmecken würde.
Wilfried war immer noch auf der Suche. Die Kinder legten ihr Schnitzmesser ab und folgten ihm. „Ich brauche einen Sonnenschutz für meinen Kopf. Es ist so heiß.“ „Wir auch“, hieß es gleich wieder.
Und natürlich war seine kleine Exkursion damit noch nicht beendet. Er kniete sich auf den Boden, weil er Spitzwegerich entdeckte. „Hier“, sagte er, „dass könnt ihr gebrauchen, wenn euch mal was gestochen hat oder wenn ihr eine kleine Verletzung habt“. „Ausquetschen und auf die Wunde geben. Das hilft.“ Sofort mussten alle Drei sich absuchen, ob da nicht schon eine kleine Verletzung vorhanden sein könnte. Wir bekamen auch noch die Vorzüge von Gundermann, dem kleinen Ampfer, der Taubnessel oder der Schafgarbe vorgestellt. Auch die Pflanze mit den schönen blauen Blüten zeigte er ihnen. Das ist auch eine Veronika, erklärte er ihnen. Sie schauten mich dabei an. Sie hatten verstanden.
Luis sagte, „ich hätte nicht gedacht, dass mir jemals  grüne Blätter schmecken würden“. Der Sauerampfer war besonders gefragt, aber die Schafgarbe wurde gleich wieder ausgespuckt.
Zurück am Feuer empfing uns große Hitze. „Ich hab was entdeckt, womit ihr eure Stirn kühlen könnt“. „Ach was“, dachte ich, bei der Hitze gibt es nix Kühlendes hier auf der Wiese“. Aber ich wurde eines Besseren belehrt. Das Blatt des großen Ampfers auf der Stirn sei um fünf Grad kälter als alles andere drum herum. Und genau so empfanden wir das auch. Wie sagte Jonas gleich? „Meine ganze Schwitze ist weg“. Was dieser Mann alles weiß.
Die Wurzel war langsam fertig geröstet. Fast erfurchtsvoll schauten  die Kinder zu, wie er die Schale entfernte und das weiße Fleisch zutage kam. Sie probierten wirklich alles.
Bei dieser Gelegenheit war mal wieder Fragestunde angesagt. „Was machst du eigentlich“? „Ist das dein Beruf“? „Hast du schon mal länger ohne richtiges Essen in der Natur gelebt“? „Wie lange könntest du ohne richtiges Essen überleben“?  Die Antwort darauf von Wilfried fand ich trocken und ehrlich. „Naja“, sagte er, „nach einer Woche würde ich mir mal wieder was richtiges zum Beißen wünschen, aber es würde schon gehen“. Ich weiß,  er braucht auch Fleisch. Mit seinem Speer könnte er mindestens schon mal, falls er großen Hunger hätte, einen Hirsch erlegen, sagt er.
Die Speere der Kinder würden dafür nicht taugen, sie waren auch nicht wirklich daran interessiert. Während Henry und Luis wohl schon richtige Erfahrungen mit dem Messer gemacht hatten, ist Jonas wohl eher das Sportgenie, wie er zu Beginn erklärte. Es war für ihn anfänglich sehr schwer, nicht gleich den ganzen Stock kurz und klein zu schnitzen. Ich sagte ihm: „Stell dir vor, dass ist die Haut einer Frucht und du müsstest ganz vorsichtig die Schale entfernen“. Er konzentrierte sich und siehe da, es klappte. Er war richtig stolz auf sich.
Jetzt musste Wilfried nur noch überprüfen, ob die Stöcke auch alle gerade sind, damit sie gut fliegen können.
Die Dose auszugraben und nachzuschauen, wie viel Birkenpech gewonnen wurde, hatten wir fast vergessen, so spannend war das Leben rundherum um die Feuerstelle. Wir beobachteten wie unser Lehrer die große Dose aus der Erde entfernte und schauten ganz gespannt auf den Inhalt. Naja. Klein aber fein. Für unsere Speere würde es wohl reichen.
Doch die Fertigstellung geschieht erst beim nächsten Mal. Die Kids hatten den Auftrag ihren Stock mit nach Hause zu nehmen und ihn richtig glatt zu schmirgeln.
Jetzt musste Wilfried zum Schluß noch ein Versprechen einlösen. Er hatte selbst seinen Speer dabei und es gab für jeden die Gelegenheit, ihn auszuprobieren. Meine Güte, die hatten eine Power. Bei allen Vieren flog der Speer richtig weit.
Jetzt wollten sie ihren Rohling noch testen und auch das gelang.
Es war ein gelungener Ausflug in die Zeit der Steinzeitmenschen. Danke Wilfried, wir haben viel gelernt und es war so entspannend.

Zeit für Orientierung – ein Freiwilliges Jahr als BFDler

Wir haben auch in diesem Jahr wieder Glück mit unseren beiden Bundesfreiwilligendienstlern. Moritz und Conrad gehören seit September zu unserem kleinen Team.
Hier befestigen sie ein Schild, auf welchem sichtbar wird, dass wir eine anerkannte Stelle für den Bundesfreiwilligendienst sind.
Vor kurzem war ich in Frankfurt auf einer Einsatzstellentagung, zu der der NABU Hessen, Regionalstelle Mitte für den BFD, eingeladen hatte.  In Wetzlar ist die Regionalstelle beheimatet und von dort aus werden die BFDler, die in unterschiedlichen Einrichtungen wie im Tierheim, Zoo oder Umwelt- und Naturschutzzentren eingesetzt sind, betreut. Es ist immer spannend, sich mit anderen EinsatzstellenleiterInnen auszutauschen. An diesem Tag war unser Schwerpunkt: Tagesablauf, aber auch Jahreskreislauf eines  BFDlers. So ein Tag sieht natürlich je nach Einsatzstelle ganz unterschiedlich aus. Wichtig war uns am Ende des Tages unter anderem festzuhalten, dass eine gute pädagogische Betreuung für beide Seiten wertvoll und unabdingbar ist. Wertschätzung des Einsatzes der meist jungen BFDler, aber auch Anerkennung für die Einrichtung und die Unterstützung der Betreuer durch das Jahr hindurch. Eine Win-win-Situation im besten Fall für beide Seiten.
Natürlich ist auch der Austausch unter den  BFDlern wichtig. Zu fünf Seminarwochen im Jahr treffen sie sich, jede Seminarwoche hat ein spezielles Thema wie Ernährung, Naturschutz oder Nachhaltigkeit.  Mir kommt es so vor, dass es Moritz und Conrad gefällt, mit anderen zusammen zu sein und völlig neue Eindrücke bereichern ihr Leben. Auch für uns bringen sie  immer neue Anregungen mit.
Es ist gut, dass wir sie haben.

Überleben! Mit Überlegung, Spaß und ein bisschen Komfort

Schon in der Begrüßungsrunde war mir klar: Diese Kids haben alle den ernsthaften Willen etwas für den Klimaschutz zu tun. Es trafen sich zu einer ersten Begegnung im neuen Jahr, bereit dafür, ein Klimalotse zu werden, acht Kids aus der Region Bergstraße.
Beate Löffelholz freute sich über die vielen Neuen und nicht nur sie war überrascht über ihre Antworten auf die Frage, warum sie heute hierher gekommen waren. „Ich will was für die Welt tun – die Politiker machen im Moment nicht alles richtig“, so eine selbstbewusste Antwort.  „Unser Verhalten hat Folgen für das Klima. Ich will mehr darüber erfahren, was ich tun kann. Ich will die Natur schützen.“ „Ich interessiere mich für die Natur, deshalb will ich sie auch schützen“, so eine weitere Meinung.
Beate gelang es im anschließenden Experiment ihre Neugier und ihren Forschergeist zu wecken. Wie gelingt das am Besten? Durch Nachdenken, Verantwortung übernehmen und Handeln. „Was und wer beeinflusst unser Klima?“, so eine Frage von ihr? Sie gab einen Luftballon und eine Sprudelflasche weiter. Der Luftballon wurde über die geöffnete Flasche gestellt. Ein bisschen Schütteln und dann? Die Flasche ging reihum und die ersten Hypothesen wurden gebildet.
Aus diesem Experiment  ergaben sich weitere Fragen und so knüpften sich weitere Versuche an. „Könnte man, wenn der Ballon sich durch die Kohlensäure aufbläst, auch einen Heißluftballon auf diese Weise starten lassen?“, so eine Frage.
Es war spannend für mich als Aussenstehende den Prozess zu beobachten. Ihre Freude, ihr Entdeckertrieb war ungebrochen.
Dann war es Zeit für ein erstes Spiel. Ich hatte die Vorbereitungen dazu mitbekommen, die Beate und die zwei BFDler Moritz und Conrad zusammen getroffen hatten.
Auf dem Spielfeld wurden drei Kreise gelegt. Ein Kreis symbolisierte den Menschen, der zweite stand für den Wald und der dritte Kreis war der Zeit zugeordnet. Die Kids teilten sich auf. Beate gab jeder Gruppe einen Auftrag. Immer einer aus jeder Gruppe lief zu einer anderen Gruppe hin um sich ein Stück Holz (stand für einen Baum) zu holen. Also. Der Wald holte sich ein Holz aus dem Reservoir der Zeit, die Zeit holte sich ein Holz aus dem Kreis Mensch, aber! der Mensch holte sich zwei Hölzer aus dem Kreis Wald. Keiner kannte  den Auftrag der anderen Gruppe.
Ich verfolgte das Spiel aus der Distanz. Schnell leerte sich der Wald, während Mensch und Zeit in etwa gleich viele Hölzer behielten. Das führte recht bald zu Reaktionen. „Hey“, hörte ich einen Mitspieler sagen: „Das ist unfair“! Ein Kind ist bereits so sauer, dass es gar nicht mehr weiterspielen will. Die Verwirrung ist groß. Sollen sie sich auch zwei Hölzer nehmen? Dann ist der Wald leer. Das Spiel wird abgebrochen. Sie finden sich zusammen.  „So geht das nicht“, sagt Heiner. „Das ist doch klar. Der Mensch nimmt sich mehr als die Bäume Zeit haben, nachzuwachsen.“ „Da stimmt was nicht“. Als Beate einen Mitspieler aus der Gruppe Mensch fragt: „Und? Wie wie fühlt man sich da?“ Die Antwort: „Mächtig“. Er schaute dabei aber eher verlegen in die Runde. „Ja und? was sagt euch das? “ „Das ist nicht gut für den Wald, der kann sich ja gar nicht wehren.“ Die „Zeit“ schaltet sich ein. „Wir haben noch alle Klötzchen. So viel wie am Anfang.“ Es kann also funktionieren. Aber wie? „Nur, wenn es gerecht zugeht.“  Beate holt weiter aus. „Das was ihr gerade erlebt habt, ist auch vor vielen Jahren den Förstern aufgefallen. Sie sagten: Wir müssen eine neue Form der Waldwirtschaft betreiben. Wir dürfen nur soviel nehmen, wie wir brauchen und wir müssen neue Bäume pflanzen.“
Zusammen erarbeiteten sie das Wort: Nachhaltigkeit. Gehört hatten sie das Wort schon oft, aber heute haben sie es auch im Prinzip verstanden.
Nach dem Spiel erwartete sie schon Erhard. Er hatte es leicht, sie für seine Botschaft zu gewinnen. Sie hatten gerade ihren Spaß, Bewegung und somit auch wieder ein offenes Ohr.
Der Kapitän der Klimalotsen stellte sich und seine spezielle Rolle bei den Klimalotsen vor. Sie hörten aufmerksam zu und waren bereit für eine neue Lektion.  Sie erfuhren dabei etwas über die Bank für Microkredite und  er ließ  sie zu jungen BankberaterInnen werden. Gute Bänker verwalten nicht nur das Geld und sorgen für gute Zinsen, wirklich gute Bänker hören sich die Geschichte von Kunden an, die Geld brauchen, um sich mit ihrer Investition ein Stück Unabhängigkeit, Freiheit und Wohlergehen kaufen zu können. Damit leisten die meisten Menschen auch einen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz. Erhard stellte drei Projekte vor, die die angehenden Klimalotsen bewerten und anschließend unterstützen wollten. U.a. ging es um eine Solaranlage auf´s Dach eines Landwirtes oder um spezielle Öfen für eine Dorfgemeinschaft. Sie hörten sich alle Wünsche und Bedürfnisse an und scheinbar war es  dieses Mal besonders einfach, sich zu entscheiden. Sie stimmten fast einstimmig über die jeweiligen Beträge ab, die verteilt werden konnten. Ab jetzt werden sie zuschauen, wie es mit ihren Projektpartnern weitergeht. Sie haben  selbstbewusst und ernsthaft Verantwortung übernommen.
Bevor die Kids mit Stockbrot am Feuer ihren ereignisreichen Nachmittag abschließen konnten, warteten Moritz und Conrad mit einem weiteren Spiel auf, das sie aus dem letzten BFD Seminar mitgebracht haben.
Es ging wieder um den Wald. Die Kids bekamen die Ansage, dass der Förster ihnen zwei Waldstücke zur Verfügung stellt, um Holz zu ernten, damit sie über den Winter kommen. Wenn sie ein Stück Holz nehmen, dann schaffen sie es zu überleben. Bei zwei Hölzern, haben sie ein bisschen mehr Komfort bei drei Hölzern könnten sie im Luxus schwelgen und ohne Probleme im T-Shirt durch den Winter kommen.
Man muss dazu sagen, dass unsere beiden BFDler ihre Erlebnisse so schilderten, dass die meisten sich am Anfang gleich mit drei Hölzern eindeckten.
Was passierte also hier in dieser Runde?  Alle nahmen sich anfänglich ein Holz. Der Spielleiter legte es nach der Runde zurück in den Wald. Sie merkten, dass es nicht weniger wurde. Dann nahmen sie sich mehrere Hölzer. Es gab ja keinen Grund zu sparen. Das beobachteten andere und nahmen deshalb weniger. Es blieb im Gleichgewicht. Super Kids.  Der Spielleiter entschied sich daraufhin, weniger Holz zurückzulegen und später sperrte er sogar ein Waldgrundstück.
Da fingen einige Kids an, Holz zu verstecken. Ganz im Sinn wie es auch Eichhörnchen machen, die ihr Futter verstecken.
Sie hatten  trotzdem ihren Spaß und  natürlich durchschauten sie auch den Hintergrund. So konnte das Spiel aufgelöst werden. Spannend waren die Rückmeldungen allemal. „Klimaschutz kann auch Spaß machen, wenn man etwas verstanden hat“, so eine Meinung. Oder. „Es ist aber auch nicht gut, wenn man sich immer Sorgen machen muss, dass man gerade noch so überlebt. Ein bisschen Luxus gehöre schon dazu. Also wären doch zwei Hölzer gut, wenn man sie sich die nimmt und gleichzeitig müsste man mit anderen zusammen wieder Bäume pflanzen.“
Das kann auch noch Spaß machen, wie man sieht.

