Zeitungsbericht Winterfest

Umwelt: Jahresausklang im Naturschutzzentrum Bergstraße / Eintauchen in die realistische Abenteuerwelt der Natur

Wissen auf spielerische Art vermittelt

Bergstraße. Wieder einmal war es eine Veranstaltung nach Maß, in der sich Informationen, Wissensvermittlung auf spielerische Art und Spaß exakt die Waage hielten. Das Naturschutzzentrum Bergstraße - also Veronika Lindmayer und ihr engagiertes Team - hat einfach ein Händchen dafür, wie man Kinder und Erwachsene gleichermaßen in die realistische Abenteuerwelt der Natur abtauchen lässt. Viel Brimborium braucht es dafür jedenfalls nicht. Kreative Ideen lassen sich mit einfachsten Mitteln umsetzen. Wer die Augen offen hält und neugierig ist, hat schon halb gewonnen.

 

Zum Jahresausklang lud das Naturschutzzentrum die Besucher am Sonntagmittag zum Mitmachen, zum Löcher in den Bauch fragen, zum Ausprobieren, Erforschen und Innehalten ein. Aber auch zur Schatzsuche mit dem Spaten, zum Burgbau und "Zündeln", zum Experimentieren und zum sich in Geduld Üben. Im Hauruck-Verfahren ging gar nichts. Wer beispielsweise seine eigene Kerze aus Bienenwachs ziehen wollte und den Docht immer wieder ins Flüssigwachs tauchte, brauchte beides, Geduld und Zeit. Damit erst gar keine Langeweile beim Trocknen der Wachsschichten aufkam, marschierten die Kinder in den Pausen dazwischen durch ein mit Tannenzweigen ausgelegtes Labyrinth. War das Ziel des spiralförmigen Irrgartens erreicht, wurde es langsam Zeit fürs nächste Wachsbad.

"Was macht die Welt, was machen Tiere, Pflanzen und Blätter im Winter?" lautete das Motto der atmosphärisch-dichten Veranstaltung. Und natürlich war das Naturschutzzentrum bestens gerüstet, um den vielen kleinen und großen Gästen diese Frage ausreichend und anhand praktischer Beispiele zu beantworten. Das Eichhörnchen, so erfuhren die Kinder, legt sich für die kalte Jahreszeit einen Vorrat an Nüssen zu und versteckt ihn gut. Also begaben sich die Kids auf die Suche nach der - zuvor vom Team im Sandberg verbuddelten -, Kiste mit der leckeren und schmackhaften Tier- und Menschennahrung.

Überall duftete es verführerisch

Drinnen und draußen duftete es am Sonntag überall verführerisch. Draußen, in einer geschützten Ecke, brutzelten Väter ihrem Nachwuchs Würstchen über dem offenen Feuer, drinnen bastelten Jungs und Mädchen nostalgische Duftorangen und spickten diese mit wohlriechenden Gewürzen wie Nelken, Zimtstangen, Muskat und Ingwer. Gleich nebenan war die Knusperhäuschen-Werkstatt, in der mit Wasser, Puderzucker und Gummibärchen-Bewohnern hantiert wurde. Einige Schleckermäuler konnten der Versuchung nicht widerstehen und steckten gleich die ganze, mit süßem Zuckerguss garnierte, Hand in den Mund.

"Wenn die Natur eine Pause einlegt, sollten auch die Menschen Zeit füreinander und zum Ausruhen finden", wünschte sich Veronika Lindmayer, pädagogische Leiterin des Naturschutzzentrums. Mit der Veranstaltung kurz vor Jahresende wolle man die Menschen berühren und sie an alte Traditionen erinnern. Dass es dazu weder viel Geld noch aufwendiges Material braucht, demonstrierten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und gaben jede Menge Tipps und Anregungen. Gemeinsam mit Kindern und Eltern bastelten sie in der Bienenwachswerkstatt aus Nussschalen und Naturmaterialien hübsche Mitbringsel und kleine Geschenke.

Bosseln mit 10 000 Streichhölzern

Ein paar Schritte weiter waren Nachwuchsarchitekten am Werk und bosselten mit Ton, Wasser und rund 10 000 Streichhölzern eine mächtige Feuerburg. Feuerburg deshalb, weil das trutzige Bauwerk am Nachmittag angezündet, und die Streichhölzer wie beim Dominoeffekt nacheinander lichterloh abfackelten. Im oberen Stockwerk stand ein Mikroskop für all diejenigen bereit, die Blätter und Zweige einmal genau unter die Lupe nehmen wollten.

Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des Naturschutzbundes, hatte bei einem Spaziergang an der Erlache drei Dutzend Zweige von Bäumen und Sträuchern abgeknipst, unter anderem von der Birke, Esche und Götterbaum, und im Zentrum ausgestellt. Der Naturschützer zeigte und erklärte anhand der wechselseitig wachsenden Knospen eindrucksvoll und spannend, dass in der Natur nichts willkürlich ist, sondern alles seine Ordnung hat.

Worauf er die Besucher noch hinwies: Dass der eher in Nordhessen beheimatete Vogel mit Namen "Raubwürger" am Naturschutzzentrum gesehen wurde, und dass ein Wanderfalke sich hier niedergelassen hat. Er gab aber auch zu bedenken, "dass man mit mehr Geld und mehr Personal noch viel mehr machen könnte", zum beispielsweise die Jugendarbeit verbessern. Dass es inzwischen einige Wirtschaftskooperationen gibt und sich das Naturschutzzentrum überregional einen Namen gemacht hat, spricht indes für Qualität und Nachhaltigkeit. gs

Bergsträßer Anzeiger
24. November 2009