 

Willkommen 2018. Wir sind bereit.

Die Weihnachtsdeko ist endgültig verstaut. Wir freuen uns auf das, was uns das neue Jahr zu bieten hat.

Gestern begann offiziell unser Programm im Jahreskalender. Geplant war eine Exkursion zum Kühkopf, die der NABU Bensheim organisierte. Schon früh musste ich mir den Wecker stellen, aber ein Blick aus dem Fenster signalisierte mir, dass das heute mit dem Morgenspaziergang nichts wird. Es regnete in Strömen. Schade. Das wäre ein perfekter Auftakt gewesen.
Heute dann gleich der zweite Termin. Stephan Konzack, unser Permakulturdesigner kam am frühen Mittag angeradelt, um uns in die Praxis der Permakultur einzuweisen. Speziell ging es heute um den Rückschnitt von Sträuchern. Alle waren begeistert, auch von der Theorie. Man muss sich ja erst einmal orientieren. Wem das auch noch Spaß machen könnte, der informiere sich über unser Jahresprogramm.

Wenn ich schreibe, dass das Programm offiziell begann, dann gilt das aber nicht für das Programmangebot an sich. Es freuten sich schon 3 Geburtstagskinder, dass sie mit ihren Gästen hier feiern durften.

Am vergangenen Freitag trafen sich auch die Kinder aus der Gruppe Kinder stärken wieder. Die Kids waren so glücklich, dass es endlich wieder losging, obwohl sie auch den Jahresreigen  im Dezember als letzte Gruppe beendeten.
Ich fragte sie nach der Begrüßung einzeln in der Runde, wozu sie denn heute bei dem etwas regnerischem Wetter besonders Lust hätten. Die Antwort war einstimmig. Ich will  einfach raus!
Das hatten sie sich auch wirklich verdient. Die Begrüßungsrunde in der Gruppe war nicht einfach. Erich (alle Namen geändert) nutzte die Gelegenheit, um von seinem Frust aus der Schule zu erzählen. Sein Nachbar hätte ihn permanent auf den Oberarm geschlagen. Er war total sauer. „Das hat auch noch weh getan!“, so seine Anklage.
Ich bot ihm an,  diese Situation einmal in der Runde nachzuspielen.
Er war bereit dazu. Und die Anderen waren gespannt. So ein Rollenspiel hatten wir schon lange nicht mehr gemacht.
Lukas „durfte“ den Nerver spielen. Er hatte richtig Spaß, ihn zu provozieren. Erich reagierte verbal in einem netten Ton: „Hör doch auf. Lass mich in Ruhe.“ Er bemühte sich, konnte aber nicht wirklich sauer sein.  Alle Kids spürten, dass er damit wohl eher nichts erreichen würde.
Erich durfte sich in den Kreis zurücksetzen und andere nahmen seinen Platz ein.  Fanden sie die richtige Antwort, um den „Nerver“ in die Schranken zu weisen? Die Reaktionen der Kinder waren unterschiedlich. Von: „Ich sag´s gleich der Lehrerin“ über (lauter im Ton): „Hör jetzt endlich auf“, bis:“Du nervst“. Lukas ließ sich nicht beirren. Er hatte weiter seinen Spaß. Er nahm erst richtig Fahrt auf.
Dann kam Oskar. Er verblüffte uns alle. Er schaute ihn an und sagte: „Hast du noch was anderes auf der Platte?“. – Das war anders. Lukas war verunsichert. Der kleine Jakob wollte jetzt auch noch was probieren? Er nahm allen Mut zusammen. Er gab dem Nerver zur Antwort: „Kannst du mal den anderen Stift nehmen?“. Auch das irritierte Lukas.
An dieser Stelle unterbrach ich. Ich fragte Lukas, welche Antwort bei ihm eine starke Reaktion hervorrief. Keine Frage. Das waren die beiden Letztgenannten.
Und warum?, fragte ich ihn und alle anderen? „Ja, weil das eine so verwirrend und das andere richtig stark rüber kam“, so die Antworten.  Oskar sagte dann direkt zu Erich: „Du bist einfach zu nett zu ihm. Das merkt er. Ihm richtig die Meinung zu sagen, dass musst du üben.“
„Na“, sagte ich, „damit fangen wir heute schon mal an“. Erich musste wieder rauf auf den Stuhl und es fiel ihm nicht leicht, ernst zu bleiben, eine andere Körperhaltung einzunehmen, um dann den richtigen Ton zum passenden Gefühl rauszukriegen.  Aber! Er weiß jetzt, das man das lernen kann. Hier, zum Beispiel in der Gruppe, aber auch Zuhause oder mit Freunden.
„Zusammen sind wir stark“, das würde jetzt auch Aishu sagen. An sie mussten wir an diesem Nachmittag oft denken. Alle haben sie vermisst. Sie würde die Situation mit ihrem authentischen Lachen ändern und  somit die Stimmung retten.  Vielleicht so: „Hey,  willst du nicht lieber mein Freund sein?“

Während ich diese Zeilen schrieb, meldelte sich Aishu per Whatapp. Sie fragte mich, warum ich keinen Blog schreibe. Da war ich gerade gedanklich bei ihr angekommen. So steht fest: Es gibt sie, diese Gedankenübertragung. An dieser Stelle grüße ich dich Aishu noch einmal herzlich. Du fehlst uns allen.

Es wurde noch ein wunderbarer Nachmittag. Die Kinder hatten genügend Zeit ihren eigenen Interessen nachzugehen und Freundschaften zu pfelgen. Moritz unterstützte mich an diesem Nachmittag. Er hütete mit den Kindern das Feuer.
Gemeinsam saßen wir später im Werkraum und genossen Buttermilchwaffeln und Pfannkuchen mit frischem Obst. Zum Abschluss gab es natürlich auch noch das obligatorische Versteckspiel, welches nur in der dunklen Jahreszeit reizvoll ist. Sich der Dunkelheit anzuvertrauen, dazu gehört auch Mut, aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Nachdenken – zur Ruhe kommen – Dankbar sein

Aishu und Conrad verließen gerade das Haus. Sie waren heute schwer am Schaffen. Der ganze Ausstellungsraum, die Werkstatt und die Bibliothek musste ausgeräumt werden.  Der Boden wird gereinigt und eingewachst. Das dauert. Ein Blick in die ungewohnte Leere war wohltuend. Ich holte sofort meine Kamera, weil ich diesen Anblick festhalten wollte.
Bei uns ist trotzdem immer etwas los, auch wenn die Buchungen für Kindergeburtstage oder sonstige Veranstaltungen sich in den Monaten November und Dezember in Grenzen halten. Letzte Woche gab es eine Tagesveranstaltung für ErzieherInnen, Kinder haben auch um diese Zeit Geburtstag, am Sonntag bauten wir mit Kindern einen Schneemann und spazierten zu den Wasserbüffeln, heute treffen sich zum letzten Mal die Erlachfüchse am Feuer.
Die Besucherfreie Zeit nutzten wir für den Einbau von Regalen. Zwei Tage lang musste Conrad von früh bis abends Rudi unserem Handwerker zur Hand gehen. Es hat sich gelohnt. Endlich Stauraum.
Ich zog mich, sooft es ging, in mein Büro zurück. Ich wäre am liebsten unsichtbar gewesen, um endlich in Ruhe mein neues Programm fertig stellen zu können. Manchmal nahm ich aber die Auszeit wahr, die sich mir bot. Martina, unsere Filzfee hatte sich für uns Zeit genommen, um mit uns diese kleine Tannenbäume zu filzen. Das waren zwei wunderschöne und entspannende Stunden, mit einem Ergebnis, welches mich sehr freute. Diese Bäumchen wollen wir verschenken an liebe Menschen, die uns das ganze Jahr über begleiten.

Die Zeit der Konzentration und des Dranbleibens lohnt sich aber.  Ich habe gute Kontakte mit ReferentInnen, ExpertInnen und UmweltbildnerInnen knüpfen und pflegen können, damit wir auch im nächsten Jahr  wieder ein vielfältiges Programm auflegen können. Es ist immer spannend, sich mit neuen und alten Themen auseinander zusetzen.  Wir haben zum Beispiel eine Veranstaltungsreihe zusammengestellt. Es geht um das große Thema: Landschaft. Ich liebe es, hier zu leben. Die Landschaft, das Klima, die Menschen hier an der Bergstraße tun mir gut. Ich habe  aber noch nie bewusst darüber nachgedacht, warum es mir hier so gut gefällt.  Suche ich die Weite des Rieds? Mag ich die Weinberge an der Bergstraße? Oder sind es die sanften Hügel des Odenwalds? Alles erinnert mich auch ein bisschen an meine Heimat in Franken.  Es lohnt sich, darüber nachzudenken. Wo leben wir? Wie nehmen wir die Landschaft wahr? Eine Exkursion in die Weinberge bei Zwingenberg heißt: Nachdenken über Landschaft.
Außerdem will ich mehr Zeit (stimmt eigentlich gar nicht) für unseren Bauerngarten aufbringen. Wir haben einen Referenten im Team der Permakulturdesigner ist. Er sagt: wenn man sich am Anfang 80 Prozent der Zeit für die Bestandsaufnahme nimmt, dann kann man hinterher 50 Prozent der Zeit sparen, die man sonst im Garten mit gießen, hacken und Schnecken ablesen verbringen würde. Das interessiert uns und deshalb hatten wir Stephan gestern ganz genau zugehört, als er uns seine ersten Planungsgedanken mitteilte. Es wird ab Januar einmal in der Woche mindestens einen lehrreichen Aufenthalt im Garten mit ihm geben. Aber über all das erfahren Sie bald mehr im neuen Programm.
Ansonsten denke ich noch unheimlich gerne an unser schönes Lichterfest. All die vielen Vorbereitungen haben sich gelohnt. Es war so ein schönes Fest und die vielen, vielen BesucherInnen haben es auch so empfunden. Es herrschte eine wunderbare Stimmung. Drinnen wie draußen. Und langsam verwandelte sich das Zentrum wirklich in ein einziges Lichtermeer. Das wäre nicht möglich gewesen ohne die vielen HelferInnen. Welch eine schöne  Erinnerung.

Spaß und Ernst bei den „Klimasiedlern“

Die Klimalotsen trafen sich am letzten Freitag, um zu spielen. Genauer gesagt, sie wollten das Klimasiedlerspiel  (angelehnt an   Siedler von Catan) spielen.  Ich beschreibe es kurz.
Die Kids bilden Familien. Sie suchen sich einen Namen und werden  von einem Spielleiter begleitet.
Ziel ist es, sich ein Haus zu kaufen und es einzurichten. Aber bitte klimafreundlich! Alles  muss man erst einmal erwerben.
Dazu haben meine Praktikanten Moritz, Conrad und Aishu den ganzen Nachmittag im Haus Spielstationen aufgebaut, weil es draußen regnete. Als es im Sommer gespielt wurde, hatte ich nur vom Fenster aus mitbekommen, dass dieses Spiel  die Teilnehmerinnen  faszinierte und sie viel Spaß dabei hatten.
Heute wollte ich mit der Kamera dabei sein. Es bildeten sich zwei Gruppen. Eva und Beate  teilten sich auf.
Zunächst musste man sich erst einmal anstrengen, um Rohstoffkarten zu bekommen.  Zum Beispiel musste ein Spieler mit geschlossenen Augen Hindernisse überwinden, dabei haben ihn die anderen   verantwortungsvoll mit Worten begleitet. Oder ein Stein musste von einem Schuh auf den Schuh des Nächsten transportiert werden, ohne dass er runterfiel. Es war ein munteres Treiben.  Zwischendrin gab es eine Station mit Quizfragen zum Thema Klima. Als im Raum mal so richtig Stimmung war, kündigte Beate einen Wirbelsturm an. Danach ordnete sich einiges wieder.
Ich nahm die Position einer Beobachterin ein und stellte fest, dass eine Gruppe innerhalb kürzester Zeit ein Haus, eine Heizung, einen Kühlschrank und ein Auto kaufen konnte.  Sie hatten dabei nicht aus den Augen verloren, was sie kauften, denn beim Kauf von Konsumgütern entstehen durch die Herstellung auch klimaschädliche Kohlendioxid Punkte. In diesem Fall gibt es Konsequenzen.  1 Punkt ist ein Holzstab. Damit bauen sie einen Turm. Fällt er um, kommt es zu einer Klimakatastrophe von der alle betroffen sind.
Es würde zuweit führen, wenn ich jetzt das ganze Spiel erklären würde…  Mir ist wichtiger, die Entwicklung des Spiels zu beschreiben.
Ich beobachtete also, wie die eine Familie voller Konzentration und Ehrgeiz die Aufgaben erledigte und eine Anschaffung nach der anderen tätigte. Die andere Gruppe war eher „gut“ drauf.  Sie hatten ihren Spaß, kamen aber irgendwie zu nichts.
Die einen bauten sich ein schönes Haus, richteten es ein, und das auch noch nach klimafreundlichen Aspekten, so dass Beate nur so staunte. Die anderen besuchten eine Station nach der anderen, es gab aber keine Punkte, die sie eintauschen konnten. Kein Haus, kein Auto, nix.
Dann  wurde es spannend.  Die fleißige Familie kam nicht umhin auch Negativpunkte zu sammeln. Langsam wurde der Turm höher, dann fiel er um. Ich habe den Augenblick genau miterlebt.
Die fleißigen Familienmitglieder waren zunächst erschrocken, die Spaßfamilie fing an zu lachen. Sie hatten die Situation genau beobachtet.
An dieser Stelle stoppte ich das Spiel und bat alle um eine Zusammenkunft, damit wir besprechen konnten, was gerade passierte. Die Spaßgruppe fragte ich zuerst. „Naja“, sagte Martin (alle Namen geändert), „wir haben halt mehr gelacht“. „Ist doch ein Spiel“. Ein anderer sagte etwas ernsthafter hinterher. „Wir waren irgendwie zu  flapsig,  und haben das nicht so ernst genommen“. Wieder ein anderer aus der Gruppe sagte: „Ha, das ist so ähnlich wie in den USA“.    – Wie in den USA?   –    Aha, sagte ich.  Der Vergleich ist interessesant.
Auf einmal war Stille. Hat es da schon bei einigen  klick gemacht?
Die „Fleißigen“ fragten nach, ob man jetzt weiter spielen könne, sie wollten weiter Punkte sammeln, aber ich sagte, dass mir die Analyse jetzt wichtiger sei.
Im Gespräch wurde langsam klar, dass wir alle auf demselben Planeten wohnen. Es  bringt nichts, wenn der eine seinen Garten schön pflegt und einen Zaun darum macht, der Nachbar aber alles verkommen lässt. Wenn der Müll auf dem Grundstück liegt oder er gar Gift einsetzt, und dabei auch sein eigener schöner Garten Schaden nehmen könnte. Oder wenn ein Land viel für Natur- und Umweltschutz tut, aber das Nachbarland baut weiter auf Kohle und Atomstrom…
Was ist jetzt zu tun? Sich gegenseitig beschuldigen. Die Älteren der Spaßgruppe sagten dann schon, dass das so eigentlich nicht ginge.  „Das sei echt nicht fair“.
Ihr Lachen wurde langsam zu einem Verlegenheitslachen. Wir stellten weiter im Gespräch heraus, dass es auch den „Fleißigen“ nichts nutzen würde, wenn sie die anderen ignorierten und nur ihren eigenen Bedürfnissen nachgehen würden. Die Spaßvögel merkten, dass ihr Spaßfaktor für das Spiel der größte Klimakiller war. Es war ein „Nicht-ernst-nehmen“ der Anderen und der Spielregeln.
Jetzt ging es um eine weitere Übersetzungen dessen, was man aus diesem Spiel wirklich in die Realität übertragen könne. Eine heiße Phase. Da gingen auch anderen verschiedene Lichter auf. Und man kam zu einem Ergebnis. Was nützt es? Weder das Horten von Rohstoffen, noch die Ignoranz der Realität helfen das Klima zu retten. Wir müssen uns zusammen tun. Wir müssen miteinander reden.   Wir brauchen Mitdenker und solche Menschen, die in der Lage sind,  Ungerechtigkeit zu erkennen und die sich für Gerechtigkeit einsetzen, so ihr Tenor. Ich war richtig stolz auf die Kids.
Das Spiel entwickeln wir intern jetzt weiter. Wir werden eine Beobachtergruppe,  vielleicht Wissenschaftler oder neutrale Beobachter,  einbauen. Die schauen dann,  wie sich das Geschehen entwickelt und wenn sie merken, dass sich die Situation in der einen Familie gut entwickelt, dann schicken sie jemanden hin, der sie bestärkt und nachfragt, damit er von ihnen etwas lernen kann. Sie machen aber auch darauf aufmerksam, wenn etwas schiefläuft.
Wir haben `ne Menge gelernt. Erwachsene wie Kinder. Das hörte ich auch in der Schlussrunde heraus. Da gab es niemanden, der nicht irgendwie ausdrückte, dass er heute einiges über das wirkliche Leben gelernt hätte.

„Umweltschulen machen einen tollen Job“

Als der Kultusstaatssekretär Dr. Manuel Lösel diesen Satz auf der Auszeichnungsfeier für Umweltschulen in Hessen aussprach, applaudierte ich ihm.  Dabei wünschte ich mir, dass viele anwesende LehrerInnen diese Aussage bewusst wahrnahmen, denn ich finde es ganz wichtig, dass PädagogInnen für ihre zusätzliche Arbeit im Schulalltag wertgeschätzt werden.  Er fügte in seiner Rede außerdem hinzu, dass „die SchülerInnen dabei anschaulich lernen würden, wie wichtig der Erhalt der Natur als Lebensgrundlage sei.“ Man kann es nicht oft genug erwähnen!!!
Nachdem ich die Umweltschulen, die dem Naturschutzzentrum als Beratungsstelle für Umweltschulen zugeordnet sind, mit den Jahren immer besser kennenlerne, kann ich versichern, dass sich diese ausgezeichneten Schulen wirklich ernsthaft und mit einer großen Motivation auf den Weg gemacht haben. Nicht nur, dass sie mit ihren Schulklassen über zwei Jahre eine Dokumentation zu nachhaltigen Themen erstellen, nein,  ich spüre  besonders bei den Regionaltreffen, die zweimal im Jahr im Naturschutzzentrum stattfinden, dass sich die LehrerInnen besonders über die Vernetzung untereinander und den Austausch miteinander freuen und die Anregungen und Angebote dankbar an- und mitnehmen.
In dieser Zeitperiode der letzten beiden Jahre konnten sich die Lehrkräfte sogar auf ein gemeinsames Projektthema einigen. Sie alle wollten auf dem Schulhof oder in der Nähe ihres Schulgeländes eine „wilde Ecke“ einrichten und beobachten, wie sie sich entwickelt.
Ich war am Tag der Auszeichnung in Frankfurt dabei und konnte zusehen, wie stolz alle waren, an ihrem Stand ihre Projekte vorstellen zu können und sowohl LehrerInnen wie auch SchülerInnen waren gerne bei anderen Infoständen unterwegs, um sich auszutauschen und vielleicht die eine oder andere neue Idee mit nach Hause zu nehmen. Frau Hirschberg von der Grundschule aus Gronau sagte mir zum Beispiel, wie auffällig es sei, dass die Biene dieses Mal  einen großen Stellenwert einnehmen würde.
Ich finde das richtig, denn wir brauchen unsere Bienen, genauso wie alle anderen Insekten und es ist gut, wenn bereits die SchülerInnen lernen, wie wichtig es ist, sich um  den Erhalt der Artenvielfalt zu kümmern.
Dann kam endlich der Moment der Auszeichnung. Jede Schule wurde aufgerufen, man ging auf die Bühne, wurde mit Handschlag begrüßt und gewürdigt, nahm die Urkunde und ein Schild  mit nach Hause und außerdem das gute Gefühl: Ich war dabei. Wir leisten unseren Beitrag.
VertreterInnen fast aller 16 Schulen, die unserem Zentrum zugeordnet sind, waren angereist.
Aus Bensheim sind dies: Kirchbergschule, Märkerwaldschule, Eichendorffschule, Geschwister-Scholl-Schule, Goethe Gymnasium, Liebfrauenschule und das AKG.
Außerdem die Pestalozzischule in Lampertheim, die Goetheschule Lampertheim,  die Grundschule in Beerfurth, die Erich-Kästner Schule in Bürstadt, die Werner-von- Siemens-Schule in Lorsch, die Dr. Kurt Schumacher-Schule in Reinheim, das Schuldorf Bergstraße in Seeheim, die Albertus-Magnus-Schule in Viernheim und die Eleonorenschule in Darmstadt.
Ihnen allen gilt mein herzlichster Dank für ihr Engagement im Bereich Umweltabildung. Bedanken will ich mich auch bei Jan Kirchhein, der die Schulen als Beratungslehrer bestens betreut.

 

Wir lernen, weil wir die Zukunft sind

Heute Morgen bekam ich einen Anruf von einer Tageszeitung aus  Darmstadt. Die Redakteurin fragte nach, wie das Naturschutzzentrum mit den Umweltschulen in Verbindung zu bringen sei.  Sie wolle einen Artikel über die am kommenden Donnerstag in Frankfurt stattfindende Auszeichnungsfeier schreiben.
Es entwickelte sich ein sehr informatives Gespräch. Und es genügte ihr dabei nicht nur zu erfahren, dass wir eine Beratungsstelle für Umweltschulen sind.
Doch das ist nochmal ein eigenes Thema.
Ich hatte mir heute vorgenommen, über einen Pressetermin zu sprechen, den wir letzten Freitag hatten. Seit einiger Zeit wertet uns nämlich ein besonderes Schild im Eingangsbereich auf.
Auf diesem Schild steht zu lesen, dass wir nun ein zertifizierter Bildungsträger sind.
Zur Erklärung. Umweltbildung erfuhr im Rahmen der Weltdekade der Vereinten Nationen (2005-2014) eine große Aufmerksamkeit und Aufwertung und wurde zu einer Bildung für nachhaltige Entwicklung kurz BNE gewandelt.  Seitdem hat sich viel getan. Inzwischen verstehen wir Weltbürger besser, was Nachhaltigkeit bedeutet.
Im Übrigen. Meine Definition für Nachhaltigkeit ist nach wie vor ganz einfach und so erkläre ich sie nicht nur im Naturschutzzentrum Erwachsenen und Kindern.
Genug für alle, für immer.
Im Umweltministerium wurden Qualitätskriterien und ein Zertifizierungssystem erarbeitet, welches gemeinsam von drei Ministerien in Hessen (Umwelt, Kultus und Sozial) vergeben wird.
Mit diesen Qualitätsstandards will das Land einen hohen Anspruch für mehr Nachhaltigkeit in den Bildungseinrichtungen wie Kita oder Schule sicher stellen. U.a. gilt es, diesen  Einrichtungen Hilfestellungen und Tranzparenz bei der Auswahl qualifizierter BildungsPartner und deren Angebote zu geben. Wir mussten also nachweisen, dass wir so ein Partner sein können.  Und – wie man sieht, haben wir die Kritierien erfüllt.
Natürlich sind wir darauf auch alle ein bisschen stolz und deshalb standen wir diesem Pressetermin offen gegenüber. Es traf sich gut, dass in dieser Woche gerade Ferienspiele waren und ich erklärte den Kindern am Morgen den Vorgang. Eine Referentin gab daraufhin den Impuls, ob es nicht gut wäre, wenn die Kinder sich zu diesem besonderen Lernort einmal selbst äußern würden. „Was kann man eurer Meinung nach hier lernen?“, so ihre Frage.
Selbstverständlich wurde registriert, dass wir besonders beim Essen bereits den Gedanken der Nachhaltigkeit berücksichtigen. Nach dem Motto: Regional, saisonal, bio, frisch. Essensmengen für den eigenen Teller werden mit Bedacht gewählt, damit nichts weggeworfen wird. Und deshalb gibt es am Ende der Woche immer „Firlefanz“. D.h. alles, was der Kühlschrank noch so her gibt. Daraus etwas zu Kochen macht allen Spaß und es entstehen neue Kreationen.
Außerdem fahren die großen Kids inzwischen mit den Fahrrädern und die Eltern bilden Fahrgemeinschaften. Dann schauen wir auch global über den Tellerrand. Wir erfahren etwas über Projekte in anderen Ländern, u.a. welche Projekte auch in Entwicklungsländern förderungswürdig sind. Siehe KIVA. Wir haben zurzeit ja eine Praktikantin aus Indien. Aishu erzählt viel aus ihrer Heimat. Da gibt es viele Unterschiede über Lebensstandards.
Wir haben außerdem ein Bewusstsein für den Verbrauch von Wasser geschaffen. Wasser: Ein wertvolles Lebensmittel. Dies alles fließt wie selbstverständlich in unseren Alltag mit den Kindern ein.
Es gab aber auch noch ganz andere Rückmeldungen zum Thema Lernen im NZB.
Ihr Naturschutzzentrum sei nicht nur ein Naturschutzzentrum für Tiere und Pflanzen, sondern auch ein Wohlfühlzentrum für Menschen.
„Man kann da  etwas über sich selbst erfahren“. Z.B. „erfährt man, dass man etwas kann, was man selbst  noch gar nicht gewusst habe, dass das sowas wie ein Talent ist“. Oder: „Man lernt hier, Verantwortung zu übernehmen für sich, für andere und für die Natur“.  Der Umgang mit anderen Menschen ist den Kindern genauso wichtig.  „Man lerne hier, wie wohltuend Stille sei“. Einfach dasitzen, ruhig werden, Nichtstun oder still beobachten.  „Man lerne hier, Konflikte zu lösen“. Dem Anderen richtig zuzuhören, herauszuhören, was wirklich ist.
Sie würden hier auch lernen, dass jeder Einzelne wichtig für die Gemeinschaft sei,  und „dass man zusammen viel mehr erreichen kann“!  Sie würden lernen, wie gut es sei, Danke zu sagen, und seine Wünsche und Bedürfnissen in Relation zu den Anderen zu sehen.

Beim Pressetermin wiederholten einige Kinder mutig vor der Prominenz ihre Ansichten und sowohl Landrat Engelhardt als auch Stadtrat Oyan würdigten die Arbeit des NZB, aber vor allem staunten sie über die Ernsthaftigkeit und Authentizität der jungen Generation.  Ein Kind brachte es auf den Punkt. „Wir sollten mal ein Seminar für Erwachsene machen“. Sie würden den Erwachsenen beibringen, „wie man die Erde rettet, indem man erst einmal uns Kinder ernst nimmt. Indem man uns zuhört und nicht von oben herab auf uns einredet“.
Na, da sollte ich doch mal überlegen, ob ich im neuen Programmheft nicht mal so ein Seminar anbiete. ReferentInnen hätte ich genug.

Neue Gesichter im Team

Moritz

Ich sichte zurzeit Bilder für das neue Programm. Auf diese Art und Weise kann ich mir ganz in Ruhe noch einmal viele Szenen vor Augen führen, die wir in diesem Jahr  bereits erlebt haben.  Auch eine gute Gelegenheit für einen neuen Blogeintrag.

Heute stelle ich Moritz und Conrad vor. Sie verstärken seit September unserTeam.

Conrad

Moritz ist der neue BFDler. Er kommt aus Darmstadt. Conrad wohnt in Bensheim und macht im Moment Praktikum und wird ab Januar die zweite BFD-Stelle von Aishu übernehmen.

Aishu fliegt nach 8 Monaten Aufenthalt in Deutschland im Dezember wieder zurück in ihre Heimat Indien. Aishu freut sich über die Verstärkung.  Sie liebt Menschen und die Drei können locker miteinander in Englisch kommunizieren. Täglich helfen sie ihr aber auch, durch kleine „Sprachkurse“, ihr Deutsch zu verbessern, wobei Aishu eifrig dabei ist, Moritz und Conrad ebenfalls Worte aus ihrer Heimatsprache zu vermitteln.

In der letzten Woche sollten sie zusammen Kuchen backen. Ich will sie mit unserer Küchenmaschine,  dem Thermomix, vertraut machen.  Sie haben gute Arbeit geleistet. Außer einem Apfelkuchen haben sie auch einen Zwiebelkuchen gebacken.

Den Zwiebelkuchen bekamen am Nachmittag die Helfer bei der Weinlese. Wir hatten in diesem Jahr eine besonders gute Ernte.

Unser Rotwein (Regent) brachte es auf 90 Grad Öchsle. Der Johanniter hat einen Gehalt von 83 Grad. Das ist spitze. Auch von der Menge her lohnte es sich. Der Rotwein liegt noch auf der Maische und wird auch in diesem Jahr von meinem Schwager, dem Winzer aus Franken, ausgebaut.
Für Aishu war das wieder Neuland. Einen Weinberg gibt es in Indien natürlich auch. Er wächst aber in den Bergen. Sie wohnt aber im Tal und hat noch nie eine Weinernte erlebt. Deshalb hatte sie besonderen Spaß.

Heute sind sie bereits den ganzen Tag mit dem Streichen unserer Holztische und Hocker beschäftigt. Sie nutzen das schöne Wetter und bereiten sich auf den Freitag vor. Da erwarten wir ein Unternehmen mit 70 Personen. Sie nutzen die Räume für eine Art Messe und wir dürfen sie mit Köstlichkeiten der Herbstküche verwöhnen. Hoffentlich hält das Wetter und sie können ihren Imbiss  im Freien und bei herrlichem Sonnenschein einnehmen.

Ferienspiele – Freiräume für Kinderträume

Heute gab es wieder eine Anmeldung zu den Ferienspielen. Für mich war das eine Gelegenheit, um mir die Teilnehmerlisten für den Herbst mal etwas genauer anzusehen. Es entstand eine gewisse Neugier und Vorfreude. Viele Namen sind mir bereits vertraut. Aber es gibt auch Namen von Kindern, zu denen ich noch kein Gesicht habe und das macht es ebenso spannend.

Es tauchen Bilder aus den Sommerferien vor meinem geistigen Auge auf…
Ich betrachte die große Gemeinschaft inzwischen als „temporäre Großfamilie“. Da stehen am Morgen Schuhe nebeneinander, die von einer Größe für Zwerge bis Riesen reichen. Da schauen die Großen liebevoll nach den Kleinen und die Kleinen himmeln ihre Vorbilder an, als wären sie eine Fernsehgröße – nur viel besser. Eine Mutter fragte mich: „Ist Anton als Betreuer wieder dabei? Ben freut sich schon so.“ „Nein“, sagte ich. „Kein Anton, aber wie wäre es mit Jan, Lukas oder Nina?“
Einen Großteil meiner „alte Hasen“, wie ich sie manchmal liebevoll nenne, kenne ich schon seit sie 6 Jahre alt sind. Inzwischen sind sie 13, einen Kopf größer als ich und haben immer noch nicht genug. Eltern fragen mich manchmal: „Wie lange darf mein Kind noch kommen?“ Ich sage dann: „So lange es möchte und sich bei uns wohlfühlt.“

Und zum Wohlfühlen gibt es viele gute Gelegenheiten. Einen ganzen langen Tag – und wenn es dann Zeit ist, sich zu verabschieden, dann höre ich immer wieder: „Waaaas? Ist schon wieder Abholzeit?“
Es gibt eben viel zu entdecken. Sehr beliebt sind die Exkursionen zum nahegelegenen Kieswerk. In Absprache mit Herrn Rohr dürfen wir einen abgelegenen Sandberg erstürmen und auch nach Fossilien auf dem Steinhaufen suchen.

Aber es gibt auch „Arbeit“ für die Kids. Immerhin müssen sie ihr Mittagessen selbst mitzubereiten helfen. Doch wir haben keine Probleme. Es gibt immer genügend kleine Küchenchefs, die uns unterstützen. Beim Pizzabacken gibt es regelrechten „Andrang“.

Obwohl sich viel draußen abspielt, der Werkraum ist trotzdem  ständig besetzt und Beate, Nina und Aishu hatten alle Hände voll zu tun, die Kinder bei ihrem Tatendrang zur Seite zu stehen. In einer Woche wurden besonders viele Boote gebaut. Zwei Jungs fingen damit an und hatten für nichts anderes mehr Zeit. Als es auch noch  auf dem See schwamm, fanden wir anschließend kaum mehr Material für weitere Kapitäne.
Überhaupt war es der Wunsch der Kinder viel Zeit nahe am Wasser zu verbringen. Gerade wenn es heiß war. Und ich bin froh, dass ich zufällig einmal eine stille Beobachterin sein konnte, als sich eine Gruppe achtsam und leise am Teich aufhielt, um Frösche und andere Lebewesen zu beobachten.  Manchmal verlieren sie sich so in ihrem Tun, dass sie nicht merken, was um sie herum passiert. Am liebsten sehe ich sie  barfuß unterwegs.
Aishu unsere Inderin hatte eine besondere Beziehung zum See entwickelt. Sie sagte: „bei uns in Indien können wir nicht einfach so  ins Wasser“. Die Kinder spürten das und nahmen sie immer wiedermit ans Wasser und  beobachteten sie in ihrer fast kindliche Freude.
Aishu liebt Kinder und erzählte ihnen viel von ihrem Land, ihrer Sprache und Kultur. Einmal zeigte sie allen Eltern und Kindern einen Film aus ihrer Heimat.  Ein anderes Mal tanzte sie mit ihnen einen indischen Tanz. Aber ich glaube ein besonderer Höhepunkt war ihre Aktion, zusammen mit den Kids, ein Blumenmandala zu legen.

Unser Anspruch ist es, den Kindern möglichst viel Freiraum für eigene Interessen zu geben.
Sie sollen Spaß haben, und  Tun und Lassen, wonach das Herz begehrt.

Auch mal traurig sein dürfen.  Gerade als unsere Fledermaus Lisa sich von ihrem Erdendasein verabschiedete, betrauerten die Kinder dies sehr. Sie gruben an einer schönen Stelle ein Loch in die Erde und es gab einen langen Trauerzug, als sie sie zu Grabe trugen. Ich musste eine Rede halten, es kullerten kleine Tränchen und dann wurde das Grab schön geschmückt. Kinder sind in diesem Alter mit allem noch viel mehr verbunden und es hat uns sehr bewegt.
Zu einer Gemeinschaft zusammen zu wachsen, dieser Anspruch liegt uns ganz besonders am Herzen. Jeder sollte schon nach wenigen Tagen die Namen aller kennen. Dies zu erreichen fördern auch die täglichen Spiel- und Sportangebote. Der Hit dieser Saison: Völkerball.  Täglich um Drei. Anschließend trafen wir uns am Feuer. Dort reflektierten wir den Tag und manchmal gab es auch Probleme zu besprechen. An einen Konflikt zwischen zwei Geschwistern erinnere ich mich noch genau. Es hat an einem Tag gleich zweimal so richtig zwischen den beiden Geschwisterkindern gekracht. Es gab auch Tränen. Ich fragte die Gruppe: „Sollen wir mal den (Konflikt)Ball aufrollen bis an den Anfang? Das Ritual kennen sie ebenfalls. Es lohnt sich nämlich von Beiden  die eigene Sichtweise der Geschichte zu hören.  Es ging hin und her. Und auch die Kinder, als nicht unmittelbar Beteiligte,  waren bemüht, herauszufinden, was wirklich hinter ihrem Streit steckte. Irgendwann waren alle Worte ausgetauscht, die Stimmung aber immernoch gedrückt und ich wagte ein Experiment. Ich wandte mich an den älteren Bruder: „Ok. Ich frage dich jetzt. Liebst du deinen Bruder?“ Er reagierte unsicher und sagte dann kleinlaut: „Ja“. Ich weiter:“Was magst du an ihm? Sag es uns?“ Und er gab eine  plausibe Antwort. Dann stellte ich dem kleineren Bruder dieselben Fragen. Auch er antwortete mit „Ja“. „Gut“, sagte ich dann, „dann ist ja alles prima. Und jetzt geht aufeinander zu“.  Sie gingen langsam aufeinander zu, blieben voreinander stehen, dann nahmen sie sich in den Arm.  Alle klatschten.  Auf der anderen Seite  der Feuerstelle fing ein Junge an zu lachen. „Das ist ja toll. Wie bei einer Hochzeit“. Wie recht er doch hatte. Die lieben und streiten sich ja auch. Und das ist auch gut so.

Apfelglück

Apfelglück. Welch passender Veranstaltungsname für ein besonders schönes Fest Ende August. Erst dachte ich mir: „was hat uns wohl dazu bewegt zu so früher Zeit im Jahr ein Apfelfest zu legen“? „Gibt es überhaupt bereits reife Äpfel“? Erst einmal war Schulterzucken angesagt.  Wir waren uns sicher, dass unsere wenigen Bäume auf der Wiese am neuen See nicht genügend Äpfel hergeben würden, um eine Kelter zu füllen. Die Streuobstwiesenretter waren ebenfalls ratlos. Auch für sie wird es in diesem Jahr eine magere Ausbeute werden, so Florian Schuhmacher.  Wir gaben nicht auf. Tief im Odenwald wurden wir fündig. Gerhard holte am Samstag ein paar Säcke Fallobst von einer Kelterei und nutzte gleich die Gelegenheit seine Tour zu erweitern, um die bestellten Apfelbratwürste im Lautertal beim Metzger abzuholen. Gleich vorneweg. Die Apfelbratwurst war der Hammer. Saftig und sehr geschmackvoll, das hörten wir immer wieder von den Gästen.
Auch das Wetter spielte mit. Angenehme Temperaturen herrschten, als sich eine Gruppe großer und kleiner Apfelfreunde auf einem Wiesenstück vor dem Haus trafen. Dort hatte Marco ein Loch ausgehoben, in das unser Apfelbäumchen gepflanzt wurde. Wir bekamen es, einen „Hartapfel“ vom hessischenPomologenverein geschenkt. Es ist die Lokalsorte des Jahres 2017. Vielen Dank dafür. Wir werden diesen Baum besonders im Auge haben.

Anschließend startete eine weitere Gruppe, anführt von Annette Modl, die sowohl Erwachsene wie Kinder achtsam an das Leben auf der Streuobstwiese heranführte. Erst wurde natürlich mit dem Apfelpflücker hantiert. Die Kinder ließen es sich nicht nehmen, reife Äpfel frisch vom Baum zu pflücken. Der verlängerte Arm half ihnen, ihre Körbe zu füllen.
Annette bekam aber auch viele Becherlupen mit kleinen Insekten vor die Nase gehalten. „Was ist denn das?“ – die damit verbundene Frage. Annette war  geduldig und beantwortete jede Frage. Beziehungsweise, es gelang ihr, mit einer weiteren kindgerechten Frage, die Kinder langsam selbst an die Antwort heranzuführen.
Die Körbe und der Schubkarren füllten sich schnell. Die Kinder wären gerne noch länger geblieben. Es war so spannend und erlebnisreich, diese kleine Exkursion.
Doch es warteten noch weitere Höhepunkte.

Auf dem Gelände empfing sie Stefan mit seiner Frau. Er hatte die Kelter bereit gestellt und die Kinder fingen an, die Äpfel zu waschen und zu schneiden. Dann wanderte alles in den Häcksler und danach in die Presse. Ein eifriges Treiben und Gewusel –  und was für eine Freude, als der erste Saft floß. Ich hatte den Eindruck, dass genau dieser Prozess, dass alles so in dieser Reihenfolge passierte: Baum pflanzen, Streuobstwiese als Lebensraum kennenlernen, Äpfel pflücken und dann Verarbeiten, genau diese Begeisterung auslöste.
Wer noch nicht genug hatte, der konnte dann an den einzelnen themenbezogenen Workshops weiter seine Kreativität ausleben. „Apfel-auf-Brett-nageln“, Apfel tonen, Apfel filzen, ein Apfel als Nagellack auf den kleinen Fingern (besonders beliebt) und sich kreativ bemalen lassen… Wir haben den Nachmittag ausklingen lassen, nicht wie beabsichtigt nach angekündigter Zeit, nein, wir genossen selbst diese entspannte Atmosphäre und waren uns hinterher einig, dass dies ein besonders schönes Fest gewesen war. Möglich wurde dies, durch die sehr engagierten MitarbeiterInnen und freiwilligen Helfer, den Streuobstwiesenrettern oder den Gewerbetreibenden aus Litzelbach, Familie Gehrig, die viele Produkte von der Streuobstwiese leidenschaftlich präsentierten. Das muss einfach schmecken, weil es mit Liebe verarbeitet und dargeboten wurde.
Zuspruch fand auch Stefan Konzack, der mit seiner Frau einen sehr interessanten Stand aufbaute und dabei seine Herzensangelegenheit, „Permakultur“vorstellte. Beide sind fasziniert von der Wirkung der Permakultur. Mir gefällt sein Projekt und wir werden in Zukunft noch enger zusammen arbeiten. Er wird im nächsten Jahr Vorträge halten und auch praktisch mit uns zusammenarbeiten. Unter anderem können wir lernen, wie man mit einer Sense oder Sichel mäht. Fühlen Sie sich angesprochen? Ich schon.

Du wirst deinen Platz finden!

Das ist Hussein. Hussein kommt aus Kolumbien. Er mag die deutsche Kultur und wollte deshalb Land und Leute und natürlich die deutsche Sprache vor Ort kennenlernen.
Gerne würde er hier auch die Universität besuchen und studieren.  Zunächst war er als BfDler in Heidelberg, wechselte aber im Frühjahr die Einsatzstelle  und kam zu uns nach Bensheim. Sein Wunsch.  Er wollte mehr in der Natur sein und sich kreativ betätigen.  Heute habe ich ihn gebeten, sich vor sein künstlerisches Werk zu stellen, damit ich ihn zum Abschied fotografieren konnte. Es war seine Idee, unsere „Camera Obscura“ optisch mit seinen Zeichnungen  aufzuwerten und in den Mittelpunkt zu rücken. Es ist ihm sehr gelungen und wird uns immer an ihn erinnern.

Leider musste Hussein frühzeitig seinen Dienst beenden. Seine Deutschkenntnisse reichen noch nicht für ein Studium.
Seine Chance –  Eine Ausbildung.  Aber auch das ist nicht so einfach. Wenn er Pech hat, dann läuft im Herbst sein Visum aus.  Wir würden ihm aber soooo gerne helfen, damit er hier seinen Traum weiter leben kann.

Hussein und Aishu, unsere beiden Bfdler lehren und lehrten uns eindrucksvoll, wie wichtig es ist, über den heimischenTellerrand zu blicken. Wir sind eine Weltgemeinschaft und täten gut daran, noch viel mehr nach dem Anderen zu schauen und uns  in den Menschen und seine Kultur einzufühlen. Welche Werte leben sie? Welche Zukunftschancen haben sie? Welche Berührungspunkte gibt es zwischen uns?
In den vergangenen Wochen und Monaten habe ich  auf jeden Fall gelernt, wie gut mein Leben hier in Deutschland ist. Wir leben in einer unbeschreiblichen Fülle.  Und vor allem in Freiheit.  Wissen wir das auch zu schätzen? Mit manchem Vorurteil musste ich aufräumen und ich erkenne wieder einmal, wie wichtig es ist, miteinander zu kommunizieren.  Mit und ohne Worte. Die Sprache des Herzen können wir am besten.
Wir alle sind wirklich traurig, dass du uns so schnell wieder verlassen musstest. Wir wünschen dir für deine Zukunft alles Gute. Mögen sich deine Wünsche erfüllen. Mögest du auch in Zukunft immer einen Platz  finden, an dem du gerne leben möchtest. Gib nicht auf!

„Unsere“ Aishu auf dem Bensheimer Bürgerfest

Heute zog es mich auf das Bürgerfest in Bensheim. Meine erste Frage an einen Bensheimer Bürger war: „Entschuldigen Sie bitte, ich suche das Storchennest?“ Gerhard hatte schon heute morgen gefragt: „Wo soll denn das Storchennest sein? Wo ein Storch brütet, kann ich dir sagen“. Typisch Gerhard. Wir fanden den Platz in der Fußgängerzone, dort herrschte schon großer Trubel. Eine Bühne war aufgebaut und ich war begeistert von dem bunten Treiben, nicht nur der Farben der Kleider, es war ein internationaler Treff.  Es gab so viele Stände mit Essen aus allen Kulturen. Ich traf nur auf nette Bensheimer oder „Bensheimer auf Zeit“ aus Indien, Afghanistan, aus Ungarn, der Türkei, Italien…, ein buntes Völkchen war zusammengekommen und bot nationale Köstlichkeiten an – Freundschaft geht schließlich auch durch den Magen.
Mein Blick schweifte gezielt umher. Ich suchte nach Aiswarya, meiner BFDlerin. Sie hatte mich eingeladen, sie bei ihrem Auftritt zu besuchen. Aishu, so dürfen wir sie auch nennen, kommt aus Indien und ist über die Karl-Kübel-Stiftung  „Weltwärts“ (Süd Nord Freiwillige) an uns vermittelt worden. (Auf dem Bild ist sie die junge Frau im grünen Sari). Ihre Betreuerin Frau Sames war selbst in Indien und hat dort die vier jungen Menschen kennen gelernt, die nun für acht Monate ihre Erfahrungen in Deutschland machen dürfen.
Es war schön für mich zu sehen, wie sie da oben auf der Bühne standen und tanzten und sangen. Eine Begeisterung war zu spüren, wie ich sie selten erlebt habe. Ganz viel Emotion davon kam bei mir an. Aishu macht auch gute Fortschritte in der deutschen Sprache. Langsam erfahren wir im Gespräch, z.B. beim Mittagessen, was alles neu für sie ist und welche Erfahrungen sie bereits mit unterschiedlichen Sitten und Gebräuchen gemacht hat. Ich glaube, das wird für uns alle eine wunderbare Zeit des Staunens und Lernens sein. Ich bin froh, dass sie bei uns ist. Ihr Lachen und ihre Herzlichkeit sind sehr ansteckend.

Sind wir noch zu retten?

Es kommt nicht oft vor, dass das NZB  die breite Öffentlichkeit zu Gast hat und ich die Gelegenheit bekomme, selbst etwas von den Programmangeboten mitzuerleben.
Seit drei Jahren  findet der Klimaschutztag bei uns im NZB statt. Wir stellen die Location und versorgen die Menschen mit Getränken und Kuchen und mit einem attraktiven Programm für Kinder. Um die anderen Inhalte kümmern sich  Mitarbeiter der Stadt Bensheim, die qualifizierte Vortragsredner und Energie- und Klimaspezialisten aus verschiedenen Unternehmen der Region für diese Veranstaltung gewinnen konnten.
Ich durfte zuhören und selbst etwas lernen.
Gleich der erste Vortragsredner beeindruckte mich. Daniel Bannasch, von Metropol-Solar  Rhein Neckar (Netzwerk für erneuerbare Energien).  Schon allein seine Ankündigung: „Ich erkläre Ihnen die Energiewende auf dem Format eines Bierdeckels“, machte mich neugierig. Kann er  wirklich eine Antwort auf die Frage geben: „Ist es zu schaffen, die vollständige Ablösung der atomarfossilien Energieversorgung durch Energieeffizienz, Energieeinsparung und den Ausbau der Nutzung aller erneuerbaren Energien zu erreichen“?
(Ich beschließe in diesem Blog nur am Rande auf konkrete Inhalte einzugehen, die kann man überall nachlesen. Es gab vor und nach der Veranstaltung genügend interessante Berichterstattungen darüber).
Für mich ist Daniel Bannasch ein Mann, der sich mit ganzer Energie, sozusagen mit Passion, seit Jahren der Problematik stellt und mit seinem Team  an nachvollziehbaren Lösungsansätzen arbeitet, die er dann zu diversen Veranstaltungen oder über Medien weitergibt. Ich kann seine Gedanken und Argumente gut nachvollziehen.  Er  bietet sein Wissen und seine Erkenntnisse an, aber nicht als Verkäufer, sondern als Überzeuger. Neben mir saß Gerhard und er sagte am Ende: Respekt, das war wirklich ein großartiger Vortrag.  Am Ende war auch jedem sein Motto klar: Sonne für Alle  – 2030.

Den zweiten Referent kannte ich bereits. Klaus Wiegandt. Ich war vor Jahren bereits einmal Zuhörerin bei einem seiner Vorträge. Durch ihn kenne ich für mich die beste Definition für Nachhaltigkeit: Genug für Alle, für immer.

Am Sonntag klang sein Bericht jedoch ziemlich bedrohlich auf mich. Ich bekam bei seinen Ausführungen regelrecht Beklemmungen. Ähnlich ging es wohl auch zwei jungen Mädchen, die neben mir saßen. Er redete über ihre Zukunft.
Es ist ja nicht so, dass die Menschen den Klimawandel, so wie Trump, einfach leugnen, im Gegenteil: 62% der Europäer erkennen an, dass der Klimawandel zum zweitgrößten Problem der Menschheit geworden ist. Aber ändert sich was? Im Gegenteil. Es zeige sich ein Bild der Sorglosigkeit. Billige Fluglinien, überdimensionierte Geländewagen (vor allem von Frauen gewünscht)…
Die Werbemacher greifen um sich. Damit die Verbraucher nicht auf dumme Gedanken kommen und vielleicht doch mal ihren Verstand einsetzen, setzen diese Werbestrategen auf subtile und schillernde Werbespots, um den Verbraucher zu verführen, über seine Verhältnisse zu leben. Sie geben unvorstellbare Summen aus, um dem Konsumenten etwas anzudrehen, was  er eigentlich gar nicht braucht.            Da könnte ich ausflippen.
Die wirkliche Bedrohung sei aber eine ganz Andere. Man müsse sich große Sorgen um die globale Landwirtschaft machen. Die Folgen durch die Aufladung der Atmosphäre sei verheerend.
Höhere Niederschläge auf der einen Seite – Dürre auf der anderen Seite. Das habe  unmittelbare Folgen für unsere Nahrungsmittel. Und es wird einen Kampf ums Wasser geben. Und das alles bis Mitte dieses Jahrhunderts.
Ich richtete nach seinem Bericht eine Frage an ihn.  Ich wollte wissen ihn, ob er den jungen Menschen neben mir konkret und mit einfachen Worten doch noch etwas Mut machen könne. Was können sie tun? Rebellieren?  Demonstrieren? In die Politik einsteigen? Das richtige Studium wählen? Er tat sich schwer, sich mit einer direkten Botschaft an die Mädels zu wenden. Auch er redete über ihre Köpfe hinweg.  Aber ich will ihn auf keinen Fall kritisieren. Er ist seit Jahren sehr erfolgreich mit seiner Vision: Mut zur Nachhaltigkeit.
Auf den dritten Redner wurde ich durch ein Interview  im  BA aufmerksam. Das was Herr Rademacher (ich lasse mal alle Dr. und Prof. Titel weg) da von sich gab, ließ mich aufhorchen.  Ihm wollte ich auf jeden Fall zuhören. Es ging  zwar wieder um die gleiche Problematik, das war mir klar, aber hatte er neuere und bessere Lösungsansätze?
Auf jeden Fall müsse man es schaffen, dass  sich alle Bürger  mit diesem Thema  auseinandersetzen. Am liebsten freiwillig, weil verstanden, warum.  Ich setze mich nur für etwas ein, was mir wichtig erscheint. Er hat ja Recht, wenn er sagt, dass die Zivilgesellschaft mobilisiert werden muss, die dann gehörig Druck auf die Politik ausüben kann. Einer seiner  konkreten Vorschläge. Man solle auf der ganzen Welt einen Tag zum Klimaschutztag machen. Man müsste es schaffen, Millionen von Menschen zu bewegen, sich für den Umweltschutz einzusetzen. Und dann müsste man Politiker wählen, die Maßnahmen in ihrem Programm aufgenommen haben.  Sozusagen Druck von der Straße.
Sein Appell: Wir müssen unser Privileg, in einer Demokratie zu leben, nutzen. „Geht in die Sprechstunden eurer lokalen Politiker“. An Studenten gerichtet: „Werdet politisch, vertretet eure Standpunkte,  tretet in eine Partei ein“. Wie mobilisiere ich aber die Menschen? Dazu müssten Verantwortliche Netzwerke aufbauen. Diese müssten  wiederum Aktivisten ausbilden und sie aussenden, um die Botschaft zu vermitteln. Wie ein Löwenzahnsamen, der vom Wind in alle Richtungen geweht wird und neue Saat hervorbringt.
Irgendwie hatte er aber auch eine Vorstellung, die ich nicht für richtig hielt. Seine Meinung, wir müssten mehr finanzielle Unterstützung  in Ländern leisten, die benachteiligt sind.
Da halte ich es schon eher wie Maria Montessori, die sagt: Hilf mir es selbst zu tun. Das merkte auch Herr Bannasch mit seinem Veto an. Er brachte für mich ein gutes Beispiel wie es funktionieren könnte. Nicht einfach Geld rüberschieben und dabei noch sein Gewissen beruhigen, sondern Hilfe zur Selbsthilfe, wie es das Projekt KIVA eindrucksvoll zeige. Hier werden Kleinkredite an Kleinunternehmer vergeben, die diese wieder zurückzahlen. Ich glaube, 95% der Kredite werden zurückgezahlt.
Unsere Klimalotsen hatten bei ihrem letzten Treffen  einen ortsansässigen Unternehmer glaubwürdig überzeugt, warum es gut sei, sich im Team Klimalotsen für das Projekt Kiva einzusetzen. Man hilft anderen und verliert trotzdem nichts. Im Gegenteil. Alle gewinnen.
Den größten Hoffnungsschimmer brachten am Ende dann doch noch Kinder auf der Bühne. Es waren drei junge Botschafter von „Plant for the Planet. Eindrucksvoll und überzeugend zeigten sie dem Publikum auf, wie man die Erde noch  retten könnte. Es ginge  schon lange nicht mehr um  die Rettung des Eisbärs, der seine Lebensgrundlage verliere, inzwischen geht es um den Menschen, der gerettet werden müsse.
Die Organisatoren um Felix Finkbeiner haben inzwischen neben  dem Verkauf von fairer Schokolade auch ein Buch herausgegeben:  Baum für Baum. Ein Untertitel: Jetzt retten wir Kinder die Welt. Es solle ein Mutmachbuch sein. Sie pflanzen Bäume. Weltweit. Denn Reden allein stoppe das Schmelzen der Gletscher nicht.  Stop talking. Start planting.  Eine hoffnungsvolle Mission.
Wer mehr wissen will: www.plant-for-the-planet.org

Vogel FREI

Ein kleiner Ausflug hinaus in die Natur rund um das NZB.
Ich habe in den letzten Tagen Gelegenheit gehabt, so manches junges Tierkind aus der Nähe zu beobachten. Ich liebe Kinder! Natürlich auch Tierkinder.
Am Abend, wenn die untergehende Sonne das Gelände oftmals in goldenes Licht taucht, bin ich besonders gerne unterwegs, um mit der Kamera festzuhalten, was auf mich wie ein Wunder der Natur wirkt.

Das war auch gestern Abend so. Gerhard hatte es gewagt, den „JungStars“ ins Nest zu schauen. Ihre Schnäbel sind ja ziemlich auffällig. Die Stareneltern hatten einen Nistkasten für sich und ihre Familie präpariert, d.h. das Loch vergrößert und so bleibt es schon seit vielen Jahren ihr Revier. Wenn sie dann mal ausgeflogen sind, dann kann man auch ihr wunderschönes Gefieder bewundern, vor allem, wenn die Sonne etwas von ihrem Glanz abgibt.

Hussein, unser BfDler hat in dieser Woche auch ein Nest entdeckt. Fast hätte er es bei Arbeiten auf dem Außengelände zerstört. Es fühlte sich etwas plötzlich ganz weich in seinen Händen an, keine Brennnessel, er hatte ein Nest in der Hand. Darin lagen kleine „Etwas“.  Sie rührten sich kaum. Wir reparierten das Nest gemeinsam, ein junger Vogel flatterte schon aus dem Nest. Behutsam setzten wir ihn wieder zu den anderen, in der Hoffnung, dass die Eltern uns diese Unachtsamkeit nicht übel nehmen. Sofort stellte er seine Arbeit an dieser Stelle ein und weil es ihm wichtig war, zu erfahren, ob die Eltern weiter füttern würden, beobachtete er aus der Ferne das Szenario. Die Eltern kamen zurück, die Vögel entwickelten sich noch zwei Tage lang, dann verließen sie ihr Nest. Es waren kleine Zilpzalps.
Ein weiteres Nest hatte Gerhard beim Entfernen der Brombeeren am kleinen Froschteich entdeckt. Plötzlich flog eine Ente auf, die auf ihren Eiern brütete. Auf dem Bild kann man erkennen, dass die Stockente sich wirklich gut getarnt ist.

Natürlich ist es im Moment auch besonders interessant am Teich. Libellen tanzen über dem Wasser und die Frösche blasen ihre Backen auf und quaken, was das Zeug hält. Ohrenbetäubend. Schön.
Will man sich ihnen nähern, dann macht es einfach blubb. Weg sind sie.
Gestern war auch Stefan Schäfer da. Unser Vogelexperte. Er hatte einen kleinen Klappstuhl dabei. Bei unserer Begegnung fragte er mich, ob ich schon Kanadagänse mit ihren Jungen gesehen hätte. Das konnte ich mit Ja beantworten, denn das Schauspiel der Gänsefamilien beobachten wir nun  ebenfalls seit Tagen.
Mein Highlight der Woche erlebte ich auch gestern und durch das Ereignis kam ichüberhaupt erst auf die Idee, einen kleinen Blogbericht zu schreiben.
Eine Frau mit Hund und Pferd klingelte an der Tür. Sie hätte einen Greifvogel unter dem Strommasten gesehen. Er hätte richtig fertig ausgesehen und sie konnten richtig nahe an ihn heran. Da klingelte es bei mir. Das hatten wir schon einmal. Ich dachte gleich, dass das ein junger Wanderfalke sein könnte, der gerade zu seinem ersten Rundflug gestartet war und vielleicht keine Kraft mehr hatte und deshalb ausruhen musste.
Stefan und ich schauten später gemeinsam nach dem Falken. Er war nicht mehr zu sehen. Wir suchten das Gras ab. Da entdeckten wir ihn. Auf einem Erdhügel. Wir blieben lange ohne Worte und beobachteten ihn. Stefan sagte leise: „Das sieht man nicht oft“.
Am Abend schauten Gerhard und ich noch einmal nach ihm. Ob er sicher ist vor dem Fuchs? In dem Moment erhob er sich zum Flug und landete oben auf dem Falkenkasten. Wenig später drehte er mit einem seiner Geschwister (er hat noch drei) eine Runde im rot leuchtenden Abendhimmel. Das war an Stimmung kaum mehr zu überbieten. VogelFREI. Das Wort kam mir spontan in den Sinn.

Repair Kids – ein voller Erfolg

Zuerst kamen die Experten. Voll bepackt mit Kisten, Koffern und anderen Utensilien. Ein freundlicher Gruß und dann begann jede/r konzentriert seine Station aufzubauen.
Ich war so gespannt wie der Nachmittag, organisiert durch das Repair Cafe Bergstraße, ablaufen würde.

Wie würden die Kids reagieren. Wird überhaupt jemand kommen? Wie stehen Jugendliche heute dem Thema Technik und  Handwerk gegenüber? Hat überhaupt noch jemand Interesse daran, einen funktionsuntüchtigen Gegenstand reparieren zu lassen?
Die ersten Neugierigen kamen. Ein Papa mit seinen beiden Kindern, eine Oma mit ihrem Enkel, die ganze Großfamilie…
Die Kids meldeten sich an und bekamen ein Namensschild. Dann wurden sie von einer Betreuerin zu den einzelnen Stationen geführt und es wurde kurz erklärt, was man dort machen kann.

Ich genoß aus der Distanz das Treiben. Mein Blick fiel auf Frau Götz. Ihr Werkzeug  und Hingucker war ihre Nähmaschine. Sie war umgeben von Schubladen mit wahren Schätzen. Ich liebe solche Kästchen: bunt, glitzernd, Knöpfe, Stoffe,  Fundstücke und Raritäten. Sie  hatte jede Menge Ideen und war selbst gespannt, für was sich die Kids entscheiden würden. Mein Favorit: Eine  coole Handytasche aus alten Jeans.

Am Tisch nebenan das volle Kontrastprogramm. Ich kann die technische Dinge überhaupt nicht benennen. Erkannt hatte ich alte Lautsprecherboxen, so wie man sie früher im Auto hatte.
Hier traf ich auf Laurenz, der mit seiner Oma kam.  Er lauschte den Ausführungen des Experten und ich war gespannt, ob  der Funke überspringen würde.
Selbst neugierig geworden, richtete ich meine Fragen an ihn. Was wird hier gemacht? Ist doch logisch. Hier wird ein ehemaliger Lautsprecher aus dem Auto in ein Radio umfunktioniert. Dazu mussten Bauteile zusammengesucht und verlötet werden. Faszination pur für mich, als am Ende Musik aus der alten Box kam. Da strahlte nicht nur die Oma. Hatte sie es doch gewusst. „Ich wollte ihn mal wegholen vom Spielen an der Konsole, ich wollte ihn mal für etwas anderes begeistern“. Ich wollte mit ihm raus gehen. Er ist ein Stubenhocker. Es ist ihr gelungen, auch wenn es ihrem Enkel etwas peinlich war, wie sie über ihn sprach.

Nächste Station: Ein Computer. Rechner, Bildschirm, Lüfter, Festplatte… Hier wurde den Kindern erklärt, wie ein Computer funktioniert. Auf einem Tisch lagen Teile, die sonst als Innenleben in einem Rechner verschwinden. Die Kids waren aufmerksam dabei. Als er die Festplatte auseinander baute und man die CDs sah, wie klein sie waren, da war nicht nur ich erst einmal baff.  Auf so kleine Scheiben passen all die vielen Daten?!? Als ich sagte: „Das ist ja ein Wunder, wer denkt sich denn so etwas aus.“ Da schaute der Fachmann hoch und sagte fast andächtig: „Ja, Sie  haben Recht. Auch für mich ist das ein Wunderwerk der Technik. Ich bin selbst fasziniert.“

Bei meinem Rundgang treffe ich auf einen Ingenieur. Er strahlte übers ganze Gesicht, und außerdem eine unglaubliche Ruhe aus. Zum einen freute er sich über die große Resonanz und zum anderen war er voll in seinem
Element. Er hatte sich noch Unterstützung aus der Familie mitgebracht, denn an den Tischen war absolute Präzision gefragt. Die Kids bekamen einen Elektronikbausatz „3-Kanal 18-LED-Wechselblinker“. Ich habe  gerade neben mir die Bauanleitung liegen und verstehe  auch nach genauem Studieren wirklich nur Bahnhof.
Am Ende hatten die Kids ein leuchtendes Herz zusammen gelötet. Auch ihn durfte ich
ein bisschen ausfragen.
Irgendwie interessiert mich, wie es dazu kommt, dass man sich für Technik interessiert. Er sagte lachend: „Das weiß ich ziemlich genau. Seit ich 6 Jahre alt bin. Meine Eltern hatten sich einen Lötkolben angeschafft. Und Sie werden es nicht glauben, aber das erste Wort, dass ich lesen und schreiben konnte war das Wort: Heimlöter.“

Nebenan ist es genauso spannend. Dort agiert Herr Peter. Er hat einen besonderen Auftrag. Er wird  versuchen, funktionsuntüchtige  elektronische Geräte von Kindern zu reparieren. Noah ist enttäuscht. Sein Amphibienfahrzeug hat einen Totalschaden, aber die zwei Walki-Talkis von Luka kann er retten. Da strahlt aber jemand.
Inzwischen ist richtig viel Leben im Haus. Und eine Szene finde ich besonders interessant. Da unterhalten sich im Hintergrund  lautstark die Erwachsenen und vor ihnen am Tisch  sitzen ihre Kids und man hört kein Wort. Sie unterstützen sich gegenseitig. Ab und zu gibt es einen kleinen Tipp oder eine Hilfestellung der Betreuer. Fasziniert bin ich von drei Jungs: Leon, Fabian und Marvin.  Sie löten ein Herz. Leon macht sein Herz für Mama zum Muttertag. Er sagt, es sei ganz schon anstrengend. Aber aufgeben? „Auf gar keinen Fall“.

Von einem Gast hörte ich, wie er sagte: „Schon wenn man reinkommt, merkt man, dass hier heute eine besondere Atmosphäre herrscht. Es knistert förmlich.
Draußen treffe ich Thomas. Er hat bereits mehrere Stationen besucht. Jetzt darf er noch einmal einen Reifen flicken und das Rad ab- und aufmontieren. Diesen Kurs sollte ich besser auch einmal besuchen.
Am Ende meines Rundganges bleibe ich bei einem jungen Mann mit seinem Laptop hängen. Auch er sei  bereits als Kind mit dem „Technikvirus“ infiziert worden.  Durch eine Informatik AG am Gymnasium. Löten
sei auch für ihn das Zauberwort. Als in der Familie dann der erste Computer angeschafft wurde, war er ständig mit dem Studieren des Programmierbuches beschäftigt.  Inzwischen hat er in dieser Branche seinen Job gefunden. Nebenbei beschäftigt er sich aber mit kostenfreier Software. Linux.  Für ihn ist es ein Muss, den Nutzer über die Vor- und Nachteile von Software aufzuklären.  Vor allem sieht  er Monopolstellungen sehr kritisch.  „Auch hier geht die Vielfalt verloren. Wie in der Natur.“   Außerdem ist der Gedanke der Nachhaltigkeit nicht von der Hand zu weisen. Sein Motto: Alte Hardware zu neuem Leben erwecken.

Mein Fazit. Ich bin sehr zufrieden. Ich habe nur in glückliche Gesichter gesehen. Von den Kindern, den Veranstaltern und auch Eltern. Da sollten wir dranbleiben und ein Zeichen setzen. Gegen die Wegwerfmentalität hin zur Wertschätzung der Kunst des Handwerks und der Genialität der Technik.

 

Der Kalbfleischapfel ist es geworden!

Eigentlich war das Wetter viel zu schön, um den Sonntagnachmittag im Haus zu verbringen, gerade wenn man vor so einer schönen Kulisse tagen kann.  Das meinte auch der Pomologe Steffen Kahl, der an diesem Tag Experten, Kenner, Vermarkter und Neugierige (wie mich) begrüßte und auf den Tag einstimmte.
Höhepunkt sollte an diesem Nachmittag die Wahl der Hessischen Lokal- und Streuobstsorte des Jahres 2019 sein.  Die verantwortlichen Mitglieder des hess. Pomologenvereins wollen mit dieser Veranstaltung   auf alte, erhaltenswerte Obstsorten in Hessen aufmerksam machen. Dabei werden jedes Jahr entsprechende Aktionen durchgeführt und somit wichtige Öffentlichkeitsarbeit geleistet.

Die Streuobstfreunde werben damit für selten gewordene heimische Obstsorten, um sie wieder zu verbreiten und langfristig zu erhalten.
Die Organisation vor Ort übernahmen die Streuobstwiesenretter (www. streuobstwiesenretter.de), die an diesem Nachmittag die Anwesenden über ihre erfolgreiche ehrenamtliche Arbeit informierten.  Florian Schuhmacher und Martin Schaarschmidt berichteten  eindrucksvoll von ihren Aktionen und „Rettungsmaßnahmen“ seit der Gründung  im Jahre 2011.
Ihr Wirken umfasst weit mehr als die Pflege und den Erhalt der Streuobstwiesen. Sie präsentierten auch ihre zeitgemäße Marketingstrategie.
Aus den „jungen Wilden“ wurden inzwischen ernstzunehmende Botschafter, die sich motiviert und mit viel Spaß für die Rettung der Streuobstwiesen als einen charakterischenTeil der hessischen Kulturlandschaft  einsetzen.
Zum besseren Verständnis: Hessens Landschaft war einst geprägt von hochstämmigen Obstbäumen. Doch nachdem man sogar Rodungsprämien in den siebziger Jahren vergab, wurde es ernst und einfältig.
Mehr als 5000 Tiere und Pflanzen auf der Streuobstwiese zeugen von einer großen Artenvielfalt. Der Steinkauz, meine Lieblingseule, hat hier seinen Lebensraum.
Man kann die Streuobstwiesenretter wirklich als Retter bezeichnen, denn wenn man erfährt, dass die Streuobstwiesenbestände in den letzten Jahrzehnten um 75% zurückgegangen sind, dann war es höchste Zeit, dass sich gerade junge Menschen wieder mit dem Erhalt dieser wertvollen Kulturlandschaft auseinandersetzen und Mitstreiter suchen und finden.
Viele regionale Sorten sind seitdem verschollen und auch das Landschaftsbild zeigt sich verwahrlost. Außerdem fehlte die Vernetzung der Akteure, die sich um den Schutz der Bäume kümmern.
Von manchen Sorten gibt es heute nur noch einen Baum. Ich erinnere mich noch gut, als es einen Aufruf der Retter gab: „Gesucht wird Hans Kasper“. Und? –  Er wurde gefunden und er stand bei der heutigen Veranstaltung der Pomologen sogar im Mittelpunkt, zusammen mit dem Pflasterapfel und dem Kalbfleischapfel.
Herr Kahl ergriff das Wort und teilte die Anwesenden in drei Gruppen ein. Sie sollten sich mit den drei genannten Sorten auseinandersetzen, ihre Vorzüge finden und weitere interessante Merkmale und Informationen zusammentragen. Jede Gruppe stellte dann ihren Apfel vor. Es war ein Werben um die meisten Stimmen.
Bei einer Sorte ergänzte jemand aus dem Publikum: „Diese Sorte kann auch weiter weg vom Haus gepflanzt werden, der wird nicht gestohlen“.
Liegt das daran, dass er vielleicht vom Geschmack her eher als Kelterapfel geeignet ist? So wie der Speierling, den ich schon selbst probiert habe.  Er wird seinem Namen gerecht. Es geht aber nicht nur um den Tafelapfel.
Inzwischen wird nämlich das Obst der Streuobstwiese  wieder wertgeschätzt.
Wir haben am Naturschutzzentrum auch ein paar Obstbäume und ich habe inzwischen ein Auge auf unsere Bäume, denn auf den Geschmack kommen auch BesucherInnen, die manchmal vergessen, dass die Bäume  ja jemanden gehören und die Besitzer gerne selber ernten würden.

Dann kam es zur Abstimmung. Die Wahl fiel mit großer Mehrheit auf den Kalbfleischapfel. Herzlichen Glückwunsch!
Eine gute Stimmung herrschte im Raum. Alle waren zufrieden. Jetzt blieb noch genügend Zeit für die Reiser-Tauschbörse, auf die alle Lust hatten. Ich konnte, entschuldigen Sie, wenn ich es so einfach sage, mir gar nicht vorstellen, was da passiert. Da lagen einfache Ruten, die genau unter die Lupe genommen wurden, da wurde fachgesimpelt und spezielles Wissen ausgetauscht. Eine ganz andere Welt, von der ich nur wenig verstehe. Gut, dass wir so verschieden sind. Wie die vielen verschiedenen Apfelsorten.

Frühling! Du kannst kommen.

Hätte bei Frühlingsfest nicht so ein Wetter sein können? Draußen ist es frühlingshaft warm, die Bienen summen um ihr Hotel und beziehen ihre Wohnung. Die Spatzen pfeifen, die Meisen bauen vor meinen Augen an ihrem Nest, Gänse laufen zu zweit am nahen Seeufer. Das ist Frühling!
Eigentlich sind wir ja, zumindest was das Wetter anbelangt, sehr verwöhnt. Kaum eine Veranstaltung ist in den letzten 12 Jahren buchstäblich ins Wasser gefallen.
Mit Sorge beobachteten wir wochenlang die Prognose für den 19. März. Leichtes Aufatmen. Zumindest sollte es nicht regnen. Wir freuen uns halt, wenn unsere kleinen und großen BesucherInnen sich im Freien aufhalten können. Unser Programm war darauf ausgelegt.
Dennoch. Wir nahmen es gelassen. Viele Akteure sahen es genauso und die stimmungsvollen Bilder lassen auch gar keine anderen Schlüsse zu.
Der Bergsträßer Anzeiger, d.h. Frau Scharf hat einen schönen Artikel dazu geschrieben. Als Gerhard ihn beim Frühlstück las, sagte er: „da wäre ich auch gerne dabei gewesen“. Er wurde aber in Berlin gebraucht.
Hier ein Link zu diesem Artikel:
http://www.morgenweb.de/region/bergstrasser-anzeiger/region-bergstrasse/ganz-nah-dran-an-kroten-und-froschen-1.3202426

Ich wäre so gerne länger an den Ständen stehen geblieben, hätte gerne mehr Zeit bei den Imkern verbracht, die sich mit einem tollen Stand präsentierten…, hätte auch gerne Erhard  wieder über die Schulter geschaut, als er Herrn Oyan in frühlingshafter Laune das Kiva-Projekt der Klimalotsen vorstellte…, hätte auch gerne noch länger den Kindern zugesehen, die Schmetterlinge gefilzt oder Insektennisthilfen erstellt hatten…, hätte gerne noch viel mehr Samenbälle geworfen, damit unsere Bienenwiese im Sommer wieder im gelben Blütenlicht erstrahlen kann,  aber  – ich war Springerin. Mal in der Küche oder – (und das noch viel lieber) oben an der Feuerstelle.
Da zieht es mich einfach hin und an diesem Tag besonders, denn Harald Germann war exklusiv aus Zwingenberg angereist und hatte im Kofferraum jede Menge Backutensilien und vor allem einen bereits gärenden Roggenteig für unser Brot aus dem Steinofen.
Es sprach sich ganz schnell unter den Anwesenden herum, ab wann das frische Brot aus dem Ofen gekostet werden konnte. Wir hatten dazu verschiedene Aufstriche und Bärlauchbutter vorbereitet -die Warteschlange war  länger als die für die Getränkeausgabe.

Hussein unser neuer BFDler hatte an diesem Tag ganz schön was zu Staunen. Er war mit Sirin in der Kreativwerkstatt und stellte, wie sie mir am Abend sagte, viele, viele Fragen. Ob in Kolumbien auch solche Feste gefeiert werden?
Auf jeden Fall hat er sich bereits eingelebt und bringt sich seit einer Woche engagiert ins Tagesgeschehen mit ein. Gestern musste er mich sogar „retten“. Eine große Gruppe der Kolpingfamilie Bergstraße war zu Gast. Ich hatte einen Vortrag vorbereitet und brauchte seine Unterstützung und seinen technischen Verstand, weil wieder mal unser Beamer nicht so wollte, wie ich es mir wünschte.
Das nenne ich Team. So erlebte ich uns auch am Sonntag. Ein stimmiges Team, auch im erweiterten Sinn. Jede/r nahm seinen/ihren Platz ein, ob Mechthild hinter der Kuchentheke oder Daniel und Max hinter dem Tresen. Am Abend waren wir platt, aber blickten zufrieden auf den regenfreien Nachmittag zurück. Der Wettergott war uns hold.

Klimalotsen agieren weltweit

Klein aber fein war der Auftakt zur zweiten Runde der Klimalotsen. Anfänger trafen auf Fortgeschrittene. Genial. Alle wollen was dazu lernen und das, verbunden mit Spaß. Der war natürlich mit vorgesehen.
Beate hatte auf zwei großen Tischen Anschauungsmaterial zum Anfassen vorbereitet. Schon allein an diesen Tischen könnte man stundenlang verweilen, weil sie neugierig machen.
Ich freute mich, sie alle wiederzusehen. Auch die „Neuen“. die Reinschnupperer, waren keine Unbekannten mehr für uns.

Der Förster und Waldpädagoge, Ruis Eckhardt, kam ebenfalls zu dem Treffen. Er ist der unser Experte zum Thema: Wald und Klima. Ruis hatte etwas mitgebracht. Holz.  Jeder bekam es in die Hand mit der Aufforderung, es zu brechen. Das klang einfach. Schaffte aber keiner. Nicht einmal Erhard Renz.  Es musste also einen Trick geben. Der „Aha-Effekt“ blieb nicht aus.  „Ist doch logisch“, waren sich hinterher alle einig!
Er wurde aber auch wissenschaftlich in seinen Ausführungen. Er sprach über Folgen des Klimawandels, die wir selbst im Wald entdecken können. Die Wissenschaft der Phänologie setze sich nämlich mit jährlich wiederkehrenden Ereignissen in der Natur auseinander. So haben Forscher zum Beispiel festgestellt, dass die Blüte des Haselnussstrauches sich in wenigen Jahrzehnten um mehrere Wochen nach vorn verschoben hat.

Zwischenrein gab´s was zum „Spielen“. Beate stellte, sozusagen als Vorgeschmack auf das Spiel: „Siedler von Global“, eine Teamaufgabe.  Alle mussten gemeinsam einen Stab absetzen. Dabei durfte der Stab nicht umklammert werden und alle Finger mussten immer in Kontakt mit dem Stab, sein. Das war nicht so einfach, denn zunächst wanderte der Stab unter großer Verwunderung nach oben.

Dann übernahm Eva die Rolle der Expertin. Eva kennen schon alle.  Auch sie hatte sich als Referentin für den heutigen Infotag angekündigt und machte die Schüler neugierig auf ihr Thema: „Energie aus der Sonne“. Welche Kraftwerke gibt es, die aus erneuerbaren Energiequellen Strom erzeugen? Gemeinsam  überlegten sie, womit sie am 10. März experimentieren wollen. Sie einigten sich auf den Bau eines Aufwindkraftwerkes.

Im nächsten Beitrag stellte Erhard Renz  sein Projekt: Kiva  vor. Dank einer großzügigen Spende als Startkapital können die Klimalotsen  inzwischen Kleinkredite im Wert von 25 Dollar pro Projekt an bedürftige Menschen auf der ganzen Welt vergeben. Es entsteht auf dem Portal von Kiva ein wachsendes Team weiterer Spender, die Geld zur Verfügung stellen, damit die „Jungunternehmer“ frühzeitig lernen, sich zu engagieren, Verantwortung zu übernehmen, sich auszutauschen, zu vertrauen… Sinn ist ganz sicher nicht, als Gönner aufzutreten. Bisher konnten Kredite über 1700,-€ vergeben werden. Teilweise wurde schon begonnen, die Kredite zurückzuzahlen, so dass sie erneut vergeben werden können.
Sehr interessant war an dieser Stelle  die Frage: Was hat Kiva mit dem Klimawandel oder Klimaschutz zu tun?
Hier einige Antworten der Kids: „Wir helfen damit Familien, dass ihre Kinder zur Schule gehen können, vielleicht sogar studieren.“ „ Wir geben einen Kredit, damit Bauern eine kleine Solaranlage anschaffen können. So können ihre Kinder abends noch in ihren Schulbücher lernen, weil sie ja tagsüber  mithelfen müssen.“  „Wir können Bauern helfen, Maschinen zu kaufen, die sie bei ihrer Arbeit unterstützen“.   „ Wir unterstützen damit Menschen, denen es nicht so gut geht wie uns, ihren Lebensunterhalt im eigenen Land aufbringen zu können. Damit sie ihr Land nicht verlassen müssen.“
„Wir haben so viel Glück, dass wir in Deutschland geboren wurden. Anderen geht es nicht so gut. Wir können ihnen so etwas zurückgeben“. Ein Junge schilderte, dass er die Hälfte seines Geldes zur Kommunion für ein ähnliches Projekt spendete. „Ich konnte einfach nicht anders“.  Mir geht es so gut.
Ab Mai kommt für 10 Monate eine Inderin zu uns als BFDlerin. Sie wurde durch die Karl-Kübel-Stiftung (Weltwärts) über unsere Einrichtung informiert. Eine Mitarbeiterin war direkt vor Ort und stellte verschiedene Einsatzstellen vor. Aiswarya, so heißt die junge Frau, die sich noch nicht recht vorstellen kann, warum man ein Natur- und Umweltzentrum braucht. Aber sie war gleich neugierig geworden. Natürlich wird sie auch in der Gruppe der Klimalotsen mitmachen. Sie kann uns etwas über ihre Kultur, über das Bildungssystem und die Schönheit des Landes erzählen. Sicher erfahren wir auch etwas über die Vorzüge und etwas über die Sorgen ihres Landes. Wir werden genau zuhören  und können so gegenseitig voneinander lernen. Davon bin ich überzeugt